Gesellschaft

Warum Martin Vinther die Ost-Autos nach Rothenkrug holt

Veröffentlicht Geändert
Trabi & Co. statt Rauchen – Martin Vinther hat ein neues „Hobby“ gefunden.

Martin Vinther hat seine Autowerkstatt dort, wo vor 40 Jahren Trabis den Besitzer wechselten. Er verrät, warum er die Autos aus der früheren DDR so mag und warum er jede Geschichte kennt, die die Fahrzeuge erzählen könnten.

„Wenn du ein Moped reparieren kannst, kannst du auch einen Trabi reparieren“, sagt Martin Vinther. Der Automechaniker hat seine Werkstatt im Rothenkruger Industriegebiet. Seit neun Jahren sind die Ostautos der Marke Trabant – im Volksmund Trabi genannt – seine Leidenschaft.

„Ostalgie“ in Rothenkrug

Bis 1991 wurden die markanten Autos noch im Osten Deutschlands, der früheren Deutschen Demokratischen Republik, kurz DDR, gebaut. Ebenso der Wartburg, der jedoch nicht den gleichen Kultstatus hat wie der Trabi.

Auch in Dänemark gab es die Zwei-Takt-Fahrzeuge zu kaufen. Und ein Wartburg-Händler war genau dort, wo Vinther jetzt seine Autowerkstatt „Billiften“ betreibt.

Die Autos hätten einfache Technik, weshalb sie leicht instand zu halten und eben selbst zu reparieren seien, so der Sammler.

Das Alltagsauto von Martin Vinther: der hellblaue Trabi namens Sonja

Sammelleidenschaft war geweckt

An die hundert Autos standen dort teilweise auf dem Hof – in Reih und Glied und nach Farben sortiert. „Ich interessiere mich für Geschichte und Geschichten“, sagt der Trabi-Fan. Das Interesse für die – auch als Plaste-Autos betitelten – Wagen kam, als er sich mit der Geschichte seines Betriebes beschäftigte. „Da stellte sich heraus, dass hier Ost-Autos verkauft wurden“, so der gebürtige Apenrader. Das Interesse für die Ost-Vehikel war geweckt. Und: „Ich hatte zu dem Zeitpunkt aufgehört zu rauchen. Da brauchte ich doch ein neues Hobby“, sagt er lachend.

Hinzu kam, dass schon seine Eltern ein Auto aus dem Osten besaßen: „Allerdings war das ein Škoda. Die Ost-Autos liegen irgendwie auch in meiner Geschichte. Škodas galten als etwas besser. Damals warb man mit dem Spruch ,Ein Wartburg ist eine Krone billiger als ein Škoda'".

Und noch was liegt ihm im Blut: die Sammelleidenschaft, die er wohl von Mutter und Vater geerbt habe.

Trabi & Co. in allen Werkstattwinkeln

Martin Vinthers Sammelleidenschaft zeigt sich auch in anderen Bereichen.

Er habe damals viel mit dem früheren Service-Chef gesprochen, der ihm über die „alten“ Zeiten im Rothenkruger Betrieb erzählt habe.

Vier Trabis gehören inzwischen zu seiner Sammlung. Und das sind nur die fahrbereiten. Hinzu kommen noch solche, die als Ersatzteillager dienen. „Und dann habe ich noch einen Mini, einen Lada und einen Wartburg“, erzählt er.

Die Sammelleidenschaft ist auch im Büro des Trabi-Fans zu erkennen: Spielzeug-Trabant neben Spielzeug-Trabant reiht sich auf Regalen an der Wand – in vielen Formen, Farben und Größen.

Seine Tochter hat er inzwischen auch mit der Sammelleidenschaft angesteckt, genau wie Lebenspartnerin Jytte Mikkelsen.

Doch was ist das Besondere am Trabi? „Wenn man damit herumfährt, schauen die Leute und lächeln. Viele grüßen, und es werden Fotos gemacht, wenn wir haltmachen. Das macht Spaß“, findet Vinther und erzählt die Geschichte mit der Frau, die plötzlich auf der Trabi-Haube lag und das Auto zu umarmen schien.

