Kommunalwahl

Erwin Andresen will Bürgermeister werden – aber nur mit breiter Mehrheit

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Erwin Andresen
Erwin Andresen ist seit 2002 Mitglied des Kommunalparlaments. Begonnen hat er in der Kommune Tingleff (Tinglev). 2007 wurde die Kommune – nach der Kommunalreform – der Großkommune Apenrade zugeordnet.

Bisher kandidierte Erwin Andresen von der Schleswigschen Partei zwar als Spitzenkandidat bei den Kommunalwahlen – aber in diesem Jahr tritt er auch als Bürgermeisterkandidat an. Was ihn dazu bewogen hat und welche Ziele er verfolgt, erzählt er im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

„Die Entscheidung ist in der Schleswigschen Partei Apenrade getroffen worden“, sagt Erwin Andresen. Seit mehr als 20 Jahren sitzt er im Kommunalparlament und vertritt dort die Wählerinnen und Wähler seiner Partei. Am 18. November tritt er nicht nur erneut zur Kommunalwahl an, sondern auch als Bürgermeisterkandidat. „Wenn die anderen Parteien keine 16 Stimmen stellen können, kann es wichtig sein, dass wir uns zur Verfügung stellen, weil wir den Ruf haben, dass wir in allen Bereichen und mit fast allen konstruktiv mitarbeiten wollen und können“, erklärt er.

Der Stadtrat von Apenrade zählt 31 Mitglieder. Für eine Mehrheit und damit für eine stabile Regierung braucht es 16 Sitze.

Bürgernähe ist eines der Themen

Ein Blick nach Tondern (Tønder) zeigt, wie so etwas laufen kann: Dort war die Parteienlandschaft lange zerstritten, bis sich schließlich eine Mehrheit auf den heutigen SP-Bürgermeister Jørgen Popp Petersen einigte. Auch in Apenrade sei dieses Szenario denkbar, „auch wenn es bei uns andere Bedingungen gibt“, so Andresen. „Popp hat gezeigt, wie unsere Politik funktioniert: breite Zusammenarbeit, Themen in den Vordergrund stellen, Politik für die Kommune und Bürgernähe.“

Doch eine knappe Mehrheit reicht Andresen nicht. „Es gibt keinen SP-Bürgermeister mit so geringer Mehrheit. Wenn wir regieren, dann nur mit einer großen Zustimmung“, kündigt er an.

Mit Wahlbündnis und dritter Stimme

Chancen rechnet er sich aus: „Wir streben ein drittes Mandat an und haben ein starkes Wahlbündnis.“ Zugleich macht er klar: „Für mich geht es nur, wenn wir eine breite Mehrheit haben, die konstruktiv zusammenarbeiten kann.“

Für den 66-jährigen, erfahrenen Politiker steht ein Thema ganz oben auf der Agenda: „Vor allen Dingen die Entwicklung der Stadt Apenrade ist wichtig“, sagt er. „Wenn Apenrade sich gut entwickelt, können wir es uns auch leisten, im ländlichen Raum zu investieren – was wir in den vergangenen Jahren ja auch viel gemacht haben. Geht es der Stadt gut, geht es auch den kleinen Ortschaften gut“, ist er überzeugt. „Dafür braucht es aber eben einen starken Motor, und das ist die Stadt Apenrade.“

Mit Wohnraum gegen Abwanderung

Im Zentrum stehe dabei die Schaffung von Wohnraum. „Damit die Leute hierherkommen und hier leben wollen“, müsse Apenrade attraktiver werden. Dafür sieht Andresen mehrere geeignete Flächen: Nørreport, das ehemalige Bygma-Gelände am Møllemærsk, das frühere Fjordskole-Gelände am Posekær sowie eine Fläche am Stegholt. Neben kommunalen Investitionen seien dafür auch private Investorinnen und Investoren gefragt.

Gerade die Pläne für Nørreport stoßen jedoch auf Widerstand in einer Bürgergruppe. „Es ist ein Abwiegen von Für und Wider. In der heutigen Politik ist es immer einfacher, dagegen zu sein. Schwierige Entscheidungen müssen getroffen werden. Das haben wir in der SP in den vergangenen Jahren immer mitgetragen. In Zusammenarbeit mit den Bürgern gibt es letztlich gute Lösungen“, schildert er seine Erfahrungen.

Neuer Wohnraum könne zudem Abwanderung stoppen, Arbeitskräfte binden und sogar anziehen – auch in den ländlichen Regionen, ist Andresen überzeugt. Ebenso wichtig sei es, in die Dorfgemeinschaften zu investieren. „Wir wollen nicht entvölkern, sondern den Rahmen schaffen, dass dort Leute wohnen wollen.“

Mit starker Mitte gegen Polarisierung

Das Wahlbündnis der SP in Apenrade mit den Moderate, Radikale Venstre und den Christdemokraten entstand auch, um „der Polarisierung eine Gegenstimme zu geben“, wie die Parteien betonen. „Wir wollen eine starke Mitte, in der wir uns größtmöglich einig sind“, wiederholt Andresen. Extreme am linken und rechten Rand sieht er als Teil der Demokratie: „Damit müssen wir umgehen können. Aber das geht besser, je stabiler die Mitte ist.“