Grenzüberschreitendes

Flensburg will mehr Straßen nach Frauen oder queeren Personen benennen

Veröffentlicht Geändert
Marie Sprute
Die Gleichstellungsbeauftragte Marie Sprute (Mitte) vor dem „Deine-Omi-Weg“ am Peelwatt in Flensburg.

Flensburg sucht bedeutsame Frauen und queere Persönlichkeiten aus der deutsch-dänischen Grenzregion, um neue Straßen nach ihnen zu benennen. Vorschläge können noch bis zum 7. März eingereicht werden.

Renate-Delfs-Straße, Franciska-Claussen-Weg oder Camma-Larsen-Ledet-Straße sind nur drei Beispiele, wie die zukünftige Zufahrtsstraße zum neuen Zentralklinikum am Peelwatt im Flensburger Süden heißen könnte. Die Stadt sucht nämlich einen Namen für die neue Zuwegung und will auch sonst künftig mehr Straßen und Plätze nach historisch bedeutsamen Frauen oder queeren Personen aus dem deutsch-dänischen Grenzland benennen, „um die gesellschaftliche Vielfalt abzubilden und zur Geschlechtergerechtigkeit beizutragen“.

Der Grund: In der Fördestadt sind bislang nur etwa sechs Prozent der Straßennamen nach Frauen benannt – und ganze 27 Prozent nach Männern. Daher suchen die Verantwortlichen nun Hilfe bei der Identifikation weiblicher oder queerer historischer Persönlichkeiten.

Berühmte Persönlichkeiten aus dem Grenzland

Die Namen der Flensburger Straßen und Plätze spiegeln nicht die gesellschaftliche Realität und Diversität wider.

Stadt Flensburg

Bei den oben genannten Vorschlägen handelt es sich um historische Persönlichkeiten von beiden Seiten der Grenze. Renate Delfs (1925–2018) war Ehrenbürgerin der Stadt Flensburg, Schauspielerin und Schriftstellerin, die sich Zeit ihres Lebens für den Erhalt der plattdeutschen Sprache, insbesondere des Petuh in Flensburg einsetzte.

Die deutsch-dänische Malerin Franciska Claussen (geboren 1899 in Apenrade und ebenda 1986 gestorben) gehörte zu den wenigen Däninnen und Dänen, die in den 1920er-Jahren eine anerkannte Rolle in der internationalen Avantgarde in Paris erlangten. Nach ihrem Tod hinterließ sie 2.500 Werke.

Camma Larsen-Ledet (1915–1991) war von 1970 bis 1986 die erste Bürgermeisterin von Apenrade. In der Stadt ist heute ein Weg nach ihr benannt. Als Sozialdemokratin wurde sie 1966 Ministerin für familiäre Angelegenheiten und blieb dies bis 1968.

Mehr Diversität widerspiegeln

„Die Namen der Flensburger Straßen und Plätze spiegeln nicht die gesellschaftliche Realität und Diversität wider. Zudem kann die Benennung von Straßen und Plätzen nach Frauen und queeren Personen historische Persönlichkeiten sichtbar machen, die aufgrund einer männlich geprägten Geschichtserzählung häufig weniger bekannt sind“, heißt es in der Begründung.

Straßen, Wege und Plätze sollen künftig in einem Verhältnis von drei Benennungen nach weiblichen bzw. queeren Persönlichkeiten zu einer Benennung nach einer männlichen Persönlichkeit geschehen.

Vorschläge bis zum 7. März einreichen

Helfen soll dabei die Umfrage „Berühmte Omi?“. Die Stadt ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf, am Prozess mitzuwirken und Vorschläge einzureichen. Dies kann bis zum 7. März unter www.flensburg-mitmachen.de geschehen. Einzige Richtlinie: Da generell keine noch lebenden Personen auf diese Weise geehrt werden, sollte die vorgeschlagene Person bereits seit mindestens fünf Jahren verstorben sein.

Alle eingereichten Vorschläge werden gesammelt und geprüft. Anschließend werden sie zur freien Wahl veröffentlicht und – so hofft die Stadt – ein Name für die Zufahrt zum neuen Krankenhaus gefunden.

Die weiteren Vorschläge werden in Abstimmung zwischen dem Stadtarchiv und dem Gleichstellungsbüro in eine Liste bisher nicht berücksichtigter Vorschläge der Stadt- und Landschaftsplanung fließen und bilden die Grundlage für zukünftige Straßenbenennungen.