Geschichtsvermittlung

Hier liegen 46 fürstliche Tote: Exklusive Einblicke in die Schlosskapelle

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Die Grabkapelle im Schloss Sonderburg ist die letzte Ruhestätte von 46 Herzögen und Herzoginnen aus der Linie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg und war seit über einem Jahrhundert für die Öffentlichkeit geschlossen. Museumsleiter Carsten Porskrog Rasmussen öffnet die Krypta nun für exklusive Führungen.

Die Grabkapelle im Schloss Sonderburg öffnet erstmals seine Türen für die Öffentlichkeit. Vor Ort ruhen 46 Tote aus der Linie der Herzöge und Herzoginnen. Die streng begrenzten Führungen ermöglichen einen Einblick in einen Ort, der bislang jahrzehntelang verschlossen blieb.

Die Särge stehen in einem nüchternen, weiß gekalkten Raum, der seit über einem Jahrhundert für die Öffentlichkeit unzugänglich ist. Hier liegen die Überreste von Herzog Hans von Augustenburg – Herzog Hans der Jüngere – und seiner Familie. Menschen, die im Laufe des 16. Jahrhunderts starben und hier ihre letzte Ruhe fanden. Zwei kleine Holzkisten erinnern an die hohe Kindersterblichkeit jener Jahre; auch zwei jugendliche Nachkommen sowie der Sohn und Herzog Hans' Ehefrau Elisabeth und seine zweite Frau liegen in mit schwarzem Stoff ausgekleideten Grabkisten neben ihm.

Der letzte Herzog stellte eine Bedingung: Grabesruhe

Insgesamt 46 Nachkommen der Augustenburger Herzöge und Herzoginnen liegen in den Räumen der Grabkapelle bestattet. Im vergangenen Jahrhundert hatten sie mehr oder weniger ihre Grabruhe. Denn als letzter Herzog von Augustenburg stellte Ernst Günther von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg im Jahr 1920 beim Verkauf seiner Schlösser an den dänischen Staat die Bedingung, dass der Zutritt untersagt wird.

„Die Kapelle bleibt ein Ort des Erinnerns“

Hier liegen Herzog Hans der Jüngere (1545–1622), seine Frau Elisabeth von Braunschweig-Grubenhagen (1550-1586) und mehrere Kinder. Die Hochzeit fand 1568 in Kolding statt, aus ihrer Ehe gingen 14 Nachkommen hervor. Nicht alle überlebten ihre Kindheit und Jugend.

Das Museum im Sonderburger Schloss macht die Grabkapelle nun in Absprache mit der Schloss- und Kulturbehörde erstmals zugänglich. Carsten Porskrog Rasmussen, Historiker und Museumsleiter, erläutert den Weg der Wiedereröffnung und gibt Einblicke in die Bedeutung des Ortes. „Die Idee, wieder zu öffnen, existiert schon lange. Die Augustenburger Familienlinie ist längst erloschen, ihre Geschichte kann jedoch während der Führungen vermittelt werden. Die Familiengeschichte lebt hier auf, und die Kapelle bleibt ein Ort des Erinnerns.“

Die Initiative stieß jedoch erst nach abgeschlossenen Restaurierungsarbeiten auf Zustimmung. „Wir wünschen nicht, dass die Grabkapelle allgemein offensteht. Es könnte schnell zulasten der Särge gehen. Die Führung bieten wir exklusiv als etwas ganz Besonderes an. So machen die Menschen die beste Erfahrung: wenn die schwere Tür geöffnet wird und eine Person erzählt.“

Vor rund 20 Jahren fand in den Krypten ein Sonderarrangement für ausgewählte Interessierte statt, danach öffnete sich der Zugang nur bei außergewöhnlichen Anlässen und in streng begrenztem, internem Rahmen.

Acht oder zehn Führungen mit höchstens 20 Personen

Museumsleiter Carsten Porskrog Rasmussen hat die behutsame Öffnung der Krypta in die Wege geleitet und wird die ersten Besichtigungen durchführen.

Nach den jüngsten Restaurierungen, bei denen auch gesundheitsschädliche Rückstände entfernt wurden, führte das Museum erneut Gespräche mit der Schloss- und Kulturbehörde, die das Schloss verwaltet. Die Einigung ermöglichte: Im September und Oktober finden erstmals Führungen statt.

„Wir beginnen in kleinem Umfang – zwei Tage, insgesamt acht oder zehn Führungen mit höchstens 20 Personen. Das ist ein Anfang. Danach entscheiden wir weiter“, sagt der Museumsleiter. Größer solle es bewusst nicht werden: „Es gibt keine Vorstellung, dass daraus Massentourismus wird. Es bleibt etwas Exklusives.“

Am Anfang stapelten sich die Särge

Hier in der Schlosskapelle ist der Eingang zur Krypta, unter dem eindrucksvollen Epitaph, das Herzog Hans der Jüngere nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Elisabeth im Jahr 1586 aufstellen ließ. Es präsentiert deren Wappen und deutet die Bedeutung von Herkunft und Glauben an, zentral steht zwischen den Eheleuten der auferstandene Christus als Symbol der Hoffnung.

Die Gestaltung der Särge und deren Anordnung wechselte im Laufe der Jahrhunderte. In der Anfangszeit stapelten die Menschen die Särge übereinander, später passte man die Kapelle mehrfach baulich an und restaurierte sie zuletzt in den 1930er-Jahren.

Fotos sind nur im ersten Raum erlaubt, die übrigen Bereiche bleiben aus Respekt vor der Einzigartigkeit des Ortes fotofrei. Rasmussen betont: „Die Grabkapelle bleibt ein geschützter Ort. Mir ist wichtig, dass bei den Führungen immer eine Erzählperson dabei ist, damit die Besonderheit des Ortes deutlich wird.“

Führungen in der Grabkapelle im Schloss Sonderburg

Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg

Die deutsch-dänische Geschichte des Herzogtums Augustenburg ist auf den Särgen festgehalten.