Lokalgeschichte

Vom Bauernhof zum Golfhotel: Mads Friis und Benniksgaard

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Mads Friis und seine Frau Ingeborg vor dem alten Hofgebäude von Benniksgaard. Früher hat hier die Familie Friis gewohnt, später zog der Hotelbetrieb ein.

Nach fast 70 Jahren nimmt Mads Friis Abschied von seinem Benniksgaard: Der Landwirt, Unternehmer und Hotelier hat sein Lebenswerk verkauft. Wie sich das anfühlt, verrät er im Interview.

Der Nachmittagskaffee ist serviert, an der Rezeption stehen Platten mit selbstgemachten Kuchenschnitten und „Kransekage“. Eine Handvoll Gäste sitzt in der Lobby, und Mads Friis begrüßt viele von ihnen persönlich.

Für die Gäste ist es ein kurzer Aufenthalt, für Mads Friis ist es zu Hause. 1955 kam er als zweites von drei Kindern vor Ort zur Welt. Als 23-jähriger Landwirt übernahm er den Betrieb von seinem Vater, und seit 1989 betreibt er die Golfbahn und das Hotel Benniksgaard in Rinkenis. Nun sind es seine letzten Tage als Hotelier.

Abschiedsdinner am Freitagabend

Ende der Woche findet ein Abschiedsempfang statt, am Freitagabend hat das Ehepaar Friis 120 Gäste zu einem letzten Abendessen eingeladen. Jene Menschen, die ihn und seine Frau in den vergangenen Jahrzehnten begleitet haben.

„Denn das hier hätte sich ohne ein riesiges Netzwerk an Menschen niemals machen lassen“, sagt Mads Friis. „Behörden, Politiker, Handwerker, Gäste, Angestellte, Anwälte, Revisoren – sie alle haben einen Anteil daran, dass es Benniksgaard gibt“, sagt Mads Friis.

Mads Friis übernahm den Hof 1977 als landwirtschaftlichen Betrieb. Zuvor reiste er sechs Jahre lang durch Dänemark und die Welt. Er bildete sich auf Falster zum Landwirt mit Wirtschaftsausrichtung aus. Er studierte in den USA Ökonomie und Landwirtschaft an der Universität von Saint Paul in Minnesota, arbeitete in England auf einem Gut, als Piccolo in einem französischen Hotel und auf mehreren Höfen in Dänemark.

Der persönliche Kontakt zu seinen Gästen war für Mads Friis immer fester Teil seines Alltags als Hotelbetreiber.

Vom Kuhstall zum Golfhotel

Ende der 1990er Jahre baute er den Hof allmählich zu einem Golfhotel-Betrieb aus. Mittlerweile ist Mads Friis 69 – und nach mehreren Jahren hat er endlich Käufer gefunden, die sein Lebenswerk übernehmen.

Welches Gefühl überwiegt: Wehmut, sein Lebenswerk abzugeben, oder die Freude darüber, dass ein Besitzerwechsel stattfindet?

Hotel Benniksgaard wird vom neuen Betreiberpaar renoviert und neu eingerichtet.

„Ganz klar die Freude. Natürlich bin ich wehmütig zu erkennen, dass jetzt Schluss ist. Aber man kann ja zurückschauen und erkennen, dass man eine ziemlich abgenutzte Taufurkunde hat. Ich werde 70, und Ingeborg und ich hatten seit vielen Jahren vor, in Pension zu gehen. Um Zeit für all die tollen Menschen zu haben, die wir im Laufe unseres Lebens kennengelernt haben. Mehr Zeit für die Kinder, Enkel. Mehr Zeit für uns selbst und unsere Interessen.“

Die Golfbahn hat er bereits vor einigen Jahren verkauft. Sie ist heute im Besitz des Benniksgaard Golfklubs.

Kajakfahren und mehr Zeit für die Familie

In der kommenden Woche übergibt Mads Friis die Schlüssel, dann ist er Pensionist. Statt Hotelbetrieb ist dann Zeit für folgende Hobbys: Spaziergänge und Wandern. Mit dem Kajak raus aufs Meer, Kultur, Musik und Reisen. Mehr Zeit für die drei Töchter und die sechs Enkelkinder.

„Auch wünsche ich mir Zeit zum Nachdenken. Zeit, um die vergangenen 45 Jahre hier zu reflektieren.“

Der Hof hat die Grenzlandgeschichte jahrhundertelang miterlebt: Seit 1393 gibt es Benniksgaard. Am Ortseingang von Rinkenis thront er auf einem Hügel mit Blick auf die Flensburger Förde. Kühe, Schweine, Pferde, Pflanzenanbau: Der Benniksgaard sorgte den Großteil seines Bestehens für Nahrung.

Mads Friis ist auf Benniksgaard aufgewachsen und war der mittlere von drei Geschwistern.

Dem deutsch-dänischen Krieg folgte ein deutscher Pächter, nach 1920 wurde der Hof beschlagnahmt und erneut verpachtet; schließlich an Knud Friis, der den Hof 1951 kaufte.

