Begräbniskultur

„Bei deutschen Trauerfeiern gibt es mehr Blumen“ – Henrik Lentz Skøtt über 30 Jahre Bestattungen

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Henrik Lentz Skøtt

Der Tod macht keine Unterschiede – und doch wird er in Dänemark und Deutschland unterschiedlich begangen. Seit 30 Jahren begleitet das Rothenkruger Bestattungsunternehmen „Skøtts Begravelsesforretning” Trauernde, auch viele aus der deutschen Minderheit. Im Gespräch berichtet Bestatter Henrik Lentz Skøtt von kulturellen Unterschieden, neuen Bestattungstrends und von Beisetzungen, die in Dänemark bislang unmöglich waren.

„Ja, es gibt Unterschiede bei den Bestattungen“, sagt Henrik Lentz Skøtt. Seit fünf Jahren führt er das Beerdigungsunternehmen, das seine Eltern am 1. September vor inzwischen 30 Jahren gegründet haben. Das Jubiläum wurde im kleinen Rahmen begangen.

Unterschiede bei der Sargwahl

Skøtt hat in dieser Zeit viele Menschen beerdigt – sowohl aus der deutschen Minderheit als auch aus Deutschland Zugezogene. „Bei den Trauerfeiern, die mehr deutsch geprägt sind, gibt es viel mehr Blumenschmuck als bei einer dänisch geprägten. Die Gäste bringen bei den deutsch geprägten Trauerfeiern meist auch noch Blumen zur Trauerfeier mit“, berichtet er. Unterschiede gibt es auch bei der Wahl des Sarges: „Während die Dänen einen einfachen weißen Sarg bevorzugen, wählen Deutsche eher einen Holzsarg, oft Kiefer oder Eiche“, so seine Erfahrung. Dänen mögen es schlichter, stellt er fest.

Ein weiterer Unterschied fällt ihm ebenfalls auf: „Bei einer dänischen Beerdigung gibt es immer einen Kirchensänger, das gibt es bei einer deutschen nicht.“

Henrik Lentz Skøtt

Keine Urne in der Kirche – noch nicht

Einen Wunsch seiner deutschen Kundinnen und Kunden kann er allerdings derzeit noch nicht erfüllen: die kirchliche Trauerfeier mit der Urne, die direkt von der Kirche aus beigesetzt wird. „Das lässt die dänische Kirche noch nicht zu. Die Trauerfeier findet in der Kirche statt – mit dem Sarg, der danach eingeäschert wird. Dann wird die Urne bei einer weiteren Trauerfeier im kleinen Familienkreis beigesetzt“, erklärt er. In Deutschland sei es hingegen möglich, die Urne von der Kirche aus beizusetzen.

Digitalisierung auch bei den Bestatterinnen und Bestattern

In den vergangenen Jahren hat sich der Bestattungssektor ohnehin stark gewandelt. „Durch die Digitalisierung sind administrative Aufgaben sehr vereinfacht worden. Mein Vater musste die Sterbeurkunden noch persönlich abholen. Heute ist alles auf den digitalen Plattformen zugänglich“, sagt Skøtt.

Das habe auch den Markt verändert. „Die Konkurrenz ist größer geworden, denn Beerdigungen können durch die Digitalisierung von jedem Punkt in Dänemark aus durchgeführt werden.“ Darunter leide der lokale Charakter. „Wir haben uns in den vergangenen Jahrzehnten einen guten Ruf aufgebaut. Man kennt uns – und in einer schweren Situation, wie sie der Tod nun mal mitbringt, ist es gut, wenn man denjenigen kennt“, ist Henrik Lentz Skøtt überzeugt.

Kosten laufen beim Bestattungsunternehmen zusammen

Auch zum Thema Kosten nimmt er Stellung. „Sarg oder Urne, Blumenschmuck, Annonce, Krematorium, Kirche, administrative Arbeit – von dem, was wir verlangen, geht ja vieles in andere Hände. Alles kostet“, erklärt er. Selbst das Fahrzeug für die letzte Fahrt falle ins Gewicht: „Spezialanfertigungen“, sagt er. Preis: rund 1,5 Millionen Kronen. „Und auch das muss von Zeit zu Zeit erneuert werden.“

Waldfriedhof: Es gibt bald neue Möglichkeiten

Wer eine Beisetzung auf einem Waldfriedhof wünscht, muss derzeit noch längere Wege auf sich nehmen. Der nächste liegt in Vejle. „Es sind jedoch neue geplant“, weiß Skøtt. Schon bald werde es auch nahe Hadersleben (Haderslev) am Kelstruper Kliff sowie zwischen Hostrupholz (Hostrupskov) und Warnitz (Varnæs) möglich sein, sich in der freien Natur beerdigen zu lassen.

Guter Rat

Zum Schluss gibt Henrik Lentz Skøtt noch einen Rat: „Es ist gut, für den Fall vorbereitet zu sein. Auf der Internetseite ,minsidstevilje.nu' kann man ganz einfach und kostenlos seine Wünsche für die Zeit nach dem Tod sammeln. Bestatter helfen auf Wunsch auch dabei.“ Wichtig sei allerdings: „Es ist jedoch kein Testament, was dort abgelegt werde.“