Mensch & Umwelt

Edelkastanie am Aastrupvej: Deutlich gekürzt, aber steht noch

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Die Echte Kastanie vor dem Erdhügel auf dem ehemaligen Gelände der Deutschen Bücherei Hadersleben nach dem Beschnitt, gesehen vom Gammelting.

Knapp 200 Jahre alt soll die Edelkastanie am Aastrupvej auf dem ehemaligen Grundstück der Deutschen Bücherei Hadersleben sein. Das Grundstück ist verkauft, es soll bebaut werden. Nun hat der Baum deutlich an Höhe eingebüßt. Baumschützer und Bauinvestor haben mit dem „Nordschleswiger“ über den Baum gesprochen und befinden sich im Dialog.

Die große Edelkastanie (Esskastanie, Echte Kastanie) im Garten der ehemaligen Deutschen Bücherei im Aastrupvej Nr. 9 hat einen deutlichen Beschnitt bekommen. Anfang Dezember gab es auf Facebook einen entsprechenden Hinweis der Haderslebener Baumgruppe auf die Beschneidung und einen Gedankenaustausch dazu.

Die Haderslebener Baumgruppe setzt sich seit dem Verkauf des Grundstückes für den Erhalt der Kastanie ein, die knapp 200 Jahre alt sein soll.

„Zwei Drittel verloren“

Siemen Baader, Mitglied der Baumgruppe, blickt mit Sorge auf den Baum. „Zwei Drittel seiner Größe hat er verloren“, schätzt Baader. Die vielen neu entstandenen Sägeflächen könnten Pilzen den Weg in den Baum ebnen und ihn eines Tages absterben lassen. Die Äste, die der Baum nun austreibt, sind seiner Argumentation nach wenig geeignet, dem Baum die Kraft zu verleihen, die er benötigt.

„Aber er hat den Baum nicht gefällt“, sagt Siemen Baader anerkennend und meint damit den Bauinvestor Torben Arevad, der dort baut und die Kløften Wohnanlage vergrößert. Mehr noch: Baumgruppe und Investor sind und bleiben im Gespräch. Das sagen beide Seiten. Es geht um die Zukunft des Baumes.

Die Esskastanie im Büchereigarten, fotografiert im Mai 2023. Im Hintergrund ist Kløften Park zu sehen.

Bauinvestor: Untersuche alle Möglichkeiten

„Ich untersuche wirklich alle Möglichkeiten, die es gibt. Ich mag Bäume sehr“, sagt Torben Arevad. Der Beschnitt wurde ihm zufolge von Fachleuten ausgeführt. Es gehe dem Baum nicht gut, er dürfe nicht umkippen, so Arevad als Begründung für den recht radikalen Beschnitt. Zudem stehe der Baum allein und könne nun kräftig austreiben.

Doch es gibt ein Aber: „Er steht wirklich schlecht, mitten auf dem Bauplatz“. Stehenbleiben könne er da eigentlich nicht, so Arevad. Sein Gedanke: Die Esskastanie ausgraben und an einen geeigneteren Ort versetzen.

Umzug mit Wurzeln

Siemen Baader kennt diese Idee, er hat mit Torben Arevad darüber gesprochen. Ein großer Fan dieser Idee ist er aber nicht. Er hält den Umzug für eine sehr schwierige Angelegenheit mit ungewissem Ausgang. Essentiell fürs Überleben sei das Wurzelwerk, so Baader, und ob genug davon den Umzug mitmacht, da hat er seine Zweifel. Wenn der Baum das überleben würde, dann würde er schneller altern und deutlich weniger Lebenszeit haben, so seine Sorge.

So bleibt die Zukunft der Kastanie derzeit ungewiss, doch beide Seiten wollen im Gespräch bleiben.