Produzent von Babynahrung und Bauunternehmer

Sohn Mads übernahm den Betrieb 1977 zusammen mit seiner Frau Ingeborg, die aus Kopenhagen stammt. „Damals war das hier ein landwirtschaftlicher Betrieb. Ich war 23 Jahre alt und wir hatten Milchkühe und Schweine.

Im Laufe der Zeit kamen Spezialpflanzen wie Möhren für Babynahrung, grüner Spargel, Himbeeren und Erdbeeren dazu.“ Außerdem Dammwild und Mink-Farmen. Mit Hauptsitz auf Benniksgaard betrieb Friis eine Handelsfirma in Polen und ein Bauunternehmen.

Anfang der 1990er stellte Mads Friis die Nutzung des Hofes komplett um: Der Pflanzenanbau ging, der Hotelbetrieb kam. „Meine Frau spielte eines Tages Golf in Uk und machte den Vorschlag, doch auch bei uns eine Golfbahn anzulegen. Das war 1989, und es dauerte am Ende acht Jahre, bis wir die Genehmigungen dazu hatten – das gesamte Gelände war befriedet“, erinnert sich Mads Friis.

Mads Friis und seine Ehefrau Ingeborg im Restaurant

Königin Ingrid kam zur Einweihung der Golfbahn

Im Mai 1997 eröffnete Königin Ingrid die neue Golfbahn an der Flensburger Förde. „Nach ein, zwei Jahren stellten wir fest, dass es praktisch wäre, wenn die Golfgäste hier auch übernachten könnten. So haben wir die ersten zehn Zimmer gebaut – und dann immer wieder ausgebaut.“

Es folgte ein Ausbau nach dem anderen, zu Spitzenzeiten hatte Benniksgaard 245 Zimmer. Nach der Corona-Krise reifte der Beschluss, den Betrieb zu verkaufen. Zweieinhalb Jahre lang wartete Mads Friis auf den rechten Käufer – im Dezember 2024 kam der Handel zustande. Das Paar Steffen Sivgård Andersen und Christina Buch-Larsen hat Benniksgaard gekauft.

Hinter dem Hotelkomplex beginnt der Golfplatz, der 1997 eingeweiht wurde. Von 16 der 18 Löcher hat man einen direkten Blick auf die Flensburger Förde.

Wiedereröffnung für den 1. März geplant

„Was gibt es Schöneres, als an eine neue Generation zu verkaufen, die noch ganz am Anfang steht. So wie wir es selbst getan haben“, sagt Mads Friis. Die neuen Besitzer werden das Hotel zunächst schließen, renovieren und einrichten. Für den 1. März ist die Wiedereröffnung geplant.

Das Ehepaar Friis lebt schon seit rund 15 Jahren nebenan im Dorf Sandacker (Sandager). Zu ihrem Besitz gehören Felder und Wiesen. Insgesamt elf Hektar, die in Zukunft für mehr Biodiversität sorgen sollen. „Das sind stillgelegte Flächen, auf denen wir Bäume und Büsche pflanzen wollen.“

Seine letzte Woche als Gastgeber und Hotelier: Mads Friis lädt Freitagabend langjährige Wegbegleitende zum Abschiedsdinner ein.

„Wir freuen uns, dass wir nun abgeben können“

Wie fühlt es sich an, dass Benniksgaard bald nicht mehr der Familie Friis gehört? „Als wir uns entscheiden mussten, ob wir den Hof verkaufen, oder nicht, gab es viele verschiedene Gefühle. Auch Wehmut und die Frage, ob es richtig oder falsch ist. Aber wir haben zunehmend erkannt, dass wir hier ein Ablaufdatum haben. Es war jetzt an der Zeit, und wir freuen uns, dass wir nun abgeben können.“

Dass er den Hof und das Hotel in den vergangenen Jahrzehnten in einem deutsch-dänischen Grenzland geführt hat, hat den Alltag und Leben „enorm bereichert“, sagt Friis.

Für das Ehepaar Friis heißt es in dieser Woche Abschied nehmen von ihrem Lebenswerk Benniksgaard.

„Zwischen einem Deutschen und einem Dänen gibt es mental große Unterschiede. Die Deutschen sind formeller und legen mehr Wert auf Titel und Rang. Es gibt Tausende von kleinen Dingen, in denen sich Deutsche und Dänen unterscheiden. Das führt zu einer Diversität an Verhaltensweisen, die so spannend ist. Man muss sozusagen ständig die Erwartungen abstimmen, und das habe ich immer als Bereicherung empfunden.“

„Ich hatte es immer eilig“

Jetzt ist sein Berufsleben zu Ende, sein Tatendrang aber nicht. „Ich hatte immer viel zu tun, hatte es immer eilig und fand, dass die Zeit knapp war. Ich denke, dass ich auch als Pensionist viel zu tun haben werde. Ich möchte etwas zurückgeben.“

Benniksgaard wird er ab und zu besuchen: als Golfspieler und Gast.