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Handwerkerpreise: Bauprojekte in Nordschleswig teurer als vor zwei Jahren

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Zimmerermeister Kristian Sørensen betreibt seine Firma in Gravenstein.

Handwerker zu bezahlen, das ist in den vergangenen beiden Jahren noch teurer geworden: Nach Angaben der dänischen Plattform „3byggetilbud“ sind die Preise für Bauprojekte – wie zum Beispiel neue Dächer und Fenster – in Dänemark insgesamt um 72 Prozent gestiegen. Doch mit welchen Preisen müssen die Menschen in Nordschleswig jetzt für ihre Bauprojekte rechnen?

Zimmerermeister Kristian Sørensen klettert vom Dach eines Hauses in Broacker (Broager), schultert eine Holzlatte und steigt über ein paar Stufen auf der Leiter zurück auf das Dach. Diese Holzlatten, sagt er, seien ein gutes Beispiel für die Preisentwicklung in den vergangenen Jahren.

„Vor der Corona-Pandemie hat so eine Latte etwa 5 Kronen gekostet, jetzt sind es 8,50 Kronen. Zwischenzeitlich war der Preis fast doppelt so hoch“, erklärt der Handwerker aus Gravenstein (Gråsten).

Der Kunde, dessen Dach Kristian Sørensen gerade renoviert, wird sich auf eine Rechnung von rund 320.000 Kronen inklusive Mehrwertsteuer einstellen müssen. „Vor zwei Jahren wäre das noch etwa 30 bis 40 Prozent günstiger gewesen“, schätzt der Zimmerermeister. Heißt: Der Kunde hätte zu einem früheren Zeitpunkt – auf 30 Prozent gerechnet – lediglich rund 224.000 Kronen für sein Dach bezahlen müssen.

72 Prozent Preisanstieg in Dänemark insgesamt

Die Plattform „3byggetilbud“ – dort können sich Handwerksbetriebe, die ihre Dienstleistungen anbieten wollen, registrieren lassen – geht für Dänemark insgesamt sogar von einer Preissteigerung von durchschnittlich 72 Prozent allein in den vergangenen beiden Jahren aus. Für Nordschleswig sieht Kristian Sørensen das anders: „Ich schätze, dass die Preise seit der Corona-Pandemie zwischen 65 und 70 Prozent gestiegen sind – also über einen Zeitraum von ca. fünf Jahren.“

Neben den gestiegenen Materialpreisen hänge das mit der allgemeinen Inflation zusammen. „Auch wir Handwerker müssen Lebensmittel kaufen, die Energierechnungen bezahlen. Es ist alles teurer geworden“, so Sørensen. Er arbeitet allein und heuert bei Bedarf Handwerkskolleginnen und -kollegen an. Sein Stundenlohn ist in den vergangenen beiden Jahren um 20 Prozent auf jetzt 475 Kronen plus Mehrwertsteuer gestiegen.

Zimmerermeister Kurt Bucka aus Jeising (Jejsing) sieht den Preisanstieg für Handwerkerdienstleistungen in den letzten beiden Jahren generell bei fünf bis zehn Prozent. Anders allerdings, wenn Kundinnen oder Kunden ein neues Dach haben wollen: „Da dürften es 20 bis 25 Prozent mehr sein“, schätzt Bucka, dessen Firma unter anderem Industriehallen und Ställe baut und umbaut. Grund dafür seien auch neue Regeln in einigen Kommunen für das Entsorgen von Eternit-Dachplatten, die Asbest enthalten. Diese Dachplatten dürfen seit dem 1. Januar dieses Jahres nur noch von zertifizierten Firmen entsorgt werden.

Nach Angaben der Plattform „3byggetilbud“ zählen neue Dächer zu den am meisten nachgefragten Bauprojekten.

Die Handwerkerpreise in Nordschleswig sind in den vergangenen beiden Jahren um 30 bis 40 Prozent gestiegen.

Kristian Sørensen

„Bei einem Haus von 160 Quadratmetern muss man jetzt etwa 30.000 bis 40.000 Kronen nur für das Abreißen und Entsorgen rechnen“, sagt Kurt Bucka.

Renovieren und Sanieren für die Umwelt – staatlich gefördert

Trotz der höheren Preise – die Kundinnen und Kunden renovieren weiter: Nach Angaben von „3byggetilbud“ ist die Zahl der Renovierungsarbeiten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um acht Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024 gestiegen. Vor allem neue Dächer, Carports, Holzterrassen und Fenster sind gefragt. Das bestätigt auch Kristian Sørensen: „Neue Dächer und Fenster isolieren besser. Das fällt unter Umweltsanierung – und die wird staatlich gefördert.“

Seit dem 1. Januar können dafür bis zu 8.600 Kronen pro Jahr und pro volljähriger Person im Haushalt von der Steuer abgesetzt werden. Dazu zählen nach Informationen der Steuerbehörde unter anderem alle Maßnahmen, die ein Haus besser dämmen. „Das nutzen die Kunden jetzt natürlich“, sagt Kristian Sørensen.

Bei hoher Nachfrage klettern auch die Preise. Verlangt man da als Handwerker vielleicht einfach auch höhere Preise – nach dem Motto: weil ich’s kann? Auftragsbücher voll, aber mal schauen, wie weit man preislich bei den Kundinnen und Kunden gehen kann? „Nein, ganz sicher nicht. Dafür bin ich zu ehrlich. Wenn ich keine Aufträge mehr annehmen kann, bitte ich einfach darum, in einem halben Jahr noch mal anzufragen“, erklärt Kristian Sørensen, bevor er die nächsten Holzlatten schultert und zurück aufs Dach klettert.