Geschichte

„Zeppelin Tønder“ wird kein Kriegsmuseum

„Zeppelin Tønder“ wird kein Kriegsmuseum

„Zeppelin Tønder“ wird kein Kriegsmuseum

Tondern/Tønder
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Jacob Funder und Jørgen Popp Petersen im alten Hangar, wo das Flugzeug steht, das für den Kinofilm „I Krig og Kærlighed“ gebaut wurde Foto: Elise Rahbek

Die Kostenfrage ist ungeklärt, der Zeitplan steht noch nicht und die Finanzierung des Projekts steht in den Sternen. Mit „Zeppelin Tønder“ will die Kommune hoch hinaus, wenn im Soldaterskoven bei Tondern ein modernes Erlebnis- und Vermittlungscenter mit Schwerpunkt Zeppeline und Erster Weltkrieg gebaut werden soll.

Hundebesitzer, Jogger, Spaziergänger, Mountainbiker, Radfahrer und viele mehr haben den Soldaterskoven für sich entdeckt. Dieser ist seit Anfang 2003 im Besitz der Naturbehörde und damit fürs Publikum geöffnet. Früher war er militärisches Sperrgebiet und wurde von der Tonderner Kaserne genutzt. Die Schar der Waldbesucher soll in einigen Jahren noch größer werden, wenn das Projekt „Zeppelin Tønder“ realisiert wird.

Modernes Erlebnis- und Vermittlungscenter

Und das werde es, meinen der Projektleiter Jacob Funder und der Vorsitzende des politischen Lenkungsausschusses, Jørgen Popp Petersen, Stadtratsmitglied der Schleswigschen Partei. Beim alten Flugzeughangar soll ein modernes Erlebnis- und Vermittlungscenter entstehen.

Funder und Popp Petersen wissen zwar nicht, wann es so weit ist. Einen Kostenanschlag gibt es noch nicht, und sie wissen auch nicht, wer es finanzieren wird. Dennoch wird seit dem vergangenen Jahr an der Idee gearbeitet, die von der Kommune als ein Leuchtturm-Projekt eingestuft wird.

Projektleiter Jacob Funder und SP-Stadtratsmitglied Jørgen Popp Petersen sehen viel Potenzial im Projekt „Zeppelin Tønder“. Foto: Elise Rahbek

„Wir wollen nicht nur auf die Landkarte Dänemarks kommen, sondern auch auf die Weltkarte“, meint Jørgen Popp Petersen. Schließlich sei der ehemalige deutsche Zeppelinstützpunkt bei einem Luftangriff bombardiert worden, der erstmals von einem englischen Flugzeugträger gestartet wurde, erklärt Jacob Funder. Der 1914 gebaute Zeppelinhafen, der zu den größten des Deutschen Kaiserreichs zählte, wurde im Juli 1918 beim Bombardement größtenteils in Schutt und Asche gelegt.

Fundamente liegen noch

Erhalten sind unter anderem ein Flugzeughangar, dem sogar der Abriss drohte, die Fundamente der drei riesigen Hallen Toska, Toni und Tobias, das Gaswerksgebäude, die Laufkatzen, auf denen die Zeppeline in die Hallen und heraus gezogen wurden, und eine Vielzahl von Exponaten, die im Zeppelin- und Garnisonsmuseum in Tondern ausgestellt werden. Sie wurden von Luftschiff-Enthusiasten gefunden, die ab Mitte der 70er Jahre nach Überresten des Stützpunktes im Wald suchten. Auf ihre Initiative wurde auch das Zeppelin- und Garnisonsmuseum eingerichtet.

Schon heute stehen Info-Tafeln bei den Standorten der drei Zeppelinhallen Toni, Tobias und Toska. Die Toska-Halle war zu Zeiten des Ersten Weltkriegs das größte Bauwerk Nordeuropas. Foto: Elise Rahbek

Einer der treibenden Kräfte ist Manfred Petersen aus Tondern, der beim Projekt „Zeppelin Tønder“ in beratender Funktion mitarbeiten sein soll, da er ein großes Wissen aus dieser Zeit hat.

Geschichte drohte, in Vergessenheit zu geraten

„Es steht ganz außer Frage, dass diese Geschichte ohne die Arbeit von Manfred Petersen und der Zeppelingruppe in Vergessenheit geraten wäre. Sie legten das Fundament für dieses Projekt“, unterstreicht Popp Petersen. Es sei falsch zu glauben, dass ein Kriegsmuseum entstehen wird. Natürlich könnten auch Kriegsnerds kommen, schließlich suchten sei die Reste des Zeppelinhafens ihres gleichen in Nordeuropa.

