Deutsch-dänische Grenze

Wildschweinzaun: Die ersten Gitter sind im Boden

dodo
Pattburg
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Mitarbeiter der Firma „Ser Hegn“ haben mit der Errichtung des Wildschweinzauns begonnen. Foto: Paul Sehstedt

Der Bau des Wildschweinzauns an der deutsch-dänischen Grenze in Nordschleswig hat begonnen. Die dänischen Schweineproduzenten begrüßen die Maßnahme. Kritik kommt hingegen aus Schleswig-Holstein.

Am Montag hat die Errichtung des 70 Kilometer langen Wildschweinzauns an der deutsch-dänischen Grenze bei Pattburg begonnen. Die Arbeiten werden von der Firma „Ser Hegn“ durchgeführt, die für ihr Angebot von 30,4 Millionen Kronen bei der Ausschreibung Ende vergangenen Jahres den Zuschlag für das Projekt erhielt. Mit der Fertigstellung wird im Herbst gerechnet.

Aus Furcht vor der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest, hatte sich eine politische Mehrheit im Parlament im vergangenen Jahr dazu entschlossen, den Zaun aufstellen zu lassen, um zu verhindern, dass infizierte Wildschweine ins Land kommen.

Elf Milliarden Kronen Exportverluste befürchtet

Sollte die Krankheit in Dänemark ausbrechen, rechnet die Regierung mit Exportverlusten von bis zu elf Milliarden Kronen.

„Wir haben elf Milliarden gute Gründe, alles dafür zu tun, was wir können, um zu verhindern, dass die Afrikanische Schweinepest nach Dänemark kommt. Jetzt fangen wir endlich an, den Zaun zu errichten“, so Umwelt- und Lebensmittelminister Jakob Ellemann-Jensen (Venstre) in einer Mitteilung.

Mogens Dall, Vorsitzender der Bauernorganisation LandboSyd, meint, dass der Zaun eine von vielen Initiativen sei, die dafür sorgten, dass er und die übrigen Landwirte in Dänemark ruhiger schlafen können.

Der ersten Zaunteile sind aufgestellt. Foto: Frank Cilius/ Ritzau-Scanpix

Bauernorganisation freut sich

„Das ist eine Versicherungspolice gegen die Afrikanische Schweinepest. Du versicherst dein Haus ja auch gegen Brandschäden, obwohl es wahrscheinlich niemals zu einem Brand kommen wird“, sagt Dall zur Nachrichtenagentur Ritzau.

Er fürchtet: Ein Ausbruch in Dänemark würde den Ruin vieler Schweinebauern bedeuten und könnte bis zu 33.000 Bürgern, die in der Schweineproduktion arbeiten, den Job kosten.

Kritik aus Schleswig-Holstein

Kritik an dem Zaun kommt hingegen von Politikern südlich der Grenze. Der tierschutzpolitische Sprecher der SPD Fraktion Schleswig-Holstein, Stefan Weber, erklärt zum Baubeginn des Zaunes zwischen Deutschland und Dänemark in einer Pressemitteilung: „Dieser Vorgang ist als Symbolpolitik ohne Wirkung zu sehen. Der Zaun wird keinen Eber und auch keine Brache davon abhalten, von Deutschland nach Dänemark und zurückzukommen. Da der Zaun nicht durchgängig geschlossen ist und Wildschweine gut schwimmen können, werden sie Lücken in diesem Bauwerk nutzen können. Die Übertragung der ASP zwischen einzelnen Ländern wird außerdem überwiegend durch den Menschen verursacht.“

Neben Wirkungslosigkeit wirft Weber dem Zaun-Projekt zudem vor, ein falsches Signal nach außen zu senden und ein offenes Europa zu gefährden. „Will die dänische Regierung hier unter dem Vorwand, sich vor der Afrikanischen Schweinepest zu schützen, eine harte Grenze innerhalb Europas hochziehen? Ein Schelm, wer dabei etwas Böses denkt. Überall diskutieren wir in diesen Wochen über die Vorzüge eines offenen Europas und dem Abbau von grenzüberschreitenden Barrieren. Auch vor diesem Hintergrund ist die Errichtung dieses Zaunes zu kritisieren“, so der Politiker.

Auch sein Kollege Christopher Vogt, Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion, übt Kritik. „Ich finde es bedauerlich, dass die dänische Regierung diesen Grenzzaun tatsächlich baut. Das ist gerade so kurz vor der Europawahl ein weiteres schlechtes Signal für den europäischen Einigungsprozess, auch weil das Zusammenleben in der Grenzregion international als vorbildlich gilt“, heißt es in einer Mitteilung.

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