Deutsches Gymnasium

Von der Insel nach Nordschleswig: Johannes Müller ist einer von vielen Amrumern am DGN

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Johannes Müller einer von zwölf Amrumerinnen und Amrumern, die das Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig machen möchten.

Das Internat des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig beherbergt seit Jahren verhältnismäßig viele Schülerinnen und Schüler von Amrum. Der 18-jährige Johannes Müller erklärt, warum das DGN für die Insulanerinnen und Insulaner eine beliebte Adresse ist.

„Wir haben ja nicht so viele Optionen“, sagt Johannes Müller. Der 18-Jährige stammt von der Nordseeinsel Amrum und lebt im Internat am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN). Er ist einer von aktuell zwölf Schülerinnen und Schülern, die von der Insel kommen, um hier ihr Abitur zu machen.

„Auf Amrum gibt es keine Oberstufe. Wer Abi machen möchte, muss nach Föhr, aufs Festland oder kommt hier nach Apenrade“, erklärt der Insulaner. Er ist gut vernetzt mit den anderen Jugendlichen seiner Insel – „so viele sind wir ja nicht.“ In seinem Jahrgang habe es 14 Schülerinnen und Schüler gegeben, die mit ihm die 10. Klasse beendet haben. „Jetzt hier am DGN sind wir nur zwei Amrumer in der 2G, aber in den anderen Jahrgängen, also der 3G und 1G, sind es mehr.“

Das Phänomen ist nicht neu, weiß Internatsleiterin Nadja Grau. Auf Nachfrage teilte sie bereits im Herbst mit: „Im Laufe der Jahre haben wir eine beachtliche Anzahl an Amrumern bis zum Abitur begleitet.“ Da viele von den Insulanerinnen und Insulanern nach der 10. Klasse erst 16 Jahre alt sind, bevorzugen sie und ihre Eltern oft einen Ort, an dem sie ein wenig Unterstützung und Betreuung erhalten. Grau unterstreicht auch den guten Ruf des DGN: „Aber der Hauptgrund, warum viele Amrumer sich für unsere Schule entscheiden, sind die positiven Geschichten derjenigen, die bei uns ihr Abitur gemacht haben.“

Nadja Grau ist die Leiterin des Internats für die Schülerinnen und Schüler am DGN.

Auch Johannes hatte Erwartungen an seine Zeit am DGN, die aus Erzählungen älterer Abiturientinnen und Abiturienten resultierten: „Viel Party, aber auch eine gute Schule“, das sei es, was er über die Abi-Zeit an dem Minderheiten-Gymnasium gehört hatte. Im Internat selbst gebe es im Schnitt alle zwei Wochen eine Party, „und dann gibt es ja noch die in den Wohnungen.“

Denn „die Internatsschülerinnen und -schüler“, das sind nicht nur diejenigen, die in dem Wohnheim untergebracht sind. Weil die Nachfrage größer ist, als das Internat Plätze hat, werden Wohnungen angemietet. Laut Nadja Grau leben derzeit 37 Jugendliche beziehungsweise junge Erwachsene in angemieteten Wohnungen und 48 im Internat.

Hier im Aufenthaltsraum des Internats finden regelmäßig Partys statt. „Meistens donnerstags“, erzählt Johannes Müller.

Ein Leben wie auf einer Klassenfahrt

„Die neuen in der 1G, die kommen immer ins Internat, und ab der 2G kann man umziehen“, sagt Johannes. Er teilt sich ein Zimmer mit einem anderen Amrumer und fühlt sich wohl in Nordschleswig und dem Internat. „Es ist wie eine große Klassenfahrt“, beschreibt er das Lebensgefühl in seiner Abi-Zeit hier in Nordschleswig.

Die Beliebtheit des DGN auf Amrum entwickelte sich im Laufe der Zeit. „Das spricht sich einfach so rum. Auf Amrum kennt ja jeder jeden.“ Er selbst sei auch bereits von jüngeren Schülerinnen und Schülern oder ihren Eltern angesprochen worden und hat von seinem Leben in Dänemark erzählt.

Dass er als Nordfriese auch Teil einer anerkannten Minderheit ist, spielte für Johannes bislang keine Rolle. Aber durch seine Zeit hier in Nordschleswig sei ihm bewusst geworden, dass die Menschen in Nordfriesland und vor allem die Insulanerinnen und Insulaner eine eigene Kultur leben. „Wir haben eine andere Kultur als zum Beispiel jemand hier oder in Flensburg.“ Diese habe auch viel mit dem Inselleben und der Nordsee zu tun. Auf Amrum treffe man sich am Strand, und zu den gängigen Hobbys der Jugendlichen gehörten auch Sportarten wie das Kite- oder Windsurfen. „Ich selbst surfe nicht, aber manchmal vermisse ich das Inselleben schon. Es ist einfach anders.“

Als Minderheitler identifiziert sich Johannes Müller nicht. Aber in Nordschleswig ist ihm klar geworden, dass die Menschen auf den nordfriesischen Inseln ihre ganz eigene Kultur haben.

Nach dem Abitur möchte Johannes wieder zurück auf die Insel, Einzelhandelskaufmann werden und das Geschäft seines Vaters übernehmen. Bis es so weit ist, möchte er aber noch seine Abi-Zeit in Nordschleswig genießen.