„Wir wollen aber auf mehreren Bereichen mittels moderner Technik Vermittlungsarbeit betreiben. Neben dem Luftschiffhafen schweben uns die Entwicklung der Luftfahrt, die Sicherungsstelle Nord aus dem 1. Weltkrieg, die Grenzziehung 1920 und 100 Jahre friedliche Miteinander im Grenzland als mögliche Themen vor“, erklärt Jacob Funder. Er hat eine Projektbeschreibung geschrieben, die in der kommenden Woche dem Stadtrat vorgelegt wird.

Internationaler Klasse

Erklärtes Ziel ist es, ein Vermittlungscenter von internationaler Klasse zu schaffen. Es solle ein dänischer und ausländischer Leuchtturm werden. Ein Besuch solle Begeisterung, Faszination, Inspiration und Reflexion auslösen.

Im Hangar standen die Jagdflieger des deutschen Zeppelinstützpunktes. Foto: Elise Rahbek

Im alten Hangar sollen laut Plan nur einige wenige, große Gegenstände präsentiert werden. Die eigentlichen Ausstellungen würden in einem modernen Neubau von erlesener Architektur untergebracht. „Wir wollen kein Disneyland sein“, unterstreicht Jørgen Popp Petersen.

Einverleibung des Zeppelinmuseums

Bestückt werden soll die Ausstellung über die Zeppeline mit Exponaten aus dem heutigen Zeppelin- und Garnisonsmuseum. „Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Museum. Nach unserer Ansicht sollte es dem neuen Vermittlungscenter einverleibt werden“, erklärt Jacob Funder. Für die Gegenstände aus der Zeit, als Tondern Garnisonsstadt war, müsste eine neue Bleibe gefunden werden. Beispielsweise im alten, nahe gelegenen Gaswerksgebäude beim Exerzierplatz, so seine Idee.

Der Besuch im Vermittlungscenter solle zum Erlebnis werden und zu mehr Besuchen als nur einem einen Anreiz geben. Die geschichtsträchtige Umgebung inmitten des Waldes sei da ein guter Mitspieler, wenn der Besuch mit einem Waldspaziergang kombiniert würde.

Außerhalb von Nordschleswig wissen die Dänen wenig über den Ersten Weltkrieg.

SP-Politiker Jørgen Popp Petersen

Laut vorläufigem Zeitplan steht für 2020 nach der politischen Gutheißung der Projektbeschreibung Öffentlichkeitsarbeit im In- und Ausland auf dem Plan. „Außerhalb von Nordschleswig wissen die Dänen wenig über den Ersten Weltkrieg und schon gar nichts über den Luftschiff-Stützpunkt bei Tondern“, erklärt der Vorsitzende des Lenkungsausschusses.

Und Anträge an Stiftungen sollen in diesem Jahr geschrieben werden. „Die Stiftungen verfügen über unheimlich viel Geld. Diese wollen wir auch als finanzielle Förderer unseres Vorhabens gewinnen“, unterstreicht Popp Petersen. Sie sehen mögliche Geldgeber sowohl in Dänemark als auch im Ausland.

Er und Funder sind überzeugt, dass „Zeppelin Tønder“ eine einzigartige, weltgeschichtliche Position mit den historischen Zeitzeugen der gigantisch großen Zeppelinhallen einnehmen kann. Die Toska-Halle war seinerzeit Nordeuropas größtes Bauwerk. In Tonderns Lage an der Grenze liege viel Potenzial als Tor zum Norden und zu Europa, meint Funder.

Aussichtsturm und Hängebrücke

Auf dem vorläufigen Wunschzettel stehen auch ein Aussichtsturm, der den Blick auf das riesige Gelände freigibt, oder/und eine Hängebrücke in den Baumkronen. Die überwucherten Fundamente der Zeppelinhallen müssten auch freigelegt werden. „Egal, mit wem wir über das Projekt gesprochen haben. Alle waren von der Idee angetan. Keiner hat den Kopf geschüttelt“, erklärt Jørgen Popp Petersen.

Bis zum Sommer 2021 sollte der Finanzierungsplan stehen und die Vorbereitung für die Ausschreibung angeschoben werden. Frühestens 2022 würde physisch etwas geschehen. Der Zeitplan sei eng, räumt Popp Petersen ein. „Es ist ein Projekt, das viel Zeit in Anspruch nimmt, es ist groß und ehrgeizig. Wir werden also nicht von heute auf morgen fertig sein“, meint der SP-Politiker.

Viele Spuren des Zeppelinstützpunktes sind im Soldaterskov zu finden. Foto: Elise Rahbek

Der politische Lenkungsausschuss

Jørgen Popp Petersen (Vorsitzender, Politiker der Schleswigschen Partei, SP), Mette Bossen Linnet (V), Harald Christensen (Soz.), Harry Sørensen (DF), Vizekommunaldirektor Keld I. Hansen, Förster Bent Rasmussen (Naturbehörde Wattenmeer), und Anders Jacobsen (Zeppelin- und Garnisonsmuseum Tondern).

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