Wirtschaft

Die Töchter brachten es ins Rollen: Papa Gerd hat sein Minderheitenbier

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Prost! Henrik Hansen von „Frisk Bryg" und Gerd Lorenzen mit dem Minderheitenbier „Grenzenløs"

Zu einer kuriosen Allianz ist es zwischen der Behrendorfer Mikrobrauerei „Frisk Bryg“ und Gerd Lorenzen aus Nolde gekommen. Was mit einem Verköstigungs- und Braugutschein von seinen Töchtern begann, entwickelte sich zu einem außergewöhnlichen Bierprojekt. Zutaten sind neben Hopfen und Malz ein bekannter Musiker und eine gute Prise Zufall.

Die kleine Brauerei „Frisk Bryg“ aus Behrendorf hat schon so manchen ausgefallenen Marketing-Stunt hingelegt. Nun lässt die Produktionsstätte eine weitere, ungewöhnliche Aktion folgen.

Entstanden ist das Grenzlandbier „Grenzenløs“ – das dänische ø im Produktnamen ist bewusst gewählt worden, um den deutsch-dänischen Schwerpunkt zu verdeutlichen.

Aus der Vorliebe für Bier

Das Projekt hat Gerd Lorenzen aus Nolde angestoßen, seines Zeichens Minderheitenangehöriger und Geschäftsführer der Nordschleswigschen Gemeinde. Genauer gesagt, gaben die drei Töchter Britt (35), Helene (29) und Sandra (27) die Initialzündung für das Minderheitenbier.

„Ich bin ein Bierliebhaber. Das wissen meine Töchter, und sie schenkten mir zum 60. Geburtstag im vergangenen Jahr einen Gutschein für eine Verköstigung mit Brauen bei Frisk Bryg“, erzählt Gerd Lorenzen.

Gerd Lorenzen mit seinen Töchtern Sandra, Britt und Helene (v. l.), die ihrem Vater mit einem Geburtstagsgeschenk zu einem Minderheitenbier verhalfen

Als er den Gutschein wenig später mit seiner Familie in der Brauerei einlöste, bekam der Besuch eine besondere Eigendynamik. Henrik Hansen, der die Brauerei mit drei Geschäftspartnern betreibt, fand den Gedanken, dass mit Zutun von Gerd Lorenzen ein Minderheiten- bzw. Grenzlandbier kreiert werden sollte, so reizvoll, dass er groß ausholte.

Eine neue Sorte

Mit den Ideen und Biervorlieben von Gerd Lorenzen ist ein Weißbier – Wheat Balance – nach bayerischem Vorbild entstanden, das jetzt in die Produktpalette der Brauerei aufgenommen ist. „Es ist leichter und nicht so intensiv wie die Hefebiere aus Bayern“, erklärt Henrik Hansen.

„Grenzenløs“ nennt es die Privatbrauerei und hat dafür ein Etikett mit einem besonderen Grenzlandmotiv kreieren lassen. Künstler Kristian Asmussen hat eine Zeichnung mit einem deutschen und dänischen Grenzbeamten angefertigt, die sich freundlich begrüßen.

Plakatformate des Motivs werden gesondert zum Kauf angeboten, erwähnen Henrik Hansen und Kristian Asmussen.

Haben sich verbündet und ein Grenzlandbier entstehen lassen: Künstler Kristian Asmussen mit dem Motiv des Flaschenetiketts, Henrik Hansen von „Frisk Bryg“, Braumeister Dennis Hokkerup und Gerd Lorenzen.

Erklärvideos auf Deutsch und Sønderjysk

Auf dem Flaschenetikett befinden sich zudem QR-Codes, die auf zwei Erklärvideos auf Youtube verweisen. Henrik Hansen stellt das Bier und das besondere Projekt auf Sønderjysk vor, Gerd Lorenzen auf Deutsch.

