Selbstversuch

Sommertour: So funktioniert Keramik bemalen im Kreativ-Café

Veröffentlicht Geändert
Theresas Tasse nimmt beim Anmalen Gestalt an. Wie und in welcher Farbe man den Gegenstand bemalt, entscheidet der Gast selbst.

Die Lokalredaktion Sonderburg geht für euch auf Sommertour zwischen Alsen und Rinkenis, probiert verschiedene Aktivitäten aus und gibt zahlreiche Tipps rund um die Erlebnisse. Heute: Kaffee trinken und Gegenstände anmalen in der Norburger Innenstadt.

In der Innenstadt von Norburg ist nichts los? Ich will wissen, was an diesem Vorurteil dran ist, und verbringe einen Nachmittag in der Innenstadt. In der Storegade haben in den vergangenen Monaten viele neue Cafés und Geschäfte eröffnet – die Erwartungen auf viele Gäste aus dem Nordborg Resort sind groß.

Das „Café Kjukken“ ist neu, ebenso das Restaurant „Friends“ am oberen Ende der Storegade. Direkt gegenüber hat sich Denise Malcher mit einem Laden für Näh- und Handwerkskunst selbstständig gemacht (siehe Infokasten).

Keramik bemalen nebst Rumkugel

Ein Café zieht meine Aufmerksamkeit heute besonders auf sich: Das „Krea Aarøe“. Hier gibt es Kaffeegetränke, extrem leckere Rumkugeln – und Keramik zum Selbstbemalen. Ich kenne das Konzept aus der „Kritzelei“ in Flensburg (Flensborg) und bin gespannt, was das „Krea Aarøe“ in Norburg zu bieten hat.

Ich entscheide mich für eine Müsli-Schale

Café-Besucherin Theresa Gabriel sucht sich im Regal einen Gegenstand aus, den sie bemalen will. Jedes Teil hat eine Preisangabe, eine Tasse kostet beispielsweise 160 Kronen. Farben, Werkzeuge und Brennen sind im Preis inbegriffen.
Café-Betreiberin Britta Barsøe Aarøe kommt vorbei, erläutert das Mal-Konzept und gibt Tipps.

Vorweg sei gesagt: In der Schule gehörte ich eher zu den Montagsmalern, was die Kreativität anging. Meine mit Wasserfarbe gezeichneten Bilder waren nie filigran, dafür immer unproportional und zeigten meistens Pferde mit klobigen Beinen oder ein Abbild meines Wellensittichs Bobby, das an ein blaues Huhn erinnerte.

Im Café „Krea Aaroe“ stehe ich nun vor einem Regal mit weißen, getöpferten Gegenständen: Teller, Tassen, Figuren oder Kannen, die darauf warten, dass ein Gast sie bemalt. Ich entscheide mich für eine Müsli-Schale und setze mich mit Theresa Gabriel, einer Besucherin aus Deutschland, zusammen an einen Tisch.

Keramikteil auswählen, Pinsel zurechtlegen, losmalen

Ich wähle zum Anmalen diese Schale. Alle Produkte sind getöpfert und noch ungebrannt.
Die Malarbeiten im Café können beginnen, Pinsel und Farben stehen zum Greifen nahe. Mein Eiscafé und die Rumkugel ebenfalls.

Und jetzt? Wie kommt die Farbe auf die Schale? Café-Betreiberin Britta Barsøe Aarøe bringt uns unsere Getränke und Süßgebäcke, die wir vorn an der Kasse bestellt haben, und erläutert das Konzept. „Ich muss mein Deutsch noch etwas üben, nach dem Sommer spreche ich dann flüssiger”, entschuldigt sie sich lachend.

Die Anleitung liegt aber auch auf Deutsch vor: Keramikteil auswählen, Pinsel und Farben zurechtlegen, losmalen. Während sich Theresa für ein geschwungenes Blumenmuster auf der Tasse entscheidet, wähle ich eine Orangen-Optik für meine Schale aus. Ziel ist es, mein Müsli am Morgen aus einer Orange zu löffeln, gesünder geht es ja wohl nicht.

