Deutsche Minderheit

Fünf Lehrkräfte in den Ruhestand verabschiedet

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Diese Lehrkräfte von der Deutschen Schule in Sonderburg gehen jetzt in den Ruhestand: (hinten, v.l.): Michael Kindel, Karin Backen, Manuela Borsinski, Brigitte Hardt und Dorothee Knabe (vorne im Bild).

Fünf Lehrkräfte haben sich an der Deutschen Schule in Sonderburg in den Ruhestand verabschiedet. Was sie mit der neu gewonnenen Freizeit machen und ob die Schule den Verlust kompensieren kann.

Die Sonne strahlt vom Himmel, und ein laues Lüftchen weht ein paar Schäfchenwolken vorbei. Im Schulhof der Deutschen Schule Sonderburg sind viele aktuelle und ehemalige Kolleginnen und Kollegen zusammengekommen, um am Donnerstagabend gleich fünf Lehrkräfte auf einmal in den Ruhestand zu verabschieden: Dorothee Knabe, Brigitte Hardt, Manuela Borsinski, Karin Backen und Michael Kindel.

Kaum zu ersetzen

Für die Deutsche Schule in Sonderburg (DSS) ein Verlust, der nur schwer zu kompensieren ist, sagt Schulleiterin Henriette Tvede Andersen. „Diese Lehrerinnen und Lehrer haben unsere Schule geprägt.“ Michael Kindel etwa: Sein Einsatz für das Wahlfach Theater in der Oberstufe sei fantastisch gewesen. „Sein Theaterstück zur Vorweihnachtszeit war ja Kult, das war Teil des Schulkonzepts“, sagt Henriette. Das werde es so nicht mehr geben ohne „Michi“, wie sie ihn liebevoll nennt.

26 Jahre lang war Michael Kindel Teil der DSS. Seine Kollegin Karin Backen hat fast ihr gesamtes Berufsleben an dieser Schule gearbeitet: 35 Jahre lang war sie Teil des Teams. „Wenn ich das Ideal einer Grundschullehrerin beschreiben müsste, dann wäre das Karin Backen“, sagt die Schulleiterin.

Für die Deutsche Schule in Sonderburg bedeutet der Ruhestand der fünf Lehrkräfte auch einen Kulturwandel.

Langsamer Ausstieg aus dem Berufsleben

Für die Lehrerinnen und Lehrer kam der Ruhestand nicht plötzlich. „Wir hatten ja ein ganzes Jahr Zeit, uns darauf vorzubereiten – und auch noch einmal alles zu genießen, in dem Bewusstsein, dass danach Schluss ist“, erzählt Karin Backen. Braungebrannt, in einem mintfarbenen, gepunkteten Kleid und weißem Leinenblazer, ist sie zu ihrer Verabschiedung gekommen.

„Ausschlafen!“, antwortet sie auf die Frage, was sie an ihrem ersten Tag im Ruhestand tun wird. Langweilen wird sie sich kaum: Karin Backen und ihre Familie haben einen Resthof mit Rindern. Ein Generationenwechsel steht an: Ihr Sohn möchte übernehmen, aber sie selbst will weiterhin mitarbeiten. Außerdem hat Karin Backen vor Kurzem zwei Islandpferde gekauft. „Das ist jetzt der Lebensabschnitt, der mir auch sehr entspricht. Ich komme ja ursprünglich aus der Landwirtschaft“, sagt sie.

Am meisten wird ihr jedoch die Arbeit mit den Kindern fehlen. „Natürlich war das oft auch anstrengend. Aber mit 200 Schülerinnen und Schülern hatten wir hier eine kleine Einheit – da kannte man alle“, sagt Karin Backen, die zuvor ebenfalls an einer kleinen Schule in Lunden unterrichtet hatte. Und nur mit eben dieser kleinen Einheit sei es auch möglich, so lange bis zum Rentenalter durchzuhalten.

Es kommt, wie es kommt

Strahlendes Wetter bei der Verabschiedung der Lehrkräfte an der DSS

Michael Kindel, im grauen, kurzärmligen Hemd, das den Blick auf seine Tattoos freigibt, will die Sache mit dem Ruhestand ganz entspannt auf sich zukommen lassen. Pläne für den ersten arbeitsfreien Tag, für das, was da noch kommt? Hat er nicht. „Es kommt, wie es kommt!“, sagt er. Seine Kolleginnen und Kollegen, die Schülerinnen und Schüler – sie werden ihm fehlen. Er weiß aber auch genau, was ihm nicht fehlen wird: „Das Pendeln! Ich bin ja immer von Wees (Kreis Schleswig-Flensburg, red. Anm.) hierher nach Sonderburg gefahren.“

Ob ausgiebiger Urlaub oder auch erst mal nichts tun – auch bei den drei anderen Lehrerinnen dürfte im Ruhestand kaum Langeweile aufkommen.

Für die DSS ist der Ruhestand der fünf Lehrkräfte ein herber Verlust, sagt Schulleiterin Henriette. „Das bedeutet jetzt einen Kulturwandel an unserer Schule.“