Wissenschaft

Warum Museumsinspekteur Anders Hartvig auf Überraschungen hofft

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In seiner Doktorarbeit will Anders Hartvig vom Archäologischen Museum in Hadersleben herausfinden, wie sich das alltägliche Leben der Menschen verändert hat – ausgehend von der Wikingerzeit bis zum Ende des Mittelalters.

Archäologe Anders Hartvig gräbt tief – nicht nach Gold, sondern nach Geschichten aus dem Alltag zwischen 700 und 1500 nach Christus. In einem Forschungsprojekt will er herausfinden, wie sich das Leben der Menschen im Herzogtum Schleswig durch neue Krankheiten, Herrscher und Institutionen veränderte. Dabei rechnet er mit Überraschungen und hofft zugleich auf welche.

Anders Hartvig hat sich für die kommenden Monate und Jahre einiges vorgenommen. Für ihn gilt es, schleswigsche Funde aus der Zeit zwischen 700 und 1500 nach Christus, also der Wikingerzeit und dem Mittelalter, zu sichten und zu bewerten, mit der Frage im Hinterkopf: Wie hat sich das Leben der Menschen in dem genannten Zeitraum geändert?

„Die Menschen mussten sich zu gesellschaftlichen Veränderungen verhalten“, sagt Anders Hartvig. Das Christentum kam, die Kirche kam – und mit ihr der Kirchenzehnte. Herzöge und Könige kamen, die Pest suchte auch das Herzogtum Schleswig heim, und die kleine Eiszeit verschlechterte die Lebensbedingungen.

„Die Böden sind nicht überall gleich gut, wer als Bauer auf einem mageren Boden die Familie gerade so über die Runden brachte, den traf das schlechtere Klima hart. Die Pest, die ein Drittel der Menschen sterben ließ, eröffnete vielleicht Möglichkeiten für die, die am Leben blieben“, erklärt Anders Hartvig.

Neue Siedlungen um das Jahr 1000

Um das Jahr 1000 nahm die gesellschaftliche Entwicklung an Fahrt auf. Dörfer und kleine Städte entstanden. Zu diesen Neuerungen musste sich die Landbevölkerung auch verhalten, so der Museumsinspekteur weiter, der dabei auch auf die Gegenwart blickt. „Heute zieht es die Menschen aus den Dörfern und kleinen Städten in die größeren Städte.“

Das beeinflusst das Leben auf dem Land. Auch dass Dörfer bestehen bleiben, ist nicht gottgegeben. Manche Siedlungen wurden verlassen und zerfielen – und werden heute von Archäologinnen und Archäologen wieder ausgegraben.

Unterstützung aus Schleswig

Das Projekt wird finanziert mit Mitteln des Forschungsfonds des Kulturministeriums und mit Geld aus dem Aage og Johanne Louis-Hansen Fonden. Fachliche Unterstützung kommt aus Schleswig (Slesvig) – vom Landesmuseum Schloss Gottorf und dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein.

Anders Hartvig schätzt, ein, zwei Tage in der Woche an der Universität Aarhus zu forschen. Material, das er studieren kann, gibt es im Museum Sønderjylland und südlich der Grenze in Schleswig – aber auch in Ribe und Vejen. Im Vergleich sieht er mehr Funde in Nordschleswig als im Süden des Landesteils. Und das kann Anders Hartvig auch erklären.

Seit dem Jahr 2000 müssen Unternehmen in Dänemark laut seinen Worten die archäologischen Untersuchungen selbst finanzieren. Dadurch ist eine große Menge an Fundmaterial zusammengekommen – etwas, das es in Schleswig-Holstein lange Zeit in dieser Form nicht gab. „Es geht aber dabei nicht um falsch oder richtig, es sind einfach zwei verschiedene Gesetzgebungen“, stellt er klar.

Alltagsgegenstände vermitteln Veränderungen

Um Goldschätze geht es Anders Hartvig dabei sowieso nicht. Alltagsgegenstände sowie Altersdatierungen sind für ihn wichtig. Sie vermitteln die Veränderungen, denen die Menschen vor 1.000 Jahren ausgesetzt waren.

Was wünscht sich Anders Hartvig für seine Doktorarbeit? „Spannende, neue Sachen, die mich überraschen“, sagt er, lacht und fügt hinzu: „Das muss es ja auch, sonst ist da was falsch gelaufen.“