Haus Nordschleswig

60.000 Medien ziehen um: Zentralbücherei schließt und wird renoviert

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Der Umzug ist bereits in vollem Gange: Bibliothekarin Ingela Wieking sortiert in der Zentralbücherei DVDs ins Lager ein.

Wegen notwendiger Renovierungsarbeiten muss die deutsche Bücherei in Apenrade für rund drei Wochen schließen und steht anschließend bis Ende des Jahres nicht mit dem vollen Serviceangebot zur Verfügung. Büchereidirektorin Claudia Knauer spricht von einem „riesigen Aufwand“, sieht aber auch Chancen, ein paar Dinge zu verändern.

Das Haus Nordschleswig und vor allem die Bücherei stehen seit Langem auf der Liste der Immobilien der deutschen Minderheit, denen eine Renovierung guttun würde. Jetzt geht es los, doch die Bauarbeiten bedeuten Einschnitte für alle, die regelmäßig Medien in der Zentralbücherei ausleihen.

Ab Mittwoch, 10. September, ist die Bücherei für voraussichtlich drei Wochen geschlossen. Danach wird sie eine Zeit lang aus der Pyramide, einem gläsernen Veranstaltungsraum im Haus Nordschleswig, heraus betrieben, sagt Büchereidirektorin Claudia Knauer dem „Nordschleswiger“. Die 64-Jährige betont jedoch: „Wir sind aber notorisch flexibel, falls doch jemand spontan vor der Tür steht und vielleicht Literatur für eine Hausarbeit braucht.“

Bücherei-Umzug ist ein großer Aufwand

Ob der Umfang nach der Wiedereröffnung gleich bleibt, kann Claudia Knauer noch nicht final sagen. „Wir versuchen, alles in die Pyramide zu bekommen.“ Ziel sei es, einen möglichst normalen Betrieb aufrechtzuerhalten. Dennoch verweist Knauer auch auf die anderen Filialen der Minderheit, denn es wird trotz aller Bemühungen Einschränkungen geben.

Claudia Knauer
Die offene Bücherei wird es bis Ende des Jahres in Apenrade nicht geben können.

Keine offene Bücherei bis Ende des Jahres

Die offene Bücherei – also der Büchereibesuch außerhalb der Öffnungszeiten mit anwesendem Personal – wird es während der Sanierungsmaßnahmen nicht geben. Auch eine Ausleihe am Sonnabend mit Personal ist in diesem Zeitraum nicht möglich.

Während der umfassenden Renovierungsarbeiten kommen Besuchende nicht mehr durch das Foyer von der Vestergade aus ins Haus Nordschleswig, sondern lediglich über den rückwärtigen Eingang am hinteren Parkplatz, der am Mølletoften liegt. Das gilt auch für die Zeit der Ausleihe aus der Pyramide.

Andere Filialen wie gewohnt geöffnet

Die Teilnehmenden kamen aus verschiedensten Einrichtungen der Minderheit.
In der Pyramide finden häufig Veranstaltungen statt – zum Beispiel der jährliche Kennenlerntag. Für die kommenden Monate kommt hier die Bücherei unter (Archiv).

Die Filialen in Sonderburg (Sønderborg), Tondern (Tønder), Tingleff (Tinglev) und Hadersleben (Haderslev) sind wie gewohnt für alle Lesefreundinnen und -freunde geöffnet – auch mit der offenen Bücherei.

In Sonderburg und Hadersleben ist es nötig, sich bei den dänischen Kolleginnen und Kollegen anzumelden, um Zugang zum Multikulturhaus bzw. dem Bispen außerhalb der Personalzeiten zu bekommen. Die entsprechenden Öffnungszeiten sind auf der Webseite zu finden.

Veranstaltungen werden an andere Orte verlegt

Bibliothekarin Ingela Wieking und alle anderen Mitarbeitenden sind bereits mitten im Umzugsstress.

Auch Veranstaltungen und Ausstellungen wird es während der Renovierungszeit in der Bücherei und der Pyramide nicht geben. Ebenfalls auf der Webseite ist im Veranstaltungskalender sichtbar, welche Events verschoben werden müssen oder einen neuen Veranstaltungsort bekommen haben.

„Dankenswerterweise können einige Veranstaltungen in der Bücherei in Sonderburg stattfinden oder aber auch beim Apenrader Ruderverein. Einige wenige Veranstaltungen wie der Gesundheitstag mussten jedoch abgesagt werden“, sagt Knauer.

So findet beispielsweise eine Lesung mit Janine Adomeit am 17. September in der Bücherei in Sonderburg statt, eine weitere Lesung mit Feridun Zaimoglu am 12. Oktober im Vereinsheim des Ruderclubs. Auch das „Wahldating“, eine Veranstaltung mit den Kandidatinnen und Kandidaten zur Kommunalwahl, wird am 27. Oktober im ARV abgehalten.

Neue Böden, Decken, Heizungen und Licht

„Im Haus Nordschleswig muss saniert werden. Primär wird in der Bücherei, im Foyer und im Saal neu gestrichen, es werden neue Fußböden verlegt sowie Decken und Beleuchtung erneuert“, so Jessen. In den 1960er-Jahren seien beim Bau des Gebäudes die Heizkörper in die Decken integriert worden. Weil Wärme nach oben steigt, sei das energetisch wenig sinnvoll. „Neue Heizkörper kommen nun an die Wände, und dafür gibt es neue Akustikdecken.“

Zeit für Neugestaltung

BDN-Generalsekretär Uwe Jessen

Wenn es Anfang Januar zurück in die sanierten Räume geht, will die Büchereidirektorin mit ihrem Team im Vorfeld überlegen, ob man die Bücherei auch gleich etwas umgestaltet. „Steht der Selbstverbucher an der richtigen Stelle, oder muss die Kinderecke vielleicht woanders hin? Das sind Überlegungen, die wir machen.“ Das werde nicht alle Bereiche betreffen, aber „es ist die Chance, etwas zu verbessern“.