Neckbriefe

Gækkebrev: Alte dänische Ostertradition mit deutschen Wurzeln

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Der „Gækkebrev“ ist bei Kindern beliebt.

Seit dem 19. Jahrhundert verschickt man die Scherenschnitte, bei denen man den Absender erraten soll. Der aus Deutschland stammende Bindebrief war Vorläufer des Brauchs.

In den Ostertagen kann es leicht passieren, dass ein anonymer Brief bei einem eintrudelt. Das gilt insbesondere, wenn man Kinder im Verwandten- oder Bekanntenkreis hat.

Der Brief enthält einen Scherenschnitt, auf dem ein kleiner Reim steht. Der Name der Absenderin oder des Absenders ist mit Punkten geschrieben. Oft liegt auch ein gepresstes Schneeglöckchen darin. Man hat einen „Gækkebrev“ empfangen. Wer den Namen nicht errät, schuldet demjenigen ein Osterei – und zwar für jeden falschen Namen, auf den man tippt.

Eine neckende Nachricht

Laut „Danmarks Nationallexikon“ gibt es diese Ostertradition ausschließlich in Dänemark. Der Ausdruck „Gækkebrev“ leitet sich aus zweierlei ab. Zum einen aus dem dänischen Wort für Schneeglöckchen, Vintergæk. Zum anderen von „at drive gæk med“, zu necken.

Letztere Bedeutung finden wir auch in dem älteren deutschen Wort Geck, dem Narren. Und genau ein solcher „gæk“ ist man, wenn man falsch rät und sich nicht mit einem Osterei freikauft.

Die ältesten noch bewahrten dieser Neckbriefe stammen vom Ende des 18. Jahrhunderts. Im darauffolgenden Jahrhundert verbreitet sich der Brauch. Heute wird er vornehmlich in Kindergärten und den Unterstufen der Schulen gepflegt.

Der Bindebrief als Vorläufer

Beim deutschen Vorläufer des „Gækkebrev“ war das anders. Er wurde unter Erwachsenen ausgetauscht, und es ging laut Lexikon um wesentlich mehr als ein Osterei. Der Bindebrief stammt aus Deutschland, breitete sich in ganz Europa aus und kam im 17. Jahrhundert nach Dänemark.

Diese verzierten Briefe enthielten ebenfalls ein Rätsel in Gedichtform. Außerdem darin: ein Knoten aus geflochtenen Haaren, den man aufbinden musste. Konnte man den Namen nicht erraten, musste man eine Feier geben – man war daran gebunden.

Den Bindebrief erhielt man typisch an seinem Namenstag. Er wurde mit romantischen Absichten verschickt und war insofern mit den britischen Valentinskarten verwandt. Auch die „Gækkebrev“ hatten zunächst flirtenden Charakter und haben sich erst seither zu einem Spiel für Kinder entwickelt.