Deutsche Minderheit

60 Jahre: Rolf Webers Leben zwischen IT und Vereinsleben

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Rolf Christian Weber wohnt mit seiner Frau Ursula am Sonderburger Lysvang.

Kurz vor seinem 60. Geburtstag verrät der Sonderburger Rolf Christian Weber, was ihm Hardrock, Kirche und Reisen bedeuten.

Für Rolf Christian Weber bleibt Sonderburg, wo er mit Mutter Hildegard, Vater Paul Willi, den drei Geschwistern Gisela, Renate, Kai-Uwe und guten Freunden aufwuchs, der feste Mittelpunkt seines Lebens.

Er ist ein waschechter Sonderburger Junge, der in Kürze einen runden Geburtstag feiern kann. Am Mittwoch, 18. Dezember, wird der langjährige IT-Systembetreuer von Danfoss in Norburg (Nordborg) 60 Jahre alt.

In die Minderheit hineingeboren

Rolf Christian besuchte die Deutsche Schule Sonderburg und machte 1984 sein Abitur am Deutschen Gymnasium Nordschleswig in Apenrade (Aabenraa). Der Nordschleswiger war ein begeisterter Handballer und schon von Kind auf Mitglied in der Turnerschaft Sonderburg (TS) in verschiedenen Funktionen. So war er auch viele Jahre lang Vorsitzender bei der TS.

Er war schon immer mit Herz ein Teil der deutschen Minderheit. „Das hat bei mir einfach immer dazu gehört“, meint er, während er bei einer Tasse Kaffee und Kleingebäck in seiner gemütlichen Stube im Eigenheim am Sonderburger Lysvang sitzt.

Sein Interesse für die Informationstechnologie begann mit einem EDV-Kurs an der Sonderburger Jugendschule. Nach dem Abitur ging es für Rolf Weber erst zum Militärdienst in den Fliegerhorst Skrydstrup. Dort ließ er sich in der Luftverteidigung ausbilden.

Rolf und Ursula Weber lesen gern. Er vertieft sich in ein Informationsheft der Modellflieger, Ursula liest David Safiers „Miss Merkel - Mord in der Uckermark".

Ich habe schon immer den Kontakt zu vielen Menschen geliebt. Hier allein in der Stube sitzen, das ist überhaupt nicht mein Ding.

Rolf Weber

Dann zog es ihn nach Fünen (Fyn). Rolf wollte nicht wie sein Vater Fotograf werden und den Sonderburger Laden in der Perlegade übernehmen. Der junge Mann zog für ein Jahr nach Odense, um sich dort als Datenspezialist auszubilden.

Zurück nach Sonderburg

Wo andere die Großstadtluft nicht mehr missen wollen, ging es für Rolf Weber nach der Schule auf Fünen wieder zurück nach Sonderburg. Der Technologe wurde bei dem Sonderburger Unternehmen seines früheren Schulkameraden Boris Henriksens „Computer Access" angestellt.

Anschließend fand er bei Danfoss als IT-Systembetreuer seinen Platz. „Ich habe schon immer den Kontakt zu vielen Menschen geliebt. Hier allein in der Stube sitzen, das ist überhaupt nicht mein Ding“, meint er lächelnd. Im März 2017 konnte er auf Nordalsen (Nordals) sein 25. Jubiläum bei Danfoss feiern.

Bei einer Party im Internat in Apenrade: Rolf Weber als Punker mit gefärbten Haaren und coolen Klamotten.

Fliegen gehört dazu

Für die Familie Weber aus Sonderburg hat das Fliegen schon immer dazu gehört. Vater Paul Wilhelm – immer nur Paul Willi genannt – fuhr nach Flensburg zum Flugplatz, um sich dort in einem Segelflugzeug hochziehen zu lassen. Ihren Vater durften die Kinder ab und an bei seinen motorlosen Ausflügen in die höheren Luftlagen über Flensburg begleiten.

Rolf Weber hat die Freude am Fliegen jedoch etwas anders umgesetzt. Seit den Achtzigerjahren ist er ein begeisterter Modellflieger und Mitglied des „Sønderborg Modelflyveklub“. Sein erstes Flugzeug war ein „Instructor“, ein Hochdecker mit Verbrennungsmotor. Er hatte in den vergangenen Jahrzehnten 25 bis 30 Flugzeuge, die er mit seiner Fernbedienung vom Boden aus abheben und anschließend wieder sanft landen ließ.

Seit einigen Jahren musste Rolf Weber sein Hobby aber aus Zeitgründen ruhen lassen. „Aber das will ich wieder vermehrt machen“, meint er. Er spielt immer noch Handball und ist auch Schiedsrichter.

Rolf Christian Weber mit einem seiner Modellflieger

Hardrock und Konzerte

Wer sich in Rolf und Ursula Webers Stube umschaut, der wird in einem Regal eine weitere Passion entdecken: Dort stehen in mehreren Abteilungen viele Schallplatten.

„Ich mag Musik und war auch bei diversen Konzerten. Ich stehe auf Hardrock. Ich habe unter anderem die erste LP von D-A-D, als sie noch Disneyland After Dark hießen. So durften sie sich ja später nicht mehr nennen“, so das Geburtstagskind stolz.

Der vor Kurzem in die Perlegade gezogene Laden „Music Dude“ mit gebrauchten Platten hat er noch nicht besucht. „Das würde bestimmt ziemlich teuer werden“, gibt er zu. Er hat viele Schallplatten, aber über eine LP aus den Achtzigern würde sich Rolf Weber immer freuen, muss er zugeben.

Rolf Weber mit einer seiner Lieblingsplatten von der Gruppe „Rainbow", die 1977 veröffentlicht wurde.

Quer durch Amerika

Er und seine Frau Ursula – auch sie ist eine „Vollblut“-Sonderburgerin – gaben sich 2003 das Ja-Wort. Ihre Hochzeitsreise war ein zweiwöchiger Trip quer durch Amerika – von New York, über Washington zu den Niagara-Fällen und von San Francisco nach Las Vegas. Das war eine der ganz großen Erlebnisse des bald 60-Jährigen. Ein gutes Erlebnis war auch ein Aufenthalt in Barcelona. „Da würde ich gern wieder hin“, so Rolf Weber.

Im kommenden Jahr steht ein Flug nach Malta auf dem Programm. Dort besucht das Ehepaar Weber den Neffen Ferres, der dort lebt.

Ein Hochzeitsfoto von Ursula und Rolf Weber

Was wünscht er sich?

Rolf Weber hat sich schon immer in der deutschen Volksgruppe engagiert und er freut sich, dass das einst angespannte Verhältnis zwischen Volksgruppe und dänischer Mehrheit sich in den Jahren grundlegend zum Besseren verändert hat.

In der Marienkirche sitzt er schon seit rund 16 Jahren im Gemeinderatsvorstand. Für ihn ist die Kirche auch Überzeugung: „Ich gehe nicht jede Woche in die Kirche. Aber immer, wenn es bei mir in den Kalender passt", meint er.

Was wünscht sich ein Mann wie Rolf Weber? Bei dieser Frage muss das Geburtstagskind erst einmal nachdenken. „Eigentlich hat man ja alles, was man sich wünschen kann“, meint er und überlegt. Ein Wunsch fällt ihm dann aber doch noch ein: „Vielleicht einen Anhänger für das Auto. Mal sehen.“

Rolf Christian Weber als kleiner Junge bei der Einschulung