Deutsche Minderheit

Ida und Villads sind sich sicher: Sie werden ihre Nachschulzeit in Tingleff vermissen

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Villads und Ida vor der markanten Skulptur der Deutschen Nachschule Tingleff, die sie nun verlassen. Mit guten Erinnerungen, wie beide betonen.

Villads Aabjerg Andersen aus Kolding hat zwei Jahre an der Deutschen Nachschule Tingleff verbracht, Ida Thamling aus Lübeck eins. Während es den Koldinger an ein Gymnasium in der Heimat zieht, bleibt Ida in Nordschleswig. Beide sind von ihrer Zeit an der deutschen Nachschule angetan.

Die Sachen sind gepackt, die Internatszimmer weitestgehend geräumt. Das Nachschuljahr in Tingleff neigt sich dem Ende zu. Am Sonnabend heißt es beim Abschluss der Lerngruppen mit zugewiesener Lehrkraft – der sogenannten Tutorengruppen – Abschied nehmen.

„Es wird emotional, weil einem bewusst wird, dass man auf einmal getrennte Wege geht. Es war ja ein enges Zusammensein“, sagt Schüler Villads Aabjerg Andersen. Der Koldinger war zwei Jahre an der Tingleffer Nachschule.

Ida Thamling aus Lübeck hat nur ein Jahr hinter sich, doch auch für sie wird das Abschiednehmen schwer. „Ich habe es noch nicht ganz realisiert, dass die Zeit hier vorüber ist. Es wird sicherlich traurig“, blickt auch die 16-Jährige mit Wehmut dem Abschied entgegen.

Beide sind sich einig, dass die Entscheidung, an die Tingleffer Nachschule zu wechseln, die richtige war. Seine beiden Jahre seien von einer tollen Gemeinschaft, Freundschaft „und vielen Erlebnissen über den Unterricht hinaus“ geprägt gewesen, schwärmt der 17-Jährige.

Ähnlich formuliert es Ida: „Das Zusammenleben mit Gleichaltrigen, das Deutsch-Dänische, das Internat und der abwechslungsreiche Alltag: Es war eine krasse Zeit.“ Sie sei erwachsener geworden und auch ein wenig ordentlicher, fügt Ida mit einem verschmitzten Lächeln hinzu.

Per TV-Doku auf das Nachschulwesen aufmerksam geworden

Ida und Villads setzen ihren schulischen Weg an einem Gymnasium fort. Ida wechselt an das DGN nach Apenrade.

Wie ist sie als Lübeckerin eigentlich auf die Nachschule in Tingleff gekommen?

Ida: „Es gab im Schleswig-Holstein-Magazin (NDR Fernsehen, red. Anm.) mal einen Beitrag, und bei den nordischen Filmtagen in Lübeck haben wir eine Dokumentation zu Efterskoler gesehen. Die Schulart sagte mir und meinen Eltern zu.“

Nach einem Infobesuch in Tingleff war die Entscheidung dann getroffen: Ida wechselt an die Nachschule in Dänemark.

Für Villads war klar, dass er die Schulzeit an einer Nachschule fortsetzen würde. „Mein Vater war schon an einer Nachschule und mein Bruder auch. Sie haben Gutes davon erzählt“, so der Koldinger.

Ich habe es noch nicht ganz realisiert, dass die Zeit hier vorüber ist. Es wird sicherlich traurig.

Nachschülerin Ida Thamling

Die Deutsche Nachschule in Tingleff suchten er und seine Eltern gezielt aus. „Meine Mutter ist Deutsche. Wir fanden es eine gute Idee, nach Tingleff zu gehen, damit ich mein Deutsch verbessere. Zu Hause sprechen wir nur Dänisch“, erzählt der junge Mann.

Nächste Station: DGN

Bei Ida reifte während des Nachschuljahres der Gedanke, an das Deutsche Gymnasium für Nordschleswig (DGN) zu wechseln.

„Ich wusste gar nicht, dass es das gibt. Erst im Herbst bin ich darauf gestoßen. Da ich ohnehin Abitur machen wollte, entschied ich mich dann für das DGN“, erzählt Ida, die nach einem Jahr an der Nachschule nun auch die Gymnasialzeit fernab des Elternhauses verbringen und im Internat wohnen wird.

Villads, der mit dem dänischen Schulwesen aufgewachsen ist, war hin- und hergerissen, ob er das auch tun soll. „Er hätte absolut das Zeug dazu. Deutsch bereitet ihm keine Schwierigkeiten“, betonte Nachschullehrerin und Koordinatorin Karin Warm kurz vor dem Interviewtermin.

Der 17-Jährige nahm die Lorbeeren mit einem verlegenen Lächeln zur Kenntnis. Umstimmen wird es ihn aber nicht. „Ich möchte noch nicht ausziehen und möchte daher zurück nach Kolding. Ich gehe an ein Fachgymnasium (htx, red. Anm.). Gereizt hat mich das DGN aber schon“, sagt der Noch-Nachschüler, dem ein Ingenieur-Beruf vorschwebt. Ida könnte sich gut vorstellen, später etwas mit Filmproduktion zu machen, wie sie sagt.

An der Nachschule habe sie den ruhigen Alltag und das entspannte Lernen geschätzt, ohne dabei den Unterrichtsstoff aus den Augen zu verlieren. „Es ist kein Druck aufgebaut worden, und man hat eine enge Bindung zu den Lehrkräften. Sie begegnen einem auf Augenhöhe“, sagt die Lübeckerin.

Persönliches Verhältnis zu den Lehrkräften

Villads stimmt Kopf nickend zu: „An der Nachschule lernt man die Lehrkräfte viel besser kennen, weil man ihnen auch außerhalb des Unterrichts begegnet. Es ist sehr persönlich.“

Für den Koldinger steht kurz vor Torschluss daher fest: „Ich werde auch die Lehrerinnen und Lehrer vermissen“.

Was er bei allen positiven Erlebnissen während seiner Nachschulzeit nicht vermisst, „sind die genauen zeitlichen Vorgaben, wann man hier zu sein hat, wann man im Zimmer sein und schlafen muss und so.“

Ida und Villads vor dem Haupteingang ihrer nun ehemaligen Wirkungsstätte

Auch die Privatsphäre sei manchmal zu kurz gekommen. „Ich war in einem Dreier-Zimmer. Da ist man eigentlich nie für sich. Es ist immer etwas los“, sagt Villads und erhält dieses Mal von Ida ein Kopfnicken. „Man ist in der Tat nie allein, aber das ist okay, zumal es ein tolles Miteinander gibt“, so die künftige DGN-Schülerin.

Topnoten zum Abschluss

Mit dem Dänischlernen hat es bei der Lübeckerin recht gut geklappt. Beim Abschlussexamen im Fach Dänisch als Fremdsprache sprang eine 12 heraus. Identisch ist es bei Villads in Deutsch als Fremdsprache gelaufen. Auch hier gab es die Topnote 12.

Der weitere Bildungsweg kann kommen. Zuvor heißt es noch Tschüss sagen. Dazu sind die Jugendlichen und deren Familien am 28. Juni eingeladen. Auf den Tag verteilt nehmen im Innenhof der Nachschule reihum die Tutorengruppen Abschied.

Dieses Format als Ersatz für eine klassische Schulabschlussfeier war in der Corona-Krise eingeführt worden. Es habe sich bewährt, da Schülerinnen und Schüler, deren Angehörigen und die Lehrkräfte sich in aller Ruhe voneinander verabschieden und noch einmal ins Gespräch kommen können. „Es ist persönlicher als die übliche Entlassungsfeier“, sagt Schulleiter Jørn Warm.