Medizinische Versorgung

„Langsames Aushungern des Krankenhauses in Tondern“

„Langsames Aushungern des Krankenhauses in Tondern“

„Langsames Aushungern des Krankenhauses in Tondern“

Tondern/Tønder
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Verliert die Westküste ihren Bereitschaftsdienst im Tonderner Krankenhaus endgültig (Archivfoto)? Foto: Karin Riggelsen

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Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Anette Abildgaard Larsen, äußert sich zum möglichen endgültigen Verlust des Bereitschaftsdienstes. Bürgermeister Jørgen Popp Petersen meint: „Das ist nicht zufriedenstellend.“

Die Vorsitzende des Tonderner Gesundheitsausschusses, Anette Abildgaard Larsen (Kons.), befürchtet, dass die Westküste ihren ärztlichen Bereitschaftsdienst im Tonderner Krankenhaus ganz verlieren könnte. Der Verband der Hausärzte (PLO) hat bekanntlich der Region Süddänemark vorgelegt, die Anzahl der Bereitschaftsorte von heute 21 auf 14 zu reduzieren. Tondern und Hadersleben (Haderslev), müssten in den sauren Apfel beißen. Damit würden längere Anfahrtswege für die Patientinnen und Patienten unausweichlich. Für Hadersleben gibt es aber noch Hoffnung.

Anita Abildgaard Larsen (Bildschirmfoto) Foto: DN

„Wir führen Gespräche mit den Hausärztinnen und -ärzten in der Kommune Tondern. Sie erzählen von einem immensen Arbeitsdruck und von einem organisatorischen Problem“, so die konservative Politikerin.

Nicht ausreichend auf Angebote aufmerksam gemacht

Wie bei der Notfallambulanz im Tonderner Krankenhaus sei nie ausreichend auf den dort auch platzierten Bereitschaftsdienst hingewiesen worden.

„Die Patientinnen und Patienten werden immer aufgefordert, nach Apenrade zu kommen“, bedauerte Anette Abildgaard Larsen. Man könne die Befürchtung haben, dass dies ein bewusstes Aushungern des Krankenhauses sei, was überhaupt nicht mit der mit der Region Süddänemark durchgeführten Zusammenarbeit Samdrift Tønder übereinstimme. Auch die Abgeordneten des Regionsrates sind mit dem Streichen von Bereitschaftsdiensten in 14 Orten nicht einverstanden.

Nach den Verhandlungen zwischen der Region und PLO am Donnerstag wurde bekannt, dass die Organisation von sich aus im Corona-Jahr 2020 im Frühjahr ungefähr die Hälfte der Bereitschaftsdienststellen geschlossen hat. Diese sind nie wieder geöffnet worden.

Drei dürfen weitermachen

Das vorläufige Ergebnis der noch fortzusetzenden Verhandlungen ist, dass es ab 1. Oktober nur noch in zehn Orten eine ärztliche Bereitschaft geben wird. Tondern ist nicht dabei. Gerettet scheinen – wie berichtet – vorerst die Orte Grindsted, Hadersleben und Nyborg.

Für die Westküsten-Einwohner liegt der nächste Ort mit Bereitschaftsdienst in Esbjerg oder Apenrade.

Schlechterer Service

Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei) sieht eine endgültige Schließung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes als schlechteren Service für die Bürgerinnen und Bürger der Westküste an. „Wir haben gegenüber der Region Süddänemark darauf hingewiesen, dass das nicht zufriedenstellend ist”, so Popp Petersen. „Wir gehen davon aus, dass eine Lösung gefunden wird.“

Seitens der Kommune würde schon lange an der ärztlichen Versorgung gearbeitet. Viele in der Kommune tätigen Allgemeinmediziner würden bald das Rentenalter erreichen, und Nachfolger seien nicht in Sicht. „Wir arbeiten an modernen Ärztewohnungen, wie es sie früher für die Turnusärzte im Tonderner Krankenhaus gegeben hat. Mit guten Kindergärten und Schulen wäre es für Ärztinnen und Ärzte vielleicht attraktiver, sich an der Westküste mit einer Praxis niederzulassen“, erklärt die Vorsitzende des kommunalen Gesundheitsausschusses.

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