Kommunalwahl 2025

Von Klimapolitik bis Kaiserstatue: Wahlkampf mit Kontrasten

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SF-Parteichefin Pia Olsen Dyhr im Gespräch mit Haderslebens Venstre-Bürgermeister Mads Skau. Ihre Partei ist momentan landesweit die stärkste politische Kraft(Archivbild).

Neue Bündnisse, neue Gesichter und ein Comeback: Der Wahlkampf in Hadersleben spitzt sich zehn Monate vor der Wahl zu. Klimapolitik und soziale Themen dominieren die öffentliche Debatte. Die Dänische Volkspartei setzt andere Prioritäten: Sie wünscht sich den deutschen Kaiser zurück.

Das bürgerliche Lager im Kommunalparlament ist gespalten. Die Allianz der Mitte – bestehend aus Konservativer Volkspartei, Radikaler Venstre, Schleswigscher Partei (SP) – hat sich zwar als verlässlicher Partner von Dänemarks liberaler Partei Venstre etabliert. Doch die Mitte wird zur Wahl eigene Wege gehen. Sie plant eine Wahlallianz, die diesmal nicht nur technischer Art sein soll.

Die entscheidende Mitte

Für die SP, die Partei der deutschen Minderheit, ist das eine gute Nachricht: Der ehemalige Bündnispartner Alternative macht heuer mit Einheitsliste (EL) gemeinsame Sache. Ein weiterer Bündnispartner, die Christdemokraten, machen nach dem Exit ihrer starken Spitzenkandidatin Mirjam Fibiger Olesen bislang wenig von sich reden.

Bürgerliches Lager: Fragmentiert, aber potenziell stark

Holger Mikkelsen (LA), rechts im Bild, kehrt zurück. Hier ist er mit dem Sozialdemokraten Bo Morthorst Rasmussen zu sehen (Archivbild).

Interessant ist, dass die Liberale Allianz (LA), derzeit mit einem Sitz vertreten, landesweit in der Wählergunst zulegt.

Lokal könnte dieser Trend durch Holger Mikkelsen befeuert werden: Der frühere Venstre-Politiker, der vor der vergangenen Wahl im Ringen um die Spitzenkandidatur dem jetzigen Bürgermeister knapp unterlag, hat sein politisches Comeback angekündigt: diesmal als Mitglied von LA. Das wird Venstre Stimmen kosten.

Dänische Partei mobilisiert deutschen Kaiser

Der Haderslebener DF-Folketingsabgeordnete Peter Kofod (rechts) hat mit seinem Vorschlag, Kaiser Wilhelm I. aus dem Schloss zu holen, viel Aufmerksamkeit bekommen. Hier ist er mit seinem Parteichef Morten Messerschmidt zu sehen. Ein weiteres Leuchtturmprojekt von DF war in der vergangenen Legislaturperiode die Installation eines überdimensionalen Dannebrog im Rathaussaal (Archivbild).

Dabei schwächelt Venstre momentan. Schlägt der landesweite Trend auf kommunaler Ebene durch, wird die Partei Federn lassen. Ein Trost: Die Dänische Volkspartei (DF), vertreten mit einem Mandat, steht treu an Venstres Seite im gemeinsamen Sinkflug.

Um nicht dem Vergessen anheimzufallen, mobilisiert DF sogar den deutschen Kaiser: Sie möchte die Statue von Wilhelm 1. aus dem Sonderburger Schloss holen, um sie an ihrem früheren Standort auf dem Haderslebener Markt wieder aufzustellen.

Ein Medienstunt, der DF jene Aufmerksamkeit beschert hat, die ihr im Wahlkampf fehlt.

Bündnisse mit Potenzial und ein herber Schlag

Die linke Flanke zeigt sich zwar strategisch gespalten, aber politisch geeint. Die Sozialdemokraten (S) und die Sozialistische Volkspartei (SF) haben ein Wahlbündnis geschlossen, das ihre Chancen auf Mandatsgewinne stärkt. SFs nationale Stärke könnte sich positiv auf das lokale Ergebnis auswirken.

Ein herber Schlag für das rote Bündnis ist, dass es künftig auf die politische Finesse von Jens Chr. Gjesing verzichten muss: Der frühere sozialdemokratische Bürgermeister hat das Ende seiner 44 Jahre währenden Politikkarriere eingeläutet.

Die Rolle der Schleswigschen Partei

Fraktionschefin und Bürgermeisterkandidatin Marie Skødt von der Haderslebener Sozialdemokratie. Sie hatte den bisherigen Fraktionsvorsitzenden Henrik Rønnow im vergangenen Jahr auf diesem Posten abgelöst.

Die Schleswigsche Partei hat sich in der Klimapolitik profiliert und könnte als Teil der Allianz der Mitte eine Schlüsselrolle einnehmen – und womöglich das Zünglein an der berühmten Waage sein. SP-Politiker Carsten Leth Schmidt hat sich mit politisch-pragmatischem Zugang als Klimaausschussvorsitzender bewährt. Das bescheinigen ihm nicht nur politische Fans.

Ein knapper Wahlausgang

Themen wie Umweltpolitik, soziale Gerechtigkeit und Bildung prägen den Wahlkampf. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen der großen Blöcke zeichnet sich – wieder einmal – ab. Zwischen den Stühlen stünde dann die politische Mitte.

Politische Trends in Dänemark