Ein Foto von Erich Honecker klebt unter der Motorhaube des Trabis, der dann auch nach dem früheren DDR-Politiker benannt ist.

Freiheitssymbol

„Wir waren unterwegs zum Einkaufen und hielten auf einem Parkplatz in Apenrade. Da steht plötzlich eine ältere Frau vor dem Trabi. Sie schaut den Wagen an, nähert sich und legt sich dann auf die Haube, die Arme nach rechts und links ausgestreckt“, erinnert er sich. „Dann sagt sie ganz laut: ,Das ist ein Symbol von Freiheit'“, erzählt Vinther.

Sie seien ins Gespräch gekommen und es stellte sich heraus, dass die Dame aus der früheren DDR sei und die Fahrten im Trabi für sie immer mit dem Gefühl von Freiheit verbunden gewesen seien. „Das sind besondere Autos. Sie haben einen seltenen Charme“, sagt der Sammler. Hinzu komme, dass „man Geschichte am Leben hält“.

Trabi schafft Freude

Autogeschichte: Martin Vinther mit einem roten Wartburg, der vor Jahrzehnten in Rothenkrug endmontiert wurde. Rechts steht ein Lada, der der älteste in Dänemark zugelassene sei. Er wurde 1972 in Odense registriert.

Vinther liebt es, mit den Menschen über das Fahrzeug ins Gespräch zu kommen. Seinen Trabi nennt er übrigens liebevoll „Sonja“, nach einem DDR-Hit aus den 70er-Jahren. Die Tochter nenne ihren Trabi „Margot“, „nach der Frau des früheren DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker“. Der ist übrigens auch vor Ort: Ein Foto von ihm klebt unter der Motorhaube eines Trabis, der gerade auf der Bühne in der Werkstatt steht und überholt wird. „Margot“ habe auf Instagram mehr als 1.000 Follower, berichtet Martin Vinther. Der Trabi stand 30 Jahre in einem Hangar, bis Vinther ihn für seine Tochter fand. „Wenn Autos reden könnten“, sinniert er.

Eigener Treff in Rothenkrug

Dieser Trabant fuhr an der früheren deutsch-deutschen Grenze. Vinther lässt ihn so original wie möglich.

Inzwischen hat sich Vinther auch in der Szene der Ost-Auto-Fans einen Namen gemacht: Er veranstaltet seit einigen Jahren ein „Østbiltræf“ in Rothenkrug. Bei der jüngsten Ausgabe waren knapp 50 Autos dabei.

Selbst fährt er auch zu anderen Treffen, vor allem in Deutschland, wo die Mehrzahl der Trabi-Fans herkommt. Er hat sich unter anderem der Flensburger IFA Gemeinschaft Nord angeschlossen. Dann geht es auch mal mit zu Oldtimer-Treffen, denn schließlich sind die Trabis „im richtigen Alter“. Weil sie so günstig seien, „sind sie ein guter Einstieg in die Oldtimer-Welt“, so Vinther.

180 Trabanten und 23 Wartburgs gibt es in Dänemark, weiß der Trabi-Fan. Und es werden mehr, denn die Zahl der Trabi-Freunde wachse.

Trabis – die kleinen Kultautos aus der DDR

Der Trabant, liebevoll „Trabi“ genannt, war das Auto für die breite Bevölkerung in der DDR. Wegen seiner einfachen, sparsamen Bauweise wird er manchmal als „Sparauto der DDR“ bezeichnet, vergleichbar mit dem westdeutschen „Volkswagen“ – daher auch der Name „Volksauto der DDR“.

Besonders auffällig war die Karosserie: Sie bestand größtenteils aus Duroplast, einem kunststoffähnlichen Material. Deshalb nannten ihn manche scherzhaft „Plastebomber“.

Heute gilt der Trabi als DDR-Kultauto oder Ost-Auto. Er ist nicht nur ein Stück Automobilgeschichte, sondern auch ein Symbol für das Leben in Ostdeutschland und hat eine große Fangemeinde – auch bei Sammlern in Dänemark.

Viele Ost-Autos warteten in den 1970er-Jahren in Rothenkrug auf Abnehmer.