Die Farbe macht das Anmalen leicht

Viele verschiedene Farben stehen zur Auswahl, ein Tonplättchen zeigt, wie die Farben gebrannt aussehen.

Ich suche im Farbregal die Flasche mit dem organgesten Orange, quetsche ein paar Portionen in meine Farbbehälter und greife mir einen Pinsel aus dem Glas auf dem Tisch. Ein Biss in die köstliche Rumkugel, die jede ihrer 20 Kronen wert ist, und los geht’s.

Die Farbe verteilt sich angenehm und fühlt sich sehr weich an. Solche Qualität hatten wir früher in der Schule nicht. Hier kann sogar ich gleichmäßig malen. Drei Schichten gilt es aufzutragen. Sobald man einmal rundherum ist, ist die erste Lage schon trocken. Das ist unkompliziert und gefällt mir gut.

Nichts verschmiert, keine Farben verlaufen oder klecksen. Um Kontur für die Orangenschalen-Optik reinzubekommen, bestampfe ich die Außenschale mit einem Schwamm-Kissen. Ich fühle mich wie eine Künstlerin und male begeistert weiter.

Die fertigen Teile werden im Brennofen gefestigt

Meine Orangenschale auf dem Cafétisch, der gleichzeitig auch Atelier ist.
Die Anleitung liegt auch auf Deutsch aus.

Theresa zeichnet ihre Retro-Blumen mit dem Bleistift vor – die Abdrücke verschwinden später beim Brennen. Kleine Farbflaschen mit spitzen Enden machen das direkte Aufzeichnen möglich – wer will, kann seinen Gegenstand also auch beschriften.

„Toll hier“ würde ich gerne auf meine Müslischale schreiben, aber das hat wiederum mit einer Orange nichts am Hut und so denke ich es mir lediglich. Der Eiskaffee schmeckt köstlich, die Stunden verfliegen.

Die Preise sind angenehm niedrig – für mein Kaltgetränk zahle ich 35 Kronen, Theresas Flasche Apfelsaft kostet 25 Kronen, und pro Teil Keramik zahlen wir jeweils 160 Kronen. Dafür kann man malen bis Ladenschluss, und wenn man fertig ist, werden die Teile im Brennofen von Britta Barsøe Aarøe gebrannt.

Nebenan am Tisch nimmt eine Gruppe lokaler Seniorinnen und Senioren Platz – sie sind hier nur zum Kaffeetrinken und zum Gucken – man muss nämlich nicht malen, um bewirtet zu werden.

Nach einem Tag sind unsere Teile abholbereit

Britta Barsøe Aarøe hat sich mit ihrem Kreativ-Café in Norburg selbstständig gemacht. Aufgewachsen ist sie in Broballig, wo ihre Eltern noch leben.
Isabel bemalt am Tisch nebenan einen Hund und hat beschlossen, dass es ein bunter Hund wird.

Außer uns ist an diesem Nachmittag eine Oma mit ihrer Enkelin kreativ aktiv. Die sechsjährige Isabel hat sich einen Hund zum Anmalen ausgesucht. „Wir haben einmal in der Woche einen Oma-Tag, und da fand ich die Idee schön, etwas Kreatives zu machen“, sagt Britta Mathiesen, die das erste Mal hier im Café ist.

Meine Orangen-Schale wird eine runde Sache, und ich bin gespannt, wie sie gebrannt aussehen wird. Wir hinterlassen Schale und Tasse im Café – die Café-Betreiberin hat ein Foto von unseren Werken gemacht und einen Zettel mit Namen und Telefonnummer dazugelegt. Sobald die Gegenstände gebrannt sind, erhalte ich eine SMS. In unserem Fall vergeht nicht mal ein Tag, bis ich die Benachrichtigung erhalte.

„Es kommt immer darauf an, wie viele Gegenstände gebrannt werden müssen“, erläutert Britta Barsøe Aarøe. Sie hat ihren Brennofen von ihrem Wohnort Hadersleben (Haderslev) aus mitgebracht und in einem Hinterraum platziert.

