Mensch & Umwelt

Bäume können Städte retten – wenn man sie lässt

Veröffentlicht Geändert
Ingenieur Christian Mattle erläutert den Exkursionsteilnehmenden, wie Stadtbäume in Hadersleben gepflanzt wurden und nun werden.

Klimawandel – die Temperaturen steigen, auch in den Städten. Bäume können helfen, die Stadt zu kühlen. Aber: Versorgungsleitungen, verdichteter Boden, Streusalz und Trockenheit – das Leben eines Stadtbaums ist kein leichtes. Wie hilft man ihnen? Eine Exkursion durch Hadersleben zeigte mögliche Antworten.

Ein Baum hat es in der Stadt nicht leicht. Er muss schon aus hartem Holz geschnitzt sein. Das Erdreich um ihn herum ist mager, die städtische Infrastruktur versperrt den Wurzeln den Weg, der Boden ist komprimiert und dann noch das Salz, das der Winterdienst streut. Hinzu kommen noch Dürreperioden mit Wassermangel.

Da kann es schon sein, dass der ein oder andere Baum aufgibt. Doch eine Stadt ohne Grün als reine Steinwüste wird in Zeiten der Klimaerwärmung und Starkregenereignissen für den Menschen zunehmend lebensfeindlicher. „Bäume lassen uns weniger zum Arzt gehen“, sagt Christian Mattle, Ingenieur und Unternehmer, der Städte mit Know-how begrünt.

Rundtour mit Poseidon-Partnern

Warum da ein bisschen was dran ist, wird auf einer Exkursion durch die Haderslebener Innenstadt deutlich. Eingeladen hatte das deutsch-dänische Interreg-Projekt Poseidon. Das Projekt will Lösungen für den Klimawandel testen und hat viele Netzwerkpartner. Das Thema des Tages lautete: Bäume als Teil des Regenwassermanagements. Dabei ging es vor allem auch um die Frage: Was braucht ein Stadtbaum, damit er wächst und nicht eingeht?

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, vor allem von Kommunen aus Deutschland und Dänemark, ließen sich von Christian Mattle durch Hadersleben führen. Der Wald- und Landschaftsingenieur zeigte an ausgewählten Plätzen, wie Bäume in der Stadt nach neuesten Gesichtspunkten gepflanzt werden. Denn Loch graben, Baum pflanzen, Loch wieder zu – damit ist es nicht getan.

Wie es Stadtbäumen besser geht

„Bäume haben in den Städten Probleme“, so Agnes Sachse, Forscherin am Institut für Angewandte Geowissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Ziel des Projektes sei es, Wissen zu verbreiten, beispielsweise wie man diesen Stadtbäumen helfen kann. Eine Flensburger Teilnehmerin unterstreicht bei der Begrüßung: „Stadtbäume sind ein großes Thema.“

Und wie lässt sich denn nun einem Baum unter die Wurzeln greifen? Auf dem Parkplatz an der Gåskærgade am alten Rathaus stellt Christian Mattle eine Art Gerüst vor. Das liegt neben der mittig gelegenen Kirschbaumallee im Boden vergraben und soll den Boden davor bewahren, zu stark komprimiert zu werden. „Die Wurzeln brauchen Luft zum Atmen“, sagt Mattle. Ein Baum produziert nicht nur Sauerstoff, er benötigt ihn auch, vor allem die Wurzeln.

Was der Baum auch braucht, ist genug guter Boden, in den er seine Wurzeln schlagen kann. „Kleine Wurzeln machen kleine Bäume“, fasst Mattle zusammen, der auf die Kirschbäume zeigt. „Es war unser erstes Projekt, die Bäume bräuchten mehr Boden.“ Deren Wachstum ist somit begrenzt. Doch um das Erdreich wird aber gerungen: „Jeder will Platz haben, für Leitungen und Kabel, irgendwie muss man da zu einem Kompromiss kommen, da müssen viele Behörden zusammenarbeiten.“ Es nicken einige im Kreis der Teilnehmenden. Offenbar nicht immer einfach.

Neue Abwassersysteme kosten mehr

Nina Lewandowski ist für die Gemeinde Altenholz tätig und kümmert sich unter anderem um die Grünflächen. So eine Praxistour, findet sie, ist eine gute Idee. Sie sieht Probleme in ehemaligen Neubaugebieten, wo es den Bäumen nicht gut geht. Dabei können Bäume Geld sparen. „Es ist viel günstiger, Bäume zu pflanzen, als die Regenwasserabläufe zu vergrößern. Das kostet viel mehr“, sagt sie mit Blick auf drohende Starkregenereignisse. „Die jetzigen werden nicht reichen.“

Christian Hagge beschäftigt sich als Landschaftsarchitekt im Dienste der Stadt Flensburg schon viele Jahre mit dem Thema, hört aber gern Neues zum Thema, gern praxisnah. Auch in Deutschland wird an dem Thema Stadtbäume und Klimaerwärmung gearbeitet. Er verweist auf die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz, die unter anderem Listen mit Bäumen zusammenstellt, die sich als Stadtbäume eignen. Vor allem die kühlende Wirkung der Stadtbäume ist für ihn eine wichtige Eigenschaft, nun, wo es immer wärmer wird. Diese kühlende Wirkung wirkt sich auf die Menschen aus – weniger Hitzetote wären zu beklagen, wenn die Stadt von morgen mehr Bäumen Raum gibt, wie Forschende in einer Studie 2023 berechneten.

Es geht um eine Änderung der Denkweise, aber es lohnt sich.

Christian Mattle, Ingenieur und Unternehmer

Bäume kühlen

Bäume spenden Schatten, und die Verdunstung von Wasser, das von den Wurzeln in die Blätter transportiert wird, kühlt die Umgebung. 12 Grad Celsius weniger können es laut einer Studie sein, die in der Fachzeitung „New Scientist“ erschien. Es macht jedoch einen großen Unterschied, ob die Bäume und Pflanzen Zugang zu Wasser haben, wie Lene Jæger Klausen vom Unternehmen Mattle erklärt. Ein Baum mit Zugang zu Wasser wird ständig frisches Wasser in seine Krone und seine Blätter saugen, wo es verdunstet, während der andere Baum ohne Zugang zu Wasser seine Zellen schließen wird, um das Wasser so gut wie möglich zu sparen. „Der Baum mit Zugang zum Wasser wird eine kühlende Wirkung haben“, so Lene Jæger Klausen. Stadtbäume werden immer wichtiger, geht es ihnen gut, geht es den Menschen in der Stadt auch gut. Christian Mattle fasst es so zusammen: „Es geht um eine Änderung der Denkweise, aber es lohnt sich.“