Deutsch-dänisch

Wie ein kölsche Jung nach Hadersleben kam

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Tom Schüren wechselte vom Kölner Fußballverein Deutz 05 zu Sønderjyske in Hadersleben.

Zuerst hielt Tom Schüren den Vorschlag für eine Art Schnapsidee, aber recht schnell wurde sie Realität und so zog er von Köln-Deutz nach Hadersleben. Warum er das tat, erzählt er im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Nur wenige Meter hinter dem Haderslebener Dom, die Einkaufsstraße entlang, weist ein kleines Schild an einem roten Gebäude auf den Außenposten der Deutschen Schule Hadersleben (DSH) hin. „Voyager10“ steht auf dem Schild zu lesen. Drinnen: Drei Schulstunden Mathematik für die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse – ein freiwilliges Jahr in Dänemark. Gerade ist Pause.

Tom Schüren, eben noch draußen, kommt zur Tür hinein. Er grüßt und wird mit einem mehrstimmigen Hallo empfangen. Groß und breitschultrig ist der 16-Jährige. Auch ohne den Trainingsanzug, den er trägt, sieht man ihm den Sport an, den er treibt. Sønderjyske steht auf dem Anzug. Tom Schüren spielt dort Fußball als „kölsche Jung“.

Von Köln nach Dänemark

Wie es dazu kam, erzählt er selbst: „Das war recht spontan, wir fahren immer zu Pfingsten nach Wangerooge auf ein großes Familienfest. Da warf ein Familienmitglied aus Dänemark die Idee in den Raum, dass ich mich bei Sønderjyske bewerbe. Das war eher so eine Art Schnapsidee.“ Tom Schüren fing die verrückte Idee trotzdem auf und fand Gefallen an ihr. „Es ging dann alles sehr schnell“, sagt er.

In Köln-Deutz, wo Tom Schüren zu Hause ist, trainierte er im Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Köln, doch Verletzungen sorgten seinen Worten nach dafür, dass er aussteigen musste. Bei Deutz 05 ging es danach in der Auswahlmannschaft weiter. Im März brach er sich das Schlüsselbein – noch zu Hause am Rhein. Da war dann erst einmal Spielpause.

Training bei Sønderjyske

Hier in Hadersleben steht sein erstes Testspiel bei Sønderjyske (U17-Mannschaft) demnächst an. Bis dahin, und danach auch, heißt es trainieren, trainieren, trainieren – Krafttraining und natürlich auf dem Platz mit seinen Teamkameraden. Tom Schüren zählt kurz die Trainingseinheiten: „Sieben“, sagt er, „immer werktags, am Montag und Mittwoch zwei Einheiten.“ Hinzu kommt sein privates Training im Fitnessstudio, da geht er mit einem Klassenkameraden hin. Andere Freizeitaktivitäten? Keine größeren. „Das ist schon ganz schön viel, ich muss mich auch mal ausruhen“, sagt Tom Schüren.

In Köln besuchte er das Gymnasium, wie es weitergeht, wenn die 10. Klasse in Hadersleben absolviert ist, steht bisher nicht fest. „Ich gebe alles, um Profifußballer zu werden“, sagt er. Er ist aber abgeklärt genug zu wissen, dass dieser Wunsch auch nicht in Erfüllung gehen kann, beispielsweise aufgrund von Verletzungen. Deshalb ist ihm die Schule auch wichtig. Sollte er in Dänemark bleiben, würde er gern in Hadersleben aufs Gymnasium gehen. „Dafür muss ich aber mein Dänisch noch verbessern“, sagt er und fügt hinzu: „Das Deutsche Gymnasium in Apenrade ist einfach zu weit weg, ich kann dann nicht rechtzeitig zum Training kommen.“

Respekt durch Leistung

Er fühlt sich von seinen U17-Teamkameraden bei Sønderjyske gut aufgenommen. Er weiß aber auch: „Es gibt einen Konkurrenzkampf. Den Respekt muss man sich erspielen. Wenn die Spieler dann wissen, dass der Teamkollege etwas kann, dann sind sie auch froh, ihn im Team zu haben. Noch unterhalte er sich meist in Englisch, aber auch auf Dänisch.

Ein anderes Lebensgefühl

Irgendetwas muss dran sein, an dem Lebensgefühl, das Deutsche in Dänemark so schätzen und in ihrer Heimat so vermissen. „Die Menschen sind hier einfach entspannter und freundlicher“, sagt Tom Schüren beim Vergleich mit seiner Heimat. „Hier grüßt man sich sogar, wenn man sich gar nicht kennt, egal ob alt oder jung. Und die Luft hier ist besser“ nennt Schüren die Vorzüge Haderslebens. Und Nachteile? Vielleicht einer: In Deutz gebe es an jeder Ecke eine Möglichkeit, etwas zu essen. Restaurants gebe es in Hadersleben zwar auch, aber Köln sei nun mal eine Millionenstadt.

Die Pause ist zu Ende, die letzte Matherunde ist eingeläutet. Nur noch ein Foto, und Tom Schüren widmet sich wieder den Zahlen, dann wieder dem Sport.