Porträt

Wie Anke Meyer sich ihren Traumjob als Botschafterin in Dänemark sicherte

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Anke Meyer freut sich auf die kommenden vier Jahre in Dänemark.

Seit der Audienz beim König am 9. September ist Anke Meyer ganz offiziell die Vertreterin des deutschen Staates im Königreich. Im Interview mit dem „Nordschleswiger“ erzählt sie, warum sie gerne wieder nach Kopenhagen wollte – und wie es ihr gelungen ist.

Anke Meyer ist wieder da. Damit erfüllt sich der Wunsch, den sie bereits vor fünf Jahren äußerte, als sie den Posten als stellvertretende deutsche Botschafterin verließ.

„Es wäre schon ein Traumposten, als Botschafterin nach Dänemark zurückkehren zu dürfen“, sagte sie damals dem „Nordschleswiger“.

Sie fügte hinzu, dass man so etwas eigentlich nicht laut sagen dürfe, sondern sich im Herzen wünschen. Gehalten hat sie sich an diesen Ratschlag an sich selbst nicht – im Gegenteil.

„Dass es mein Wunsch ist, Botschafterin in Dänemark zu werden, habe ich von Tag eins jedem in Berlin erzählt, der es hören wollte, auch denen, die es nicht hören wollten“, sagt sie mit einem für sie typischen Lachen.

Positive Erfahrungen aus dem Grenzland

Der Wunsch entstand, weil ihr die fünf Jahre als Gesandte an der Botschaft in Kopenhagen „große Freude bereitet hatten“. In dieser Funktion war sie auch für den Kontakt mit der Minderheit verantwortlich, und diesen Teil ihrer Arbeit hat sie besonders geschätzt.

„Mir ist die Rolle der Grenzregionen für unser bilaterales Verhältnis, aber auch für Europa so greifbar nahegekommen.“

Erste Frau auf dem Posten

Einen weiteren Grund für ihr hartnäckiges Werben in Berlin finden wir im Gang der Botschaft. Dort hängen die Porträts ihrer Vorgänger – die weibliche Form brauchen wir hier nicht zu benutzen.

„Ich fand es sehr passend, dass auch mal eine Frau auf dem Sessel des Botschafters Platz nimmt.“

Doch bevor die Frau namens Anke Meyer in dem Sessel Platz nehmen kann, geht die Reise zunächst zurück nach Berlin. Dort befasst sie sich im Auswärtigen Amt mit EU-Politik. Es gelingt ihr ganz offensichtlich, immer mehr Menschen davon zu überzeugen, dass sie die Richtige für besagten Sessel ist. Ins Detail gehen könne sie jedoch nicht.

„Ich halte mich mit meinem Vorwissen und meinen Dänisch-Kenntnissen auch nicht für ganz unqualifiziert, aber das ist ja oft nicht das Entscheidende. Man muss zum richtigen Zeitpunkt auch mal ein bisschen Glück haben. Das habe ich gehabt, und dafür werde ich ewig dankbar sein.“

Langer Weg zur Ernennung

Jedes Jahr werden Listen veröffentlicht, welche diplomatischen Posten im kommenden Jahr frei werden. Daraufhin bewerben sich Interessenten auf die Stellen. „Man kann dann auch sagen, warum man meint, dass das eine gute Idee ist. Und das habe ich gemacht.“

Danach muss das Bundeskabinett zustimmen. Durch die Regierungskrise und die Neuwahlen wird alles noch einmal spannend. Denn eine neue Regierung ändert auch schon einmal personelle Entscheidungen.

„Nachdem das Bundeskabinett zugestimmt hat, wird der Herr Bundespräsident befragt, ob er der Meinung ist, dass Frau Meyer ihn in Dänemark vertreten soll.“

Der Brief des Königs

Doch selbst nachdem Frank-Walter Steinmeier seinen Segen gegeben hat, stehen noch Formalitäten aus. Auch das Gastland Dänemark muss befragt werden, ob es ihm recht ist, dass Anke Meyer kommt.

„Der König hat im März in viel schöneren Formulierungen zugestimmt, als wir sie benutzen. ‚His Majesty graciously agrees‘. Also toll!“

Am 20. Juli reist Meyer dann ein, an dem Tag, an dem ihr Vorgänger Pascal Hector ausgereist ist. Es dürfen sich nicht gleichzeitig zwei Botschafterinnen oder Botschafter im Land befinden. Und das, obwohl sie noch gar nicht offiziell Botschafterin ist, sondern Ambassador-Agrée.

