Kultur

„Sønderjysk Forening“ – wenn eine Sprache verbindet

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Lenore Toft stellte beim Jubiläumsempfang das neueste Buch vor, das der Verein „Sønderjysk Forening“ herausgegeben hat.

Als der Verein vor 25 Jahren aus der Taufe gehoben wurde, war es die Motivation der Initiativgruppe um Erik Haase, die Regionalsprache, die lange als Sprache der Ungebildeten und Hinterwäldler abgestempelt wurde, aus dieser Schmuddelecke herauszuholen. Die heutige Vorsitzende freut sich, dass verstärkt junge Musikerinnen und Musiker in ihrer „Herzenssprache“ singen – und damit im ganzen Land verstanden werden und erfolgreich sind.

„Unsere Sprache – meine Herzenssprache – ist wieder in, auch bei den Jugendlichen.“ Lenore Toft hat nicht nur den Eindruck, dass die Regionalsprache „Synnejysk“ – auf Hochdänisch „Sønderjysk“ – an Popularität dazugewonnen hat, sondern merkt es auch in ihrem Umfeld. Es wird wieder mehr Dialekt gesprochen.

Welchen Anteil der Verein daran hat, der vor ziemlich genau zweieinhalb Jahrzehnten gegründet wurde und dem sie seit drei Jahren vorsitzt, vermag sie nicht genau zu sagen, aber dass „Sønderjysk Forening“ zumindest einen Beitrag zur Renaissance dieser Regionalsprache geleistet hat, davon ist sie überzeugt.

Kinderbuch als Kassenschlager

Eingeleitet und abgeschlossen wurde die Jubiläumsveranstaltung mit gemeinsamem Singen – auch das hat in Nordschleswig Tradition.

„Ich denke, dass der Verein seinerzeit schon mit der Herausgabe des Kinderbuches ,Min føøst tusin' oe å synnejysk‘ einen klugen Schachzug getan hat. Ich weiß gar nicht, bei der wievielten Auflage wir inzwischen sind. Es sind auf jeden Fall schon einige“, sagt die Vorsitzende.

„Darüber hinaus sind unsere unterschiedlichen Veranstaltungen im Laufe des Jahres immer gut besucht. Zum Beispiel nahmen an unserer jüngsten Generalversammlung 200 Personen teil“, erzählt Lenore Toft nicht ohne Stolz. Welcher Verein kann von sich schon behaupten, dass ein Fünftel der Mitglieder zur Generalversammlung erscheint?

Das einzige Manko ist aus ihrer Sicht jedoch die Tatsache, dass sie mit ihren 43 Jahren bei den meisten Veranstaltungen die jüngste Teilnehmerin ist. „Das Durchschnittsalter liegt bei 60 Jahren und älter.“ Dabei ist das Interesse bei der jüngeren Generation für die Regionalsprache durchaus gegeben. Wöchentlich kommen ein bis zwei Neuanmeldungen hinzu, und darunter sind laut Lenore Toft auch jüngere Menschen.

Lieder in der Sprache des Herzens

Seit drei Jahren ist Lenore Toft Vorsitzende des Vereins.

Natürlich hängt das auch damit zusammen, dass junge Musikerinnen und Musiker – wie zum Beispiel Rikke Thomsen – in ihrer „Herzenssprache“, nämlich ,Sønderjysk‘, singen und damit ihr Publikum im ganzen Land erreichen, auch wenn sie vielleicht nicht jedes Wort verstehen. Lenore Toft denkt allerdings in aller Bescheidenheit auch, dass die Tatsache, dass „Sønderjysk Forening“ in Zusammenarbeit mit dem lokalen Fernsehsender DK Syd eine Programmserie ins Leben gerufen hat, auch ein jüngeres Publikum erreicht hat.

Die Vorsitzende selbst hat bei der Sendung mit dem Titel „Så æ det soi“ (auf Deutsch: Dann ist das gesagt) für die Versuchsphase den Part der Moderatorin übernommen. „In dieser halbstündigen Sendung werden nicht oberflächliche Nichtigkeiten besprochen, sondern es werden wirkliche Inhalte vermittelt – eben nur auf ,Sønderjysk‘“, unterstreicht der Vorsitzende von DK Syd, Knud Sveistrup.

Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung gab er bekannt, dass dieses Format fortgesetzt werden soll. Angesichts dessen wird derzeit nach einer geeigneten Person gesucht, die die Moderation dieser Sendung übernehmen kann. Bewerbungen werden ab sofort entgegengenommen. (Die Kontaktdaten sind über die Homepage von DK Syd erhältlich.)

