Kabarett Heimatmuseum

Früher war besser

Früher war besser

Früher war besser

Sankelmark
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Meister der Verwandlung: Helmuth Petersen Foto: Ute Levisen

Früher, als wir den Kaiser noch hatten – oder war es der König? – war alles besser. Das sagt sich ja immer so leicht. Dass dem tatsächlich so ist, zeigte das Heimatmuseum, die Kabarett-Truppe der deutschen Minderheit, zum Ausklang der Neujahrstagung in Sankelmark. Zu diesem Zwecke führt das Heimatmuseum prominente Zeitzeugen vor.

Es gibt ja Leute, die betteln um ihre Beulen – dann müssen sie sich über das blaue Wunder nicht wundern! Das Heimatmuseum, holte – leider nur alle zwei Jahre – zur Neujahrstagung der deutschen Minderheit wieder einmal zu einem ganz großen Rundumschlag in den Reihen der Volksgruppe aus.

Jeder bekommt sein Fett weg: Hier sind es Uwe Jessen und Harro Hallmann. Foto: Ute Levisen

Was will uns der Autor sagen?

Da trifft es jeden, der sich mehr – oder auch weniger – hervorgetan hat in den vergangenen beiden Jahren. Einen eifrigen Nordschleswiger-Leser, beispielsweise, der in Leserbriefen Pamphlete ohne Ende verfasst, deren Bedeutung sich niemandem erschließt. Nun, der Literaturbeauftragte des Heimatmuseums bringt Licht ins Dunkel – und die wenigen verbliebenen Leser des Nordschleswigers damit des Rätsels Lösung – endlich! – ein Stück näher.

Der Literaturexperte vom Heimatmuseum erklärt Leserbriefe aus Bülderup-Bov. Foto: Ute Levisen

Papierzeitung ade!

Dabei ist es mit der Zeitung – und somit den Leserbriefen, zumindest jenen auf Papier, ohnehin bald aus und vorbei: „Nordschleswiger ade!“, schmettert der museale Chor, und Dieter Søndergaard greift dazu gekonnt in die Gitarrensaiten und gibt für den Abgesang auf die (Papier-)Zeitung den Ton an.

Ein Abgesang auf die Papierzeitung Foto: Ute Levisen

„Früher war besser“, seufzt Helmuth, einer der letzten Zeitzeugen und tragenden Säulen der deutschen Volksgruppe, der die Truppe vor nunmehr 100 Jahren aus der Taufe gehoben hat. Und der sich an 1864 noch gut erinnern kann: „Mensch, das waren Zeiten, als wir noch den König hatten! Oder war es der Kaiser? Egal, schön war’s jedenfalls.“

Begründer der Minderheit und Zeitzeuge Helmuth im Gespräch mit der „dummen Göre“ Marion Foto: Ute Levisen

Völkischer Zusammenhalt

Seither ist es eigentlich nur bergab gegangen, mit der Volksgruppe. Nicht mal eine richtige Tracht hat sie! Dabei weiß doch jeder, dass so eine Tracht den völkischen Zusammenhalt stärkt.
„Und stramme Mädel, die gibt’s auch nicht mehr“, klagt der Volksgruppenbegründer: „Heute sehen die aus wie gepiercte Dönerrollen.“

Bezauberte das Publikum mit seiner Anmut: Helmuth Petersen Foto: Ute Levisen

Nur die Liebe zur deutschen Sprache – die währt ewig. Deutsch ist schon immer und überall überaus beliebt gewesen, was sich nur nicht überall hat herumsprechen – können. Macht nix: „Deutsch ist unsere Herzenssprache, darum müssen wir sie ja nicht sprechen können.“

Das Publikum hatte seinen Spaß. Foto: Ute Levisen

Schön saufen ist Pflicht

Dafür quatschen Frauen in einem fort. Nur gut, dass sie in der Minderheit wenig zu sagen haben! Bei 18 Prozent liegt der Frauenanteil bei den Funktionären in der Dachorganisation der Volksgruppe, Bund Deutscher Nordschleswiger. Passt schon.
Überhaupt ist die deutsche Volksgruppe im Laufe der Jahre gereift – mit einem Anteil von 80-Jährigen bei 70 Prozent. Da ruht die Hoffnung aller auf der nachwachsenden Generation, auf den Jungen SPitzen. Sind sie es doch, die Farbe in den Alltag der Volksgruppe bringen: Früher war sie braun, heute blau: „Schön saufen ist Pflicht – zum Wohle!“

Begeisterte als Heino: Dieter Søndergaard Foto: Ute Levisen

Uffe vom Fach

Zum Anstoßen gibt es übrigens guten Grund – die Bonmots und vielen guten Ideen des BDN-Kulturkonsulenten Uffe, zum Beispiel, wärmen immer wieder die Herzen der Kulturkommentar- Leser des Nordschleswigers. Butterfahrt statt Himmelfahrt! Lasst uns die kirchlichen Feiertage abschaffen, weiß ja eh keiner, was die bedeuten. Der Kulturkonsulent spricht da übrigens aus eigener Erfahrung – und der junge Mann vom BDN-Kulturfach ist schließlich in der Welt schon weit herumgekommen: von Buhrkall über Sonderburg bis Krusau. Wow!

Sorgt mit guten Ideen in seinen Kulturkommentaren für Furore: Kulturkonsulent Uffe Foto: Ute Levisen

Anderthalb Stunden unterhielt das Heimatmuseum sein Publikum am Sonnabendabend in der Akademie Sankelmark. Die meisten Zuschauer haben sich königlich-kaiserlich amüsiert. Wer nicht, mag sich damit trösten, dass früher eh alles besser war.

Das Heimatmuseum

Die Kabarett-Gruppe Heimatmuseum besteht aus Henriette Tvede Andersen, Marion Petersen, Karl Helmut Fahl, Dieter Søndergaard, Helmuth Petersen und Hauke Wattenberg. Erstmals wirkte Hannah Dobiaschowski, Gründerin der Theatergruppe „TheaterDrang“, als Regisseurin beim Heimatmuseum mit.
Weitere Auftritte des Heimatmuseums mit seinem aktuellen Programm „Von den Dänen lernen, heißt feiern lernen“ sind am 30. Januar ab 19 Uhr in der deutschen Zentralbücherei Apenrade geplant sowie am 7. Februar in Sonderburg und am 26. Februar in Tondern.

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