Die Minderheit ist ein uneingeschränkt positiver Faktor in der bilateralen Beziehung zwischen Deutschland und Dänemark.

„Ich hatte zwei große und wunderschön altmodische Umschläge mit einem riesigen Siegel hinten darauf. Der eine enthält das Abberufungsschreiben meines Vorgängers, der andere mein eigenes Beglaubigungsschreiben.“

Botschafterin darf zunächst nur mit Begleitung auftreten

Diese Schreiben überreicht sie dann in Kopie dem Protokoll, und in diesem Moment wechselt ihr Titel von Ambassador-Agrée zu Ambassador-Designate.

„Da ist man in seinen Handlungsmöglichkeiten immer noch eingeschränkt, darf nicht mit den Königlichen in Kontakt treten, in der Außenwirkung nicht viel machen, und der Chargé d’Affaires muss bei offiziellen Aufgaben immer dabei sein.“

Der Besuch beim König

Dann kommt endlich der Tag, auf den sie gewartet hat. Am 9. September empfängt König Frederik die neuen Botschafterinnen und Botschafter auf Schloss Christiansborg.

„Das ist natürlich ein ganz besonderer Moment, der wahrscheinlich auch für die allermeisten und mich auch einzigartig im Leben sein wird. Dieses ganze Zeremoniell mit langem Kleid und weißen Handschuhen und Kutsche und Husaren ist natürlich sehr beeindruckend und sehr feierlich.“

Nachdem Meyer dem König ihr Beglaubigungsschreiben überreicht hat, ist noch Zeit für ein kurzes Gespräch eingeplant. Vertraulich, versteht sich. Sie kann sich aussuchen, ob es auf Englisch, Französisch oder in einer der nordischen Sprachen stattfinden soll.

„Ich habe meinen ganzen Mut zusammengenommen und habe gesagt: Ich mache das jetzt auf Dänisch.“

Nach einer halben Stunde ist die Audienz vorbei – und Anke Meyer ist damit offiziell die Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Dänemark.

Anke Meyer in Audienz bei König Frederik

„Erst einmal bin ich die ganz Woche geschwebt und dachte: So, jetzt geht es los. Ich war voller Tatendrang.“

Veränderte Welt bringt neue Möglichkeiten

An Aufgaben für den Tatendrang wird es ihr nicht mangeln. Die Welt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert – und Dänemark mit ihr. Der russische Angriffskrieg hat dazu geführt, dass das Königreich seine Haltung zur Europäischen Union überdacht hat. Eine große Mehrheit der Bevölkerung hat 2022 für die Abschaffung des Verteidigungsvorbehalts gestimmt.

„Dänemark will sich in der Mitte der EU positionieren, will mitspielen und ist auch ein wirklich wunderbares Beispiel dafür, wie physische Größe eines Landes nichts mit europäischem oder auch internationalem Gestaltungswillen zu tun hat. Da sind für uns natürlich auch Ansatzpunkte, Dinge voranzutreiben.“

Die neuen Zeiten bedeuten auch neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit zwischen Dänemark und Deutschland. Das wird bereits wenige Tage nach dem Interview mit dem „Nordschleswiger“ deutlich. Anke Meyer begleitet Verteidigungs-Staatssekretär Nils Schmid. Er ist in Kopenhagen, um über den gemeinsamen Bau von Fregatten zu sprechen.

Anke Meyer bei einer Pressekonferenz mit Staatssekretär Nils Schmid an Bord der Fregatte „Baden-Würtemberg“ in Kopenhagen

Minderheit als Bindeglied zwischen Deutschland und Dänemark

Doch auch in friedlicheren Fragen sieht die Botschafterin Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit. Und hier kann sie direkt an ihre vorherige Periode in Dänemark anknüpfen.

Sie hat nämlich eine weitere Sache, die sie allen gerne erzählt: „Die Minderheit ist ein uneingeschränkt positiver Faktor in der bilateralen Beziehung zwischen Deutschland und Dänemark.“

Es besteht also kein Zweifel: Anke Meyer ist wieder da.

„Die Arbeit macht mir jetzt schon große Freude, und ich bin sicher, sie wird es jeden einzelnen Tag in den kommenden vier Jahren machen.“