Deutsche Minderheit

Eine Reise wie keine andere: Madagaskar hautnah erlebt

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Dieter Hallmann hatte einige Fischerhüte aus Nordschleswig mitgebracht und wollte eigentlich nur einem kleinen Mädchen im Dorf einen schenken. Das Mitbringsel war jedoch auch bei den Erwachsenen sehr begehrt.

Exotische Tierwelten, beeindruckende Landschaften und die Teilnahme an einem jahrhundertealten Ritual: Dieter Hallmann entführte beim Apenrader Mittwochstreff sein Publikum in Wort und Bild in den südostafrikanischen Inselstaat. Der ehemalige Schulleiter aus Hadersleben berichtete von einer unvergesslichen 21-tägigen Reise abseits touristischer Pfade – mit bewegenden Einblicken in Kultur, Armut und Erfindergeist der Inselbewohner.

Die Reise des Ehepaares Hallmann nach Madagaskar liegt zwar schon einige Jahre zurück, aber das Land, seine Natur und vor allem die Menschen des Inselstaates sind Dieter Hallmann noch gut in Erinnerung. Bei der jüngsten Zusammenkunft des Apenrader Mittwochstreffs zeigte der ehemalige Leiter der Deutschen Schule Hadersleben dem interessierten Publikum beeindruckende Bilder von einer faszinierenden Reise. Madagaskar ist für seine einzigartige Tierwelt berühmt. Einige Lemurenarten gibt es nur dort. Besonders eindrucksvoll war für das Ehepaar aus Hadersleben jedoch damals die Teilnahme an einem sogenannten Leichenwendfest.

Die Hallmanns gehörten 2017 einer nur dreiköpfigen Reisegesellschaft an, die sich 21 Tage fernab der sonstigen Tourismusziele bewegte. „Madagaskar ist 13-mal so groß wie Dänemark und hat heute schätzungsweise 31 Millionen Einwohner. 1960 waren es gerade einmal 6 Millionen“, weiß Dieter Hallmann zu berichten.

Chamäleons sind nicht immer ganz in ihrem natürlichen Habitat zu entdecken. Sie passen sich ihrer Umgebung an.

Not macht erfinderisch

Dieter Hallmann hielt seinen Reisevortrag bei der jüngsten Zusammenkunft des Apenrader Mittwochstreffs im Haus Nordschleswig.

Der Inselstaat, der vor der Südostküste Afrikas liegt, ist eines der ärmsten Länder Afrikas. „Viele Menschen müssen für umgerechnet 2,25 Dollar am Tag leben“, erzählt Hallmann. Not macht bekanntlich erfinderisch: Ein Mann stellte aus alten Getränkedosen Spielzeugautos her; ein anderer bastelte aus Metallresten Miniaturfahrräder; und wiederum andere stellten aus Lehm Maria-Figuren her, die sie bunt anmalten. In Touristinnen und Touristen fanden sie begeisterte Abnehmer. Dieter Hallmann hatte ein paar dieser kreativen Basteleien als Anschauungsstücke mitgebracht.

Die Insel war seit Ende des 19. Jahrhunderts und bis 1960 offiziell eine französische Kolonie. Nicht verwunderlich ist ein großer Teil der Bevölkerung deshalb auch christlichen Glaubens. Allerdings gibt es auch noch viele Dörfer, in denen die indigenen Traditionen gepflegt werden.

Dieter Hallmann hatte einige seiner Mitbringsel aus Madagaskar mitgebracht.

Die Toten werden auf besondere Weise geehrt

Beim Leichenwendfest werden die Gebeine der Toten nach einer Reihe von Jahren durch das Dorf getragen.

Die Totenumwendung ist offenbar ein wichtiger Ritus im madagassischen Ahnenkult. „Nach dem Tod eines Angehörigen müssen mindestens vier Jahre vergehen, dann werden die Gebeine ausgegraben und in frische Leinentücher gewickelt“, erzählt Dieter Hallmann. Anschließend werden diese Überreste in einer Prozession durch das Dorf vor das Haus der Familie getragen und dort erst einmal abgestellt. „Den Toten wird dann erzählt, was sich seit ihrem Ableben verändert hat, wer geheiratet hat und wer geboren wurde und Ähnliches, bevor sie dann wieder bestattet werden.“ Das ganze Ritual ist mit einem großen Fest verbunden, für das Tiere geschlachtet und Mahlzeiten vorbereitet werden. Schließlich muss es für alle reichen. Eine solche Feier kann mehrere Tage dauern. – Die Hallmanns konnten ein solches Leichenwendfest am Rande miterleben.

„Das war eine sehr spannende Reise“, erzählt Dieter Hallmann im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“. Er ist in seinem Leben schon an vielen faszinierenden Orten gewesen, aber Madagaskar war offensichtlich ein besonderes Erlebnis. Sollte es andere Vereine oder Organisationen geben, die noch Platz in ihrem Kalender haben, stellt Dieter Hallmann seine Dienste als Vortragshalter gerne zur Verfügung. Anruf genügt.

Der Katta ist eine Lemurenart, die es weltweit in freier Wildbahn nur auf Madagaskar gibt.