Tag der offenen Tür

Deutsche Minderheit im Kieler Landtag: Großes Interesse und Wissenslücken

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Reger Andrang am Stand der deutschen Minderheit beim Tag der offenen Tür im Landeshaus in Kiel.
Reger Andrang am Stand der deutschen Minderheit beim Tag der offenen Tür im Landeshaus in Kiel

Tag der offenen Tür im Kieler Landtag: Was wissen die Menschen in Schleswig-Holstein über Nordschleswig? Jetzt mehr als vorher, sagt die BDN-Kommunikationskonsulentin Sally Flindt-Hansen, denn: „Deutsche Minderheit, dänische Minderheit, Nordschleswig, Südschleswig, das sorgt schon für Verwirrung.”

25.000 Menschen besuchten am Sonntag den Tag der offenen Tür im Landtag in Kiel. Mit dabei war auf Einladung des Landtags auch die deutsche Minderheit mit einem Infostand. Das berichtet Sally Flindt-Hansen, Kommunikationskonsulentin beim Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN), unserer Redaktion. Begleitet wurde sie von der BDN-Bezirksvorsitzenden aus Tondern, Marie Medow.

Überrascht über großes Interesse

Der Tag habe sich angesichts der vielen Besucherinnen und Besucher recht „wild“ angefühlt, sagt Flindt-Hansen. „Unser Infostand war von Anfang bis Ende gut besucht.“ Die Leute hätten vor dem Landeshaus Schlange gestanden und teilweise über eine Stunde warten müssen. „Ich war überrascht, dass die Leute wirklich Lust haben, sonst würde man nicht so lange warten.“

Am Stand der deutschen Minderheit war das Interesse dementsprechend groß. „Schon nach zwei Stunden waren die Quizzettel aufgebraucht – und da lagen noch sechs Stunden vor uns. Zum Glück konnte ich einen Mitarbeitenden im Landtag dazu überreden, mir noch 100 Quizzettel zu drucken“, sagt Flindt-Hansen.

Für die Quizze, die sich jeweils an Kinder und Erwachsene richteten, war es notwendig, im Material zu lesen, das am Infostand auslag, oder mit den beiden BDN-Frauen zu sprechen. Im Schnitt wurde alle zwei Minuten ein Quizzettel ausgefüllt, hat Flindt-Hansen errechnet.

Marie Medow klärte gemeinsam mit Sally Flindt-Hansen über die deutsche Minderheit auf.
Marie Medow klärte gemeinsam mit Sally Flindt Hansen Besuchende über die deutsche Minderheit auf.

Fehlendes Wissen als Motivation

Eine Erkenntnis des Tages war, dass die Leute relativ wenig über die deutsche Minderheit wissen. „Deutsche Minderheit, dänische Minderheit, Nordschleswig, Südschleswig, das sorgt schon für Verwirrung.“ Die dänische Minderheit sei viel präsenter bei den Leuten, sagt die BDN-Kommunikationskonsulentin.

Dass das Wissen über die deutsche Minderheit so gering ist, stört die Kommunikationsexpertin nicht. „Für mich ist es eher motivierend, weiterzumachen.“

Ich bin mit dem Gefühl nach Hause gegangen, dass jeder schlauer vom Stand weggegangen ist.

Sally Flindt-Hansen

Das Ziel der beiden BDN-Frauen daher: aufklären! „Wir haben jeden begrüßt mit ,Hallo, wir sind die deutsche Minderheit in Dänemark', und trotzdem hätten viele dann bei der ersten Frage, wo die deutsche Minderheit in Nordschleswig beheimatet ist, Deutschland angekreuzt.“

Die Besucherinnen und Besucher seien dann gebeten worden, noch einmal kurz nachzudenken, sagt Flindt-Hansen. Bei vielen habe es dann Klick gemacht. „Es war interessant, die Menschen in ein Gespräch zu verwickeln, und mit jedem Quiz ergab sich dann auch ein Dialog“, sagt sie. „Das ist Vermittlungsarbeit, wie sie sein soll. Ich bin mit dem Gefühl nach Hause gegangen, dass jeder schlauer vom Stand weggegangen ist.“

Großes Interesse, zu wenig Material

Geärgert hat Sally Flindt-Hansen lediglich, dass am Ende das Infomaterial ausging. „Normalerweise schleppe ich viel Material zu solchen Veranstaltungen mit und nehme das meiste wieder mit zurück. Gestern konnten wir für den Aufbau nicht im Landtag parken, sondern mussten eine Strecke mit allen Sachen zu Fuß gehen, Treppen hoch und runter. Deshalb wollte ich vernünftig packen und nicht zu viel mitnehmen. Leider sah unser Stand in den letzten zwei Stunden deshalb sehr traurig aus. Wir hatten nichts mehr.“

Am Quiz konnten Interessierte via QR-Code trotzdem teilnehmen, und das Hintergrundwissen fand sich glücklicherweise noch auf den Roll-ups. „Jetzt weiß ich fürs nächste Mal, dass die Besucherinnen und Besucher beim Tag der offenen Tür im Landtag gerne Material mitnehmen.“

Ruhe vor dem Sturm am Infostand von Sally Flindt-Hansen (rechts) und Marie Medow
Ruhe vor dem Sturm am Infostand von Sally Flindt Hansen (rechts) und Marie Medow.

Am Ende war es ein langer Tag. Von 10 bis 18 Uhr waren die Türen geöffnet, vorher musste noch auf- und danach abgebaut werden. Spaß gemacht habe es trotzdem. „Ich hoffe, dass wir nächstes Mal wieder teilnehmen können“, so Flindt-Hansen. Der Tag der offenen Tür wird einmal pro Wahlperiode angeboten – also frühestens wieder 2028. Letztmals fand die Veranstaltung 2019 statt. Damals kamen 20.000 Menschen.