Filmkritik

Frelle-Film beschreibt schonungslos den Arbeitsalltag der Heimhilfe

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Im Film wächst ein vertrautes Verhältnis zwischen Sofie und einer Heimhilfe-Empfängerin heran. Sofie, dargestellt von Jette Søndergaard, ist im wahren Leben die Enkelin von Karen Tygesen (r.). Die 91-Jährige war schon in anderen Rollen in Petersens Filmen zu sehen.

Am Donnerstag fand die Vorpremiere der neuesten Produktion von Frelle Petersen, „Hjem Kære Hjem“, im Tonderner Kino statt. Die gebürtige Lügumklosteranerin Jette Søndergaard war der einzige Profi am Set. Am 19. Juni kommt der Film landesweit in die Kinos. Die „Trilogie“ wird fortgesetzt.

In der letzten Folge seiner nordschleswigschen Heimat-Trilogie, „Hjem kære hjem“ befasst sich der Filmemacher Frelle Petersen mit den Arbeitsbedingungen der kommunalen Altenfürsorge. Das Ergebnis: Es wird ein ruhiges, authentisches und intensives Bild eines unter Zeitdruck stehenden Berufszweigs gezeichnet.

Am Donnerstag fand die Vorpremiere im Tonderner Kino statt, bei der hauptsächlich die Darstellenden vor der Kamera im Publikum saßen, die sich nicht von der Schauspielerei ernähren, denn sie sind Amateure. Am 19. Juni kommt der Film landesweit in die Kinos. Die Drehorte des neuesten Streifens liegen erneut in der Kommune Tondern.

Nach diesem Strickmuster entstanden auch die ersten beiden Produktionen der Trilogie, „Onkel“ und „Resten af livet“. In allen drei Filmen lässt Petersen erneut hauptsächlich Amateure die Geschichte erzählen, um die es dem Regisseur geht.

Schonungslos, aber gänzlich undramatisch wird das Publikum in den Arbeitsalltag der kommunalen Heimhilfe eingeführt. Für die Besetzung der Rollen als Heimhilfeempfänger wurden Seniorinnen und Senioren gecastet, die mindestens 75 Jahre alt sein mussten.

Bei ihrer Arbeit begegnet Sofie ganz unterschiedlichen Charakteren. Hier mit dem inzwischen verstorbenen Tingleffer Radio-Händler Henry Sørensen.

Im Vorfeld hatte der Regisseur die Heimhilfe in Apenrade (Aabenraa) zwei Monate bei ihrer Arbeit begleitet. Für den gebürtigen Nordschleswiger ist eine gute Vorbereitung ein Muss. „Das, was in den ersten acht Minuten des Films geschieht, habe ich am ersten Tag meines Eigenstudiums erlebt“, erzählt Frelle Petersen.

Zur Handlung:

Im Film wird die junge Sofie (gespielt von der Schauspielerin Jette Søndergaard) in ihrem Alltag als alleinerziehende Mutter und Heimhelferin begleitet. Die ehemalige Lügumklosteranerin war auch in den beiden ersten Filmen der Trilogie in der Hauptrolle zu sehen. Sie war diesmal der einzige Profi am Set. Die Statistinnen und Statisten für die Heimhilfe-Rollen wurden in den Sozial- und Gesundheitsverwaltungen der Region gefunden.

Sofie droht an ihrer Arbeit zu zerbrechen.

Als Sofie will sie es schaffen, Beruf und ihr Privatleben unter einen Hut zu bringen. Als engagierte Kraft, die mit sehr viel Herz und Engagement ihre neue Arbeit bestreiten will, begegnet sie der bettlägerigen, dankbaren Seniorin, dem griesgrämigen und aggressiven alten Herren. Der einsamen Frau, die beim Besuch der Heimhilfe eigentlich lieber das Gespräch mit einem Menschen sucht und einer unzufriedenen und nörgelnden Angehörigen, die selbst keinen Finger rührt.

Ganz hautnah werden diese psychisch und physisch raubenden Einsätze dargestellt, an denen Sofie auch in ihrem Privatleben als Mutter droht, zu zerbrechen.

Balanceakt zwischen Beruf und Privatleben

Ob ihr der Balanceakt glückt, wird nicht verraten. Verraten wird hier aber: Frelle Petersen, sein Filmteam und seine Darstellenden haben einen starken und unter die Haut gehenden Film gedreht, in dem sich der eine oder andere fragen wird, ob man diese Arbeitsbedingungen den Beschäftigten und den auf Hilfe angewiesenen Menschen bieten kann.

Ohne diese Frage direkt zu beantworten oder die Arbeitgebenden zu verurteilen, endet dieser einfühlsame Film.

Die Trilogie:

2019 „Onkel“, 46.000 Menschen sahen den Film, der von der jungen Kris erzählt, die mit ihrem wortkargen Onkel auf einem kleinen Hof vor den Toren Tonderns lebt. Kris hat ihren Wunsch, Tiermedizin zu studieren, für die Pflege ihres geliebten Onkels zunächst zurückgestellt.

2022 „Resten af livet“, 101.000 Menschen sahen den Film, in dem die Geschichte einer Familie aus Tondern erzählt wird, die nach dem Tod des Sohnes droht, auseinanderzubrechen. Das Leben nach diesem schmerzhaften Verlust und die Trauerbewältigung gelingt nicht allen Familienmitgliedern.

2025 „Hjem kære hjem“ ist mit 17,5 Millionen Kronen mit Abstand der teuerste Film. Die Kommune Tondern fördert den Film mit 500.000 Kronen.

Die Trilogie geht weiter

Bei der Vorpremiere verriet Frelle Petersen auf Anfrage des „Nordschleswigers“, dass aus der nordschleswigschen Trilogie vermutlich mehr werden. „Ich habe diesen Begriff eigentlich nie benutzt. Er kam nach dem Onkel-Film auf. Nordschleswig ist meine Film-DNA“, versicherte der Regisseur auf Sønderjysk.

Filmemacher Frelle Petersen räumte ein, dass ihn der Film und das Thema sehr bewegt hatten.

Vor dem Premierenpublikum meinte er, dass er sich mit den Darstellenden auf eine fantastische Reise begeben habe. Er habe den Film schon in unter anderem Berlin, den USA und Norwegen gezeigt. Der wichtigste Ort sei Tondern. „Ich komme aus Nordschleswig und ihr seid meine DNA", meinte er an das Publikum gewandt und räumte auch ein, dass ihm die Beine schlotterten.

Eine kleine witzige Randbemerkung soll sein, dass Petersen auch in seinem dritten Heimat-Film die Nussnougatcreme der Marke Nutella wieder eingebaut hat.