Deutsche Minderheit

Grenzland und Minderheitenidentität: Pattburger Schulkinder setzten sich selbst in den Fokus

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Das Grenzland und die Minderheitenidentität waren Schwerpunktthemen einer Projektwoche an der Deutschen Schule Pattburg

Was bedeutet es, einer Minderheit anzugehören, und was ist am deutsch-dänischen Grenzland so besonders? Damit befassten sich die Klassen der Deutschen Schule Pattburg eine Woche lang. Es kam einiges zusammen.

Bei dieser Projektwoche an der Deutschen Schule Pattburg waren die Schülerinnen und Schüler selbst das Thema. Es ging um Identität als Minderheitenangehörige, um die Geschichte Nordschleswigs und um das deutsch-dänische Grenzland.

„Es kam zum Schuljahresbeginn in der Schulleiterrunde zur Sprache, dass das Thema Minderheitenidentität in den Einrichtungen mehr in den Fokus rücken könnte und sollte. Ich habe es dann bei uns an der Schule für die Projektwoche vorgeschlagen. Es kam bei den Kolleginnen und Kollegen gut an, und die Woche wurde schließlich darauf ausgelegt. Es ist in den vergangenen Monaten ja auch im BDN ein Hauptthema gewesen“, skizziert Birgit Pedersen, Leiterin der Deutschen Schule Pattburg, das Zustandekommen des Projektthemas „Identität in Nordschleswig“.

Die Klassenstufen schwärmten eine Woche lang aus, um sich altersgerecht dem Thema zu widmen.

Deutsch, Dänisch und das Grenzland: An der Deutschen Schule Pattburg ging es eine Woche lang um Minderheitenidentität.

Es stand allerhand auf dem Programm, wie Lehrerin Kerstin Schröder im Namen aller Projektgruppen berichtet.

Auf historischen Pfaden

Die Klasse 0 und 1 erkundete demnach die Niehuuser Burgruine, wanderte den Gendarmenpfad und den Ochsenweg entlang und besuchte das Grenz- und Zollmuseum in Pattburg.

„Dort konnten sie Pässe ausstellen, sich als Polizisten oder Zöllner verkleiden und Funksprüche entschlüsseln“, so Schröder. Die beiden Klassen setzen sich darüber hinaus mit ihrer Identität und der Sprache auseinander, indem sie diese in Sprachporträts darstellten.

Kleidertausch im Zoll- und Grenzmuseum in Pattburg
Zollabfertigung wie in alten Tagen

Kerstin Schröder bringt es noch einmal auf den Punkt, warum man sich an der Schule nach Anregung der Schulleiterin für dieses Projektthema entschieden hatte: „Es ist wichtig, seine Identität zu kennen, weil sie das Fundament für Selbstverständnis, persönliche Entwicklung und zwischenmenschliche Beziehungen bildet. Das Wissen um die eigene Identität ist besonders wichtig für das Leben in einer Minderheit, da es dabei hilft, ein starkes Selbstbewusstsein zu entwickeln, die eigene Kultur und Werte zu bewahren.“

Kriege und Familiengeschichte

Zu diesem Leitfaden begaben sich auch die Klassen 2 und 3 mit ihren Lehrkräften auf Spurensuche. Ein Höhepunkt war dabei der Ausflug zur Düppeler Schanze, wo die Kinder mehr über die historische Schlacht von 1864 erfuhren, bei der die deutsche und dänische Seite beim zweiten Schleswigschen Krieg um die Herzogtümer Holstein und Schleswig kämpften.

Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich auch mit ihren eigenen Stammbäumen. Die Mutter von Schüler Luke brachte das Ahnenbuch der Familie Okkels mit und erzählte, dass der Name „Okkels“ auf den Hof „Okkelsgård“ aus dem Jahr 1650 zurückgeht.

In Flensburg besuchten die Klassen 4 und 5 die dänische Minderheit. Im Aktivitetshuset gestalteten die Kinder kreative Bilder zum Thema Identität. „Nach einer Pause in der dänischen Bücherei und einer Erfrischung ging es weiter zur dänischen Korskirke und hinauf zum Idstedt-Löwen, dessen Geschichte sie im Unterricht besprochen hatten“, berichtet Kerstin Schröder.

Beim Besuch im Düppeler Museum konnten die Pattburgerinnen und Pattburg in Uniformen von 1864 schlüpfen.

Historischer Exkurs

Von der Familie Okkels kamen interessante Informationen zum Stammbaum. Luke und seine Mama hatten diverses Material mitgebracht.

Die Klasse 6 begann die Projektwoche mit einem Besuch des Deutschen Museums Nordschleswig in Sonderburg (Sønderborg). Am Tag darauf schaute die Klasse den Film „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ über eine jüdische Familie, die 1933 aus Berlin flieht. Im Anschluss besuchten die Schüler das Fröslevlager und erhielten eine Führung auf Deutsch.

Besuche bei der dänischen Minderheit in Flensburg, unter anderem in der Gustav-Johannsen-Skole, waren Teil der Projektwoche.

Auf dem Programm stand auch ein Austausch mit Schülerinnen und Schülern der dänischen Gustav-Johannsen-Skole in Flensburg, wo die Pattburgerinnen und Pattburger ihre Power-Point-Arbeiten zur Identität präsentierten und sportliche Aktivitäten mit den Kolleginnen und Kollegen der dänischen Minderheit unternahmen.

Krönender Abschluss der intensiven Arbeits- und Erlebniswoche war die Projektpräsentation für die Angehörigen am Sonnabend. Jede Klassenstufe hatte zum Thema etwas vorbereitet.

Die älteren Schülerinnen und Schüler machten eine Tour nach Sonderburg zum Deutschen Museum Nordschleswig in Sonderburg.
Auch ein Abstecher ins Fröslevlager bei Pattburg stand auf dem Programm der Projektwoche.

Aktionstag mit Präsentation

Wenn die Kinder nicht gerade auf Achse waren, arbeiteten sie in der Schule am Thema Identität.

„Die Kleinen boten Tänze und Lieder in Deutsch und Dänisch dar und die größeren Kinder stellten vor, was sie alles zum Thema ausgearbeitet und zusammengetragen hatten. In den Klassenräumen wurden Slideshows mit Eindrücken und Beiträgen zur Projektwoche gezeigt und die Gäste kamen in den Genuss einer nordschleswigschen Kaffeetafel“, berichtet Schulleiterin Pedersen.

„Es konnte zudem das Identitätsspiel des BDN gespielt werden. Die Präsentationsveranstaltung war alles in allem ein schöner Abschluss der Projektwoche, die bei den Kindern gut ankam. Das ist zumindest unser Eindruck“, so das Fazit von Schulleiterin Pedersen.