Kommunalpolitik

Biogasanlagen: Die SP will nicht die Nachbarschaft fragen

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Die Biogasanlage von Nature Energy in Quars (Kværs) in der Kommune Sonderburg (Sønderborg)

Die Fraktion der Schleswigschen Partei hält die Zeit während eines laufenden Versuchs nicht reif für weitere Volksentscheid-Themen. Der Technische Ausschuss befasst sich indes mit der weiteren Planung des umstrittenen Biogasprojekts nordwestlich von Lügumkloster.

Die Kommune Tondern fragt beim Bau von Solar- und Windkraftanlagen die Nachbarinnen und Nachbarn an den betroffenen Standorten. Stadtratsmitglied Bjarne Lund Henneberg (Sozialistische Volkspartei) will diese richtungsweisenden Abstimmungen auch beim Bau von Biogasanlagen einführen.

Dieser Vorschlag, der bei der Sitzung des Kommunalrates am Donnerstag, 27. Februar, auf der Tagesordnung steht, genießt jedoch nicht die Unterstützung der Schleswigschen Partei, wie Bürgermeister Jørgen Popp Petersen im Vorfeld erläutert.

„Es handelt sich bei der erfragten Interessenbekundung bei den Anlagen mit Sonnen- und Windenergie um einen Versuch. Wenn wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu weiteren Abstimmungsthemen Ja sagen, dann können wir überhaupt keine mehr ausklammern“, sagt der Bürgermeister.

Vorhaben in Westerterp ist der Auslöser

Ausschlaggebend für den Vorschlag von Bjarne Lund Henneberg ist das von der Nature Energy angestrebte Vorhaben am Vinumvej nordwestlich von Lügumkloster (Løgumkloster) zwischen Westerterp (Vesterterp) und Laurup (Lovrup).

Bei den Biogaswerken würde es sich auch um Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien handeln. „Es sind aber auch Industrieanlagen, bei denen es im Gegensatz zu Solar- und Windkraftanlagen um Arbeitsplätze geht“, so Popp Petersen.

Es sei natürlich wichtig zu wissen, was die Bürgerinnen und Bürger meinen. Daher habe es unlängst ein zusätzliches Treffen in Laurup gegeben. Da sei es deutlich gewesen, dass die Nachbarschaft es nicht für eine gute Idee hielt.

Bürgermeister befürchtet eine Rutschpartie

„Aus demokratischer Sicht könnten wir gut die Abstimmung zu Biogas-Werken machen. Meiner Meinung nach ist es aber wie ein rutschiger Abhang, an dem man hinabgleitet, wenn wir es zum jetzigen Zeitpunkt machen würden“, so Popp mit Blick darauf, dass der Volksentscheid in Sachen regenerativer Energie als Versuch definiert ist.

„Man könnte sich zum Beispiel dafür einsetzen, um eine gute Stimmung zu erreichen. Dann meine ich aber, dass sich etwa im Zusammenhang mit Sommerhäusern auf Röm eine Herausforderung auftun würde“, gibt er zu bedenken.

Fachausschüsse befassen sich auch mit dem Projekt

Der kommunale Ausschuss für Technik und Umwelt wird sich ebenfalls auf seiner Sitzung am Donnerstag mit der Thematik beschäftigen. Das Gremium soll dazu Stellung beziehen, ob die Vorschläge für den Bauleitplan (lokalplan), den Umweltverträglichkeitsbericht (miljøvurderingsrapport) sowie der Entwurf für die Umweltzulassung acht Wochen in die öffentliche Anhörung geschickt werden sollen.

Die