Deutsche Minderheit

Sozialdienst: Hoffnung auf staatliche Mittel schwindet

Sozialdienst: Hoffnung auf staatliche Mittel schwindet

Sozialdienst: Hoffnung auf staatliche Mittel schwindet

Apenade/Tingleff
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Gösta Toft
Gösta Toft Foto: Cornelius von Tiedemann

350.000 Kronen wurden aus für Verbandschef Toft nicht nachvollziehbaren Gründen gestrichen. Jetzt sollen möglicherweise andere Töpfe angezapft werden. Denn ohne mehr Mittel sind die ambitionierten Ziele des Verbandes kaum zu erreichen.

„Unsere Finanzen gehören in der Regel eher zum Bereich Tiefpunkte. Trotzdem war es sehr erfreulich, dass unsere angespannte Finanzsituation beim Haushaltsseminar des BDN im vergangenen Jahr etwas entlastet werden konnte“, sagte Gösta Toft, Vorsitzender des Sozialdienstes, am Donnerstagabend auf der Generalversammlung des Verbandes.

Doch 350.000 Kronen fehlen dem Sozialdienst weiterhin. Geld aus dem Topf für ehrenamtliche Arbeit in Freiwilligenzentren („Frivilligcentre“). Es waren die einzigen staatlichen Mittel, die der Verband aus Kopenhagen erhalten hatte – und sie wurden, wie berichtet, mit der Begründung gestrichen, dass sich der Sozialdienst nicht genug an die Mehrheitsbevölkerung richte.

Behörde: Sozialdienst nicht offen genug

„So richtig Hoffnung haben wir nicht, sie schwindet immer mehr“, so Toft zum „Nordschleswiger“ auf die Frage, ob es nach vielen Gesprächen mit Kopenhagen inzwischen einen neuen Stand gebe. Und bei einem Regierungswechsel? „Man kann es nicht sagen, vielleicht legen die mehr Wert darauf, sich an Konventionen wie die Rahmenkonvention zum Schutz nationaler Minderheiten oder die Sprachenchartawie zu halten“, so Toft, der unterstreicht, dass weitergebohrt werde – selbst wenn die Hoffnung, je länger der Prozess dauert, immer geringer werde. Ein neuer Antrag sei jedenfalls bereits gestellt.

Die Begründung der Sozialbehörde, die seit 2012 jährlich geleisteten Zuwendungen ersatzlos zu streichen, sorgt bei Toft noch immer für Kopfschütteln. Das Argument, dass der Sozialdienst nicht offen genug sei, lasse er nicht gelten, sagt er. „Wer zu uns kommt, der wird auch betreut, aber man muss nach der ersten Betreuung dann Mitglied sein“, so Toft. Die dänischen Mitbürger wüssten, dass es den Sozialdienst gibt, dass er erreichbar sei. „Bei uns wird keiner ausgeschlossen“, sagt Toft.

Dass die Internetseite des Sozialdienstes nur auf Deutsch und nicht auch auf Dänisch gehalten ist, wie die Behörde kritisierte, sei allein fehlenden Ressourcen geschuldet. „Dann müssten wir die Internetseite ja eigentlich doppelt führen, und dafür haben wir nicht die Mittel“, erst recht nicht ohne die Zuwendungen aus Kopenhagen.

„Die Seite wird von Hans Martin Tästensen gepflegt, und der ist gleichzeitig Hausmeister im Haus Quickborn“, so Toft über die knappen finanziellen und personellen Ressourcen beim Sozialdienst. „Prinzipiell ist es für uns aber immer wichtig, dass wir unserer Umwelt gegenüber aufgeschlossen sind, und auch gerade beim Haus Quickborn zum Beispiel öffnen wir uns auch der Nachbarschaft gegenüber. Da haben wir jetzt als Mitglieder zwei dänische Einrichtungen mit drin.“

Die Strategievorschläge des Sozialdienstes:

  • Mehr (aktive) Mitglieder
  • Eine besondere Zielgruppe sind die 50- bis 70-Jährigen
  • Der Sozialdienst ist „nicht der Seniorendienst, sondern der Sozialdienst“ und will Kinder und junge Menschen, Familien und Ältere ansprechen
  • Der Sozialdienst soll sichtbar(er) sein
  • Die Digitalisierung und die sozialen Medien sollen besser genutzt werden
  • Mehr Zusammenarbeit

Toft: Offen für Veränderung

Die fehlenden Mittel aus Kopenhagen erschweren den Strategieprozess, dem sich der Sozialdienst verschrieben hat. Deshalb erwägt die Leitung auch, möglicherweise andere öffentliche Töpfe anzuzapfen. „Die Vereinbarung damals, die mündlich getroffen wurde, war, dass wir dann auf andere staatliche Zuschüsse verzichten. Das bleibt uns jetzt natürlich offen, wenn wir eine Ablehnung bekommen“, sagt Toft.

Mitgliedsbeiträge leicht erhöht

Eine Option wurde bereits gezogen. Die Mitgliedsbeiträge werden angehoben, das hat die Generalversammlung mit 70 Stimmberechtigten bei nur sechs Gegenstimmen am Donnerstagabend in der Deutschen Schule Tingleff entschieden. Statt 10 soll der Jahresbeitrag in Zukunft 15 Kronen pro Ortsvereins- und Institutionsmitglied betragen. Das bedeutet, dass die Ortsvereine und Institutionen ab 2020 statt 10 Kronen jährlich 15 Kronen pro Mitglied an den Sozialdienst weiterleiten sollen.

Nicht alle neuen Wege, die gegangen werden sollen, kosten allerdings Geld. Noch sind die konkreten Schritte nicht beschlossen, noch steht die Struktur wie bisher. „Ich bin auch etwas vorsichtig, denn wir haben ja ein gut funktionierendes System, das darauf aufbaut, dass die Eckpfeiler gut zusammenarbeiten. Man muss aufpassen, dass man das hohe Aktivitätsniveau, das wir haben, nicht verschlimmbessert. Aber wir sollten offen für Veränderung sein, den Mut haben, wenn wir uns einen Nutzen davon versprechen“, meint Toft.


Sozialdienst Nordschleswig

  • Der Sozialdienst Nordschleswig wurde 1948 als „Sozialer Frauendienst Nordschleswig“ gegründet
  • Heute ist er Dachverband aller Sozialdienste, Krankenpflege- und Frauenvereine der Minderheit
  • Sitz der Verwaltung ist das Haus Nordschleswig in Apenrade
  • Es gibt 15 Ortsvereine
  • Die Familienberatung hilft Mitgliedern in allen Lebenslagen und arbeitet mit Behörden und Gesundheitswesen zusammen
  • Das Haus Quickborn in Kollund ist die Stätte für Kurse, Erholungsurlaube und Zusammenkünfte aller Art
  • Der Sozialdienst hat nach Eigenangaben rund 4.600 Mitglieder
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