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Abitur 1975: Ein „aufmüpfiger“ Jahrgang trifft sich

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Ralf Sehstedt
Ralf Sehstedt hat 1975 das Abitur in Apenrade abgelegt.

Die Sprachklasse des Abiturjahrgangs 1975 am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig möchte das Jubiläum bei einer Schulführung und bei einem Mitschüler auf der Halbinsel Loit feiern. Der Jündewatter Ralf Sehstedt hat das Treffen mitorganisiert und freut sich auf seine ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschüler.

1975 war ein Jahr, in dem in der Welt viel passierte. Der Vietnamkrieg fand sein Ende, in Spanien ging mit dem Tod von Diktator Franco eine Ära zu Ende, im Kino lief „Der weiße Hai“, und in Holstebro wurde mit 36,4 Grad Celsius ein neuer dänischer Hitzerekord aufgestellt.

Im beschaulichen Apenrade legten in diesem Jahr auch Ralf Sehstedt aus Jündewatt (Jyndevad) und seine Klassenkameradinnen und -kameraden ihr Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN) ab. 50 Jahre ist das her.

Kaum Interesse am Treffen 2015

„Beim vergangenen Treffen vor zehn Jahren kamen nur sieben Personen. Damals haben wir uns die Frage gestellt, ob wir das wiederholen sollen. Vielleicht war die Gymnasialzeit für einige ja nicht so wichtig“, so der 69-Jährige gegenüber dem „Nordschleswiger.“

Im vergangenen Jahr sei dann überraschend sein ehemaliger Klassenkamerad Andreas Born (Westerterp/Vester Terp) auf ihn zugekommen – man müsse doch zum 50-Jährigen ein Treffen organisieren. „Er kam im Oktober auf mich zu, hat Adressen gesammelt und alle kontaktiert“, so der 69-Jährige.

Sehstedt selbst schlug dann vor, dass eine Führung am DGN dann nicht fehlen dürfe und kontaktierte Schulleiter Jens Mittag, der gleich zusagte und den „Nordschleswiger“ über das Treffen informierte. Mittag selbst will die Gruppe über den Campus führen.

Feier auf der Halbinsel Loit, Führung durch das DGN

„Damals waren wir 17 Schüler in der sprachlichen Klasse“, sagt der Jündewatter. 13 Mitschülerinnen und Mitschüler aus seiner Klasse hätten sich nun für den 22. Mai angemeldet und wollen zu dem privaten Treffen bei ihrem ehemaligen Mitschüler Hans Michael Jebsen auf der Halbinsel Loit (Løjtland) kommen. „Was alle so machen, das erfahren wir dann hoffentlich bei leckerem Essen und Hygge“, so die Erwartung des 69-Jährigen.

Bereits um 11 Uhr wollen Sehstedt und zehn der alten Kameradinnen und Kameraden an der Führung durch das Gymnasium teilnehmen. „Die anderen drei können sich bei mir noch anmelden. Mal schauen, ob alle auch vormittags kommen möchten“, sagt der Jündewatter.

Drei weitere Mitschülerinnen und Mitschüler hätten kein Interesse gehabt und sich nicht für das Treffen angemeldet. „Ein Mitschüler ist leider schon verstorben“, so der Jündewatter.

An seine eigene Schulzeit erinnert sich Ralf Sehstedt gern zurück. „Das war eine tolle Zeit damals“, sagt er am Telefon. Während seiner Zeit am DGN wohnte er im Internat. Auch deshalb freut er sich auf die Führung an der Schule. „Mich interessiert, wie es dort heute aussieht.“

Die Sprachklasse am DGN von 1975
Die sprachliche Klasse am DGN von 1975. Ralf Sehstedt steht in der hinteren Reihe ganz links, Organisator Andreas Born in der Mitte und Hans Michael Jebsen ganz hinten rechts.

1975 war eine andere Zeit

Und auch seinen Jahrgang hat er besonders in Erinnerung. „Wir waren damals junge Leute, die nicht mehr alles einfach hinnahmen. Keine großen Proteste oder Revolutionen – eher ein wenig Aufmüpfigkeit. Andererseits auch der Drang zum Wissen und der Weg ins Berufsleben“, erinnert sich der ehemalige DGN-Schüler.

Das Wissen kam damals noch nicht aus dem Smartphone oder dem Internet. „Informationen bekamen wir aus Büchern, aus dem Radio und dem Fernsehen. Aus der Zeitung, auch über die Bibliothek. Es war eben ganz anders als heute.“ Die Prüfungen oder Aufgaben wurden noch handschriftlich und möglichst ohne Berichtigungen abgelegt.

Sprache hat Ralf Sehstedt nie losgelassen

Dass Sehstedt die sprachliche Klasse wählte, kommt nicht von ungefähr. Er arbeitete später viele Jahre als Lehrer am AOF Sprachzentrum in Tondern (Tønder) und brachte Zugezogenen Dänisch bei. Auch als Rentner gibt er privat weiterhin Dänischunterricht. „Ich kann das sonst nicht aushalten“, sagt er. In naher Zukunft ist auch ein Kursangebot auf dem Knivsberg geplant. Dann will er Interessierten im Rahmen eines Bildungsurlaubs Dänisch beibringen.