Von der Sozialberaterin zur Café-Betreiberin

Theresas Tasse ist fertig. Jetzt steht der Prozess des Brennens an, den Britta Barsøe Aarøe in ihrem Ofen vor Ort durchgeführt. Sobald die Teile gebrannt sind, erhält man eine SMS.

Wie kam Britta Barsøe Aarøe überhaupt darauf, ihr Kreativ-Café in Norburg zu eröffnen? „Ich habe viele Jahre als Sozialberaterin und Leiterin im kommunalen Jobcenter gearbeitet. Irgendwann kam der Wunsch nach etwas Neuem. Ich hatte vor ein paar Jahren selbst damit angefangen, Keramik herzustellen und war damit auf Kunsthandwerksmärkten hier auf Nordalsen recht erfolgreich. Ich habe immer von einem Café geträumt, und als ich nach einer Knie-OP krankgeschrieben war, begann ich konkret darüber nachzudenken.“

Irgendwann entdeckte Britta Barsøe Aarøe die großen freien Räume an der Storegade in Norburg. „Neben dem Café war da auch noch Platz für kreatives Malen, den man ausnutzen konnte. So hat es sich einfach entwickelt.“

Das Konzept Kreativität und Kaffeetrinken kannte sie aus Hadersleben. Seit Mai gibt es das nun auch in Norburg.

Mein Fazit: Ich bin begeistert, wie einfach es ist. Wie schnell die Zeit verfliegt, wenn man einfach mal drauflos malt. Wie nett es ist, sich zwischen einer Tasse Kaffee und Pinselstrichen zu unterhalten. Wie schön meine Orange geworden ist, aus der ich in Zukunft frühstücken werde. Was für ein schöner Nachmittag, und wer hätte geahnt, dass mir Kunst so viel Spaß machen kann? Hierher werde ich definitiv zurückkehren. Das nächste Projekt wird eine Erdbeere.

Das Kreativ-Café „Krea Aarøe“

Parken: Ein zeitlich unbeschränkter Parkplatz liegt am „Slotsgrunden“ – direkt vor dem Norburger Schloss. Von hier aus sind es zwei Minuten Fußweg zum Kreativ-Café.

Kosten: Für Getränk, Gebäck und eine Keramikschale zahle ich 215 Kronen (etwa 28 Euro). Da die Kosten für Kaffee und Gebäck in einem Sonderburger Café doppelt so hoch sind, ist das für drei Stunden Vergnügen und Verpflegung ein absolut fairer Preis.

Unterhaltungsfaktor: Enorm hoch! Es ist einfach, schnell umsetzbar, und man kann es sowohl allein als auch zu zweit oder als Gruppe machen. Außer den schönen Erinnerungen nimmt man anschließend ein einzigartiges Stück Keramik mit nach Hause, das sogar spülmaschinenfest ist.

„Fra Denise“, Storegade 10: Hier betreibt Denise Malcher ein bezauberndes Geschäft mit selbst designter und genähter Kleidung. Andere Kunsthandwerkende zeigen im Laden ebenfalls ihre Ware – von Alpaka-Sitzkissen über Schlüsselanhänger bis Deko.

„Café Kjukken“, Storegade 27: Ein gemütliches, kleines Restaurant-Café mit dänischen Tapas, Kaffee und Kuchen. Täglich gibt es ab 9.30 Uhr einen Brunch für 209 Kronen (Kinder 149 Kronen), eine Reservierung ist notwendig.

Der See am Norburger Schloss: An der Ecke Søvænget und Bækgade gibt es einen runden Steg, der über das Wasser des Norburger Sees führt. Fantastische Aussicht – und eine gute Fotomöglichkeit mit dem Schloss im Hintergrund. Das Schloss selbst ist nicht zu besichtigen: Hier sind die Schülerinnen und Schüler eines Internats („Efterskole“) zu Hause.

Im Café sitzen und dabei Keramik bemalen – das Konzept macht Spaß, und im Café ist viel Platz.
Die fertigen Kunstwerke: Durch das Brennen gewinnen die Farben an Kraft.