Geschichte

Das Ende der Besatzung vor 80 Jahren: So erlebten es Kjesten und Erich Christian

Veröffentlicht Geändert
Erich Christian und Kjesten Bargum aus Rapstedt erlebten die Befreiung Dänemarks 1945 als Kinder mit.

Sie waren noch Kinder, als das Ende des Zweiten Weltkrieges Realität war und am 5. Mai 1945 auch die jahrelange Besatzung Dänemarks ein Ende nahm. Als Minderheitenangehörige können sich Kjesten und Erich Christian Bargum aber noch an Details erinnern.

„Ich weiß noch, wie deutsche Soldaten Lastwagen mit Rote-Kreuz-Symbolen versahen und sich damit fluchtartig in Richtung Grenze aufmachten“, erzählt Kjesten Bargum aus Rapstedt. Sie stammt aus Osterlügum (Østerløgum) und kann sich noch vage an Einzelheiten erinnern, als Hitler-Deutschland besiegt und Dänemark am 5. Mai offiziell wieder ein freies Land war.

Kjesten Bargum war damals Schülerin an der deutschen Schule. „Unser Lehrer sagte uns, dass wir alle nach Hause gehen sollten. Er machte sich offenkundig Sorgen, was in den kommenden Stunden passieren wird“, erinnert sich die heute 87-Jährige.

Sie und die anderen Kinder folgten der Anweisung des Lehrers und gingen nach Hause.

„Überall herrschte ausgelassene Freude. Die Menschen hissten den Dannebrog. Für uns Kinder war deutlich zu merken, dass etwas Besonderes passiert ist“, so Kjesten Bargum.

Meldung im Radio mitbekommen

Auch ihr Ehemann Erich Christian – beide sind seit 65 Jahren verheiratet – bekam mit, dass die Besatzungszeit ein Ende gefunden hat. Er ist etwas älter als seine Frau und war bei Kriegsende 13 Jahre alt.

„Wir hörten es bereits am 4. Mai im Radio. Es zeichnete sich ja ab", sagt der 93-Jährige in der Wohnstube in der Ravsted Hovedgade.

Gegen seine und andere deutsch gesinnte Familien habe er nach dem verkündeten Aus der Besatzungszeit keine Drohungen oder gar Übergriffe mitbekommen. „Während der Besatzungszeit und bei Kriegsende hat es hier in Rapstedt keine übermäßigen Anfeindungen gegeben“, so Erich Christian Bargum.

Ins Fårhuslager gesteckt

Das sollte sich einige Tage später ändern. „Ich erinnere mich noch gut, dass mein Vater am 10. Mai abgeholt und ins Fröslevlager gebracht wurde“, so Bargum mit einem betrübten Blick.

Wie viele andere Angehörige der deutschen Minderheit kam auch sein Vater in das Lager, das der Wehrmacht als Internierungslager für dänische Grenzgendarmen, Polizisten und Widerstandskämpfende gedient hatte. Nach dem Krieg wurde es von dänischer Seite dann umfunktioniert. Umgetauft in Fårhuslager inhaftierte Dänemark Kollaborateure des Naziregimes sowie Landesverräterinnen und -verräter, zu denen pauschal die Deutsch-Nordschleswiger gezählt wurden.

„Am Tag nach meinem Vater holten sie unseren damaligen Lehrer Arthur Lessow an der Schule ab“, ergänzt Erich Christian Bargum.

Für das Schulwesen und vor allem für die Familien sei es eine schwere Zeit gewesen, ganz abgesehen von den zweifelhaften Anschuldigungen, dass so viele deutsch gesinnte Männer über einen längeren Zeitraum eingesperrt wurden.