Deutsche Minderheit

Wenn Kinder aus Deutschland und Dänemark das Klassenzimmer tauschen

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Die 3. Klasse aus Hattlund-Langballig mit Dänischlehrerin Charlotte Ring (4. v. l.) von der Förde-Schule, Projektmitarbeiterin Ulla Bay Kronenberger (l.) und Lehrerin Eva Rutzen.

Wie fühlt es sich an, für einen Tag das Klassenzimmer zu tauschen – und das sogar über Ländergrenzen hinweg? Kinder der Förde-Schule Gravenstein und der dänischen Schule Hattlund-Langballig haben es ausprobiert.

Schon beim Betreten der Förde-Schule fällt den Kindern aus Hattlund-Langballig einiges auf. „Unsere Schule ist sehr klein und da gehen auch nicht so viele Kinder hin. Die hier ist viel größer, und bei uns sind auch überhaupt keine Tiere“, berichtet Bele.

Besonders der große Spielplatz und die Nähe zum Strand beeindrucken die kleinen Gäste. Martha schwärmt: „Die Rutsche hier ist wirklich gigantisch“, und auch die Tiere auf dem Schulgelände – Schafe, Hühner, sogar Lämmer – sorgen für Begeisterung und Neugier.

Den Alltag der anderen Schule kennenlernen

Möglich wurde der Tausch über das Projekt „Über Grenzen. Ein Klassentausch“: Die dritten Klassen der deutschen Förde-Schule in Gravenstein und der Dänischen Schule Hattlund-Langballig tauschten am Mittwoch für einen Tag ihre Klassenzimmer. Ziel war es, den Alltag der jeweils anderen Schule kennenzulernen, Vorurteile abzubauen und neue Perspektiven zu gewinnen.

Sprachwechsel als Alltag

V. l.: Bele, Mie und Martha haben am Mittwoch in der Förde-Schule zusammen mit ihrer 3. Klasse den Alltag an der Förde-Schule erlebt.

Ein zentrales Thema im Gespräch mit den Kindern ist die Sprache. Viele wachsen zweisprachig auf und wechseln mühelos zwischen Deutsch und Dänisch. „Ich kann beides gut sprechen, und ich wechsle auch hin und wieder mal“, erklärt Martha. Mie ergänzt: „Mama spricht mich manchmal auf Dänisch an und dann antworte ich auf Deutsch, weil ich weiß, dass sie das ja auch versteht.“

Für die Kinder ist Mehrsprachigkeit selbstverständlich – und ein wichtiger Grund, warum viele Eltern ihre Kinder auf eine Minderheitenschule schicken: „Mama und Papa wollen, dass wir beide Sprachen lernen“, erzählt Bele, „weil unsere Sprache Deutsch können wir ja schon.“ Sie sagt: Dänischsprechen fühlt sich manchmal an wie ihre „Heimatsprache“.

Ulla Bay Kronenberger war am Mittwoch in der Förde-Schule dabei. Sie ist eine der Projektleiterinnen und sieht im Klassentausch weit mehr als einen einfachen Schulbesuch: „Das Ziel ist der Austausch. Die Erfahrung, auch die Begegnung.“ Sie betont, wie besonders es für die Kinder ist, eine andere Schule und deren Alltag kennenzulernen – gerade im Grenzgebiet, wo viele die jeweils andere Minderheit kaum kennen. „Ich war als Schulkind nie in einer anderen Schule. Dieses ‚Ich besuche eine andere Schule‘ ist ja etwas, wo Räume aufgehen.“

Es ist für die Kinder ein Riesenschritt, eine Riesenbegegnung.

Ulla Bay Kronenberger

Besonders eindrücklich sei, wie respektvoll und neugierig die Kinder aufeinander zugehen. Schon kleine Gesten, wie ein Willkommensgeschenk auf dem Tisch, helfen beim Ankommen.

Ein paar Schafe hinter der Rutsche

Für Ulla Bay Kronenberger ist klar: „Es ist für die Kinder ein Riesenschritt, eine Riesenbegegnung.“ Für die Kinder bleibt ein Tag voller neuer Eindrücke, Freundschaften – und vielleicht sogar die Begegnung mit ein paar Schafen hinter der Rutsche.

Währenddessen haben die Kinder aus der Förde-Schule am Mittwoch die dänische Minderheitenschule in Hattlund-Langballig erlebt. Doch das ist eine andere Geschichte.

Theatermacherinnen Elisa Priester und Ulla Bay Kronenberger begleiten das Projekt. Finanziert wird es durch Interreg Deutschland-Dänemark und die Europäische Union.