Dialekt als verbindendes Element

Knud Sveistrup ist Vorsitzender des Fernsehsenders DK Syd. Er sucht aktuell nach einer „Synnejysk“ sprechenden Person, die künftig eine halbstündige Fernsehsendung moderieren möchte.

Mit Erik Haase war übrigens auch der erste Vorsitzende und Initiator von „Sønderjysk Forening“ bei der Jubiläumsveranstaltung anwesend. Kurz vor der Jahrtausendwende hatte es ihn beruflich nach Kopenhagen verschlagen. Damals hatte ihn ein Bekannter, der heutige Vorsitzende des Deutschen Büchereiverbandes für Nordschleswig, Peter Asmussen, zu einer Veranstaltung von „Synnejysk Ambassade“ mitgenommen. Hinter diesem klangvollen Namen verbirgt sich keine offizielle Botschaft, sondern ist einfach eine Art Netzwerkgemeinschaft von Menschen aus Nordschleswig, die es aus irgendeinem Grund in die dänische Hauptstadt verschlagen hat.

„Ich war es leid, in meinem Leben immer wieder mit dem Vorurteil konfrontiert zu werden, dass ,Sønderjysk‘ quasi als Synonym für ungebildet oder hinterwäldlerisch angesehen wurde. Peter und ich wurden uns damals einig, sobald ich wieder nach Nordschleswig zurückkehre, gründen wir einen Verein, der sich für den Erhalt der Sprache und der Traditionen einsetzt – ob man aus einem deutsch-nordschleswigschen Hause kam oder dänisch gesinnt war, machte keinen Unterschied. Die gemeinsame Sprache war das verbindende Element“, erinnert sich Haase. Es blieb jedoch nicht nur bei der Idee. Als Erik Haase einige Zeit später tatsächlich nach Nordschleswig zurückkehrte, wurde das Vorhaben auch umgesetzt.

Arne Rosenkvist (hier im Gespräch mit der Vorsitzenden Lenore Toft) ist zwar kein gebürtiger Nordschleswiger und kann auch nicht „æ sproch“, hat aber dennoch einen Beitrag für das neueste Buch geschrieben. Seine Themen: der Ochsenweg und der Bommerlunder!

Die Gründungsversammlung fand am 27. Januar im Jahr 2000 im Krug von Aggerschau (Agerskov) mit 100 Teilnehmenden statt. Im Laufe des ersten Jahres wuchs die Mitgliedszahl auf enorme 400 Personen an.

Die offizielle Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Vereinsbestehen wurde aus praktischen Gründen um einen Tag vorverlegt und fand deshalb am Sonntagnachmittag im Hotel „Kløver Es“ in Hellewatt im Rahmen eines gemütlichen Kaffeetrinkens statt.

Ein Buch zum Jubiläum

Aufgrund eines technischen Problems in der Druckerei liegt das Buch bislang nur in wenigen Exemplaren als Paperback-Ausgabe vor. Schnellst möglich – versprochen ist noch in der Kalenderwoche 5 – soll die Hardcover-Version in den Buchläden landen.

Zum Jubiläum hat sich der Verein selbst ein Geschenk gemacht. Der Verein hat nämlich eine Art Nachschlagewerk fabriziert, mit dem Titel „Typisk Sønderjysk“. Natürlich sind in dem 220 Seiten zählenden Buch auch ein paar Anekdoten zu finden, aber vor allem erhalten die Lesenden allerhand Informationen über die nordschleswigsche Geschichte und die nordschleswigschen Traditionen, die zum großen Teil noch heute gepflegt werden oder die von Nordschleswig ihren Siegeszug um die halbe Welt angetreten haben. So stammt der Brauch, vor oder auf dem Hause der frisch gebackenen Eltern einen Holzstorch aufzustellen, laut Vereinsrecherche erstaunlicherweise aus Röllum (Røllum), wie aus dem Buch zu erfahren ist.

Dass das Buch bis auf ganz wenige Passagen auf Hochdänisch geschrieben ist, hat rein „kommerzielle Gründe“, wie es Lenore Toft augenzwinkernd formuliert. Das Buch soll möglichst von allen gelesen und verstanden werden und nicht nur von Personen, die „Sønderjysk“ sprechen.

Ob das Buch tatsächlich schon in der Kalenderwoche 5 im Handel erhältlich ist, hängt übrigens davon ab, wie schnell die Druckmaschine repariert werden kann. Für die Buchpräsentation wurden in aller Eile ein paar Paperback-Ausgaben gefertigt. „Die richtigen Bücher mit festem Einband werden schnellstmöglich nachgeliefert“, verspricht die Vorsitzende. Sie werden 179 Kronen kosten.