Man überlegte, dass das Bier doch beim Knivsbergfest vorgestellt werden könnte. „Da Gerd seine Wurzeln im Raum Saxburg und Renz hat, fanden wir es dann aber angebrachter, das Bier beim DanGer-Konzert in Renz am 7. Juni zu präsentieren“, berichtet Henrik Hansen.

Die Lorenzen-Biergeschichte endet damit aber noch nicht.

Kristian Asmussen, Henrik Hansen, Dennis Hokkerup und Gerd Lorenzen (v. l.) begutachten das Etikettenmotiv, das Kristian Asmussen entworfen hat.

Musikalische Ergänzung per Zufall

Henrik Hansen suchte zum Begriff „Grenzenlos“ weiteren Input und wurde im Internet fündig. Er stieß auf einen gleichnamigen Song, gesungen von Rasmus Hoffmeister an der Seite von Silje Søgård.

Wie es der Zufall wollte, hat auch dieses deutsch-dänische Musikstück Grenzland- und Minderheitenbezug. Rasmus Hoffmeister stammt aus der dänischen Minderheit und machte sich vor rund zehn Jahren bei der Talentschow „The Voice“ im deutschen Fernsehen einen Namen. „Ich sagte mir, dass man den Song mit Zustimmung von Rasmus doch an das Bierprojekt koppeln könnte und habe ihn kontaktiert“, erzählt Henrik Hansen mit einem Schmunzeln.

„Als ich ihn fragte, wo er wohnt, sagte er doch glatt, dass es hier in der Gegend ist. Da bin ich aus allen Wolken gefallen. Größer hätte der Zufall nicht sein können“, erzählt Hansen und kommt noch immer nicht aus dem Staunen heraus.

Hinzu kommt, dass Musikpartnerin Silje Søgaard als ehemalige Schülerin der Deutschen Schulen Pattburg und Tingleff Bezug zur deutschen Minderheit hat. „Es hat alles nicht besser zusammenpassen können“, freut sich der Brauereibetreiber.

Gerne mit ins Boot gehüpft

Die vielen Übereinstimmungen rund um das Weißbier von Gerd Lorenzen ließ auch Rasmus Hoffmeister ins Boot springen. Auf dem Etikett wird per QR-Code auch auf das Musikvideo seines Songs „Grenzenlos“ verlinkt.

Er fand das Bierprojekt mit Minderheitenbezug ausgefallen und cool, so Rasmus Hoffmeister zum „Nordschleswiger“. „Ich bin ja selbst Südschleswiger und weiß, wie es ist, einer Minderheit anzugehören. In Deutschland war man dänisch und in Dänemark deutsch. Wenn so ein Bierprojekt zum Thema Minderheitenidentität aufklären kann, unterstütze ich das gern“, sagt Hoffmeister, der als Pädagoge und Musiker arbeitet.

Er willigte ein, den Song bei der Präsentation vor dem Konzertbeginn in Renz live zu singen – kostenlos. „Es geht hierbei nicht um Geld. Ich sehe es als freundschaftliches Projekt, das ich gerne begleite", betont der Musiker. „Henrik hat mir ein paar Bier vorbeigebracht. Die schmecken echt gut, und das reicht doch“, so Hoffmeister mit einem Lachen.

Schwammen gleich auf einer Bierwelle und taten sich für ein Grenzlandbier zusammen: Gerd Lorenzen und Brauerei-Mitbetreiber Henrik Hansen.

„Wir freuen uns auf die Präsentation und auf den Auftritt von Rasmus“, betont Henrik Hansen, der sich von den Veranstaltenden in Renz die Zustimmung für das kleine Marketing-Happening geholt hat.

Freuen tut sich allen voran auch Gerd Lorenzen. Er wolle bei der Biervorstellung auf keinen Fall fehlen, und er hoffe, dass seine Mädels auch dabei sein können, „schließlich haben wir ihnen das Bier zu verdanken“.

Dieses Bier kommt in den Handel: „Grenzenløs"