deutsch-dänisch

Mode-Metropole Kopenhagen: Was die Nordlichter am deutschen Style (nicht) mögen

Veröffentlicht Geändert
Alex verkauft Schmuck und ist damit selbst in der Mode-Branche tätig.

Luxusmarken und Vintage-Fashion: Der Vibe der dänischen Hauptstadt füllt Modemagazine und setzt weltweit Trends. Aber wie empfinden die Einheimischen das? Und warum ist die Mode südlich der Grenze für sie „brutal“?

Menschen in Jeanshosen, Pelzmänteln und mit locker hochgesteckten Haaren füllen die Straßen. Schwarze Lederhandschuhe umklammern den Henkel einer Prada-Einkaufstasche, ein junger Mann in einem knallig-grünen Anzug sticht aus der Masse heraus. Eine Frau tritt fleißig mit ihren bunten Sneakern in die Pedale ihres Fahrrads. Das ist die Modehauptstadt Kopenhagen, wie sie leibt und lebt.

Die Magie des Minimalismus

Die Sonne strahlt auf den Kongens Nytorv, an einem kleinen Coffee-to-Go-Stand warten Menschen geduldig auf ihren Americano, Touristinnen und Touristen probieren ihren ersten dänischen Hotdog, und an den paar Verkaufsständen mitten auf dem Platz tummeln sich Leute.

Frühling to go

Mittendrin steht Alex, er verkauft Schmuck aus echten Blumen. „Die habe ich den Frühling und Sommer über gepflückt“, verrät er einem jungen Pärchen, das gespannt die ausgelegten Ringe betrachtet. Er blinzelt mutig gegen die blendende Sonne an und präsentiert seinen Kundinnen und Kunden ein Lächeln, das mindestens genauso doll strahlt.

Alex wohnt in Kopenhagen, er selbst würde seinen Style als „eine gute Mischung aus dem typisch dänischen Minimalismus und auffälligen Statement-Pieces“ beschreiben. „Meine Freunde sagen mir immer, dass ich im Inneren eine alte Frau bin“, erzählt er lachend.

Neben Schmuck stellt Alex auch andere Objekte wie beispielsweise Schachbretter mit Blumen her.

Minimalismus und Techno-Hippies

Für ihn tendiere die Mode in Dänemark und Kopenhagen eher dazu, „minimalistisch zu sein“.

Schon ein paar Mal hat es den jungen Mann nach Deutschland verschlagen: „Ich war schon in Berlin und Hamburg.“ Im Vergleich zu seiner Heimat würde er den Style im Nachbarland als ein „bisschen ‚brutaler‘ und härter“ beschreiben.

„Ich würde den Stil als ‚Techno-Hippie‘ bezeichnen“, erklärt Alex und schmunzelt dabei etwas.

Er fühlt sich modisch wohl in Kopenhagen, aber auch Deutschland hat es ihm durchaus angetan: „Ich mag die Mode in Deutschland gerne. Ich finde, dass sie sehr frei und ausdrucksstark ist. Vor allem im Vergleich zu Dänemark.“

Eleganz statt Bequemlichkeit

Eine der längsten Shoppingmeilen der Welt: Strøget. Hier schieben sich Menschenmengen vorwärts, irgendwo füttert ein Kind eine Taube, und bunte Einkaufstaschen werden durch die Straßen getragen. Die Pandora-Filiale ist gefüllt mit Familien, Pärchen und Leuten auf der Suche nach einem Geschenk.

Alessia bedient eine junge Frau, präsentiert ihr ein glitzerndes Armband. Während sie über die richtige Größe diskutieren, lässt Alessia das Schmuckstück behutsam zurück in die Verpackung fallen.

Sie bedankt sich mit einem freundlichen Lächeln und lässt das Armband wieder in einer der Schubladen hinter dem Tresen verschwinden.

Immer der Liebe nach

Seit einem Jahr lebt Alessia in Kopenhagen, ursprünglich kommt sie aus Berlin.

Wie schon viele vor ihr trieb sie die Liebe an, als sie ihre Heimatstadt verließ: „Mein Freund ist Däne. Davor sind wir immer zwischen Berlin und Kopenhagen gependelt, aber irgendwann haben wir dann gesagt, wir ziehen zusammen nach Kopenhagen.“

„Seitdem ich hier wohne, hat sich mein Style komplett verändert, ich achte mehr darauf, wie ich rausgehe“, berichtet die 23-Jährige.

Wenn sie gerade nicht arbeitet, trägt Alessia neben knalligen Farben auch gern mal Töne von der Pastell-Palette.

Für sie ist die Mode in Kopenhagen „sehr schick“: „Ich habe das Gefühl, alle sind modebewusst. Jeder sieht toll aus, egal, was die Leute anhaben, die haben irgendwie ein Gefühl dafür, das zu stylen.“

Aber bitte mit Farbe!

Ihren eigenen Style würde sie „als etwas zwischen elegant-classy und sportlich“ beschreiben. Ihre Outfits seien eher schlicht, aber an ein paar knallige Farben traue sie sich gern mal ran.

Andere Länder, andere Sitten

Modisch überzeugt Alessia Kopenhagen definitiv mehr als Berlin: „In Deutschland wird sich vom Gefühl her eher auf Bequemlichkeit konzentriert. Klar, manchmal sehe ich so ein paar Leute, deren Style ich cool finde, aber so in der Allgemeinheit finde ich es eher ein bisschen langweilig.“

Zwar könne sich in Berlin „mehr ausprobiert“ werden, aber in Kopenhagen sei alles ein bisschen schicker: „Das ist einfach ein anderes Modebewusstsein.“

Leder, Leder, Leder! Oder doch lieber etwas schlichter?

„Bye!“ ruft ein Teenager über seine Schulter, als er den Secondhandladen auf der Straße Studiestrædeverlässt. Direkt gegenüber lehnt jemand an der Tür zu einem Tattoo-Studio und zieht an seiner Zigarette.

Eine Frau lässt zwei Autos vorbei, bevor sie die Straße überquert, und oben an der Kreuzung sitzen zwei junge Männer, deren komplett schwarze Outfits einen starken Kontrast zu den Aperol-Spritz-Gläsern in ihren Händen bilden.

Jens und Cuccette aus Kopenhagen tun es den beiden jungen Männern gleich, zumindest bei den Farben ihrer Outfits: „Heute trage ich komplett schwarz, manchmal mag ich aber auch mal ein kleines bisschen Farbe“, berichtet Cuccette und ergänzt: „Früher habe ich mehr Farbe getragen, aber je älter ich werde, desto mehr Schwarz trage ich.“

Die beiden sitzen an einem kleinen Tisch vor einer Bar, auf der anderen Straßenseite beginnt die Sonne langsam unterzugehen. Jens trägt „eigentlich jeden Tag dieselben Sachen. Meistens Schwarz und Weiß.“

Ich glaube, alle Männer, die ich in Berlin kennengelernt habe, haben Leder getragen.

Cuccette

In einem sind sich beide einig: Ihre Klamotten werden getragen, bis sie kaputtgehen, dann kaufen sie sich etwas Neues.

Eine junge Frau stellt zwei Getränke auf dem Tisch ab, Cuccette lächelt sie schräg an und bedankt sich.

Cuccette und Jens mögen es, ihre Klamotten „sozusagen abzutragen“.

Schon ein paar Mal waren sie und Jens in Berlin, dabei ist ihnen besonders ein Detail in Erinnerung geblieben: Leder. „Ich glaube, alle Männer, die ich in Berlin kennengelernt habe, haben Leder getragen“, berichtet Cuccette. In Kopenhagen sei die Mode im Vergleich „etwas schlichter“.

Cuccette stellt fest: „Ich mag Berlin, aber ich glaube, ich fühle mich modisch dann doch in Kopenhagen wohler.“

Modehochburg Kopenhagen

Die Sonne über Kopenhagen geht unter, die Einkaufsmeilen leeren sich, dafür sammeln sich die Menschen zum Cocktailschlürfen in den unzähligen Bars. Arbeitsuniformen und Blazer werden von Glitzer-Röcken und hohen Stiefeln ersetzt.

Der Mond geht auf, in einer Karaoke-Bar wird „Don’t Stop Believing“ geschmettert, die Zigarettenschachteln werden immer leerer, dafür steigt der Pegel. Der Tag endet, aber die Hauptstadt gilt auch im Mondschein noch als Modehochburg.

Die „grünste Fashion Week der Welt“

Die „Copenhagen Fashion Week“ ist die größte Modewoche in ganz Skandinavien.

Sie findet zweimal jährlich im Januar oder Februar und im August statt.

Ganz im Sinne der nachhaltigen Mode, für die Dänemark bekannt ist, müssen alle Ausstellenden auf der Fashion Week strenge Umweltkriterien erfüllen. Damit ist sie seit 2023 die erste Modewoche der Welt mit verpflichtenden Nachhaltigkeitsstandards.

Viele der Shows finden nicht auf klassischen Runway-Bühnen statt, sondern mitten in der Stadt, zum Beispiel auf Straßen, Höfen oder Dächern.

Sie zählt als international beachteter Streetstyle-Hotspot und zieht somit jährlich internationale Stars, Influencer und Medien wie die „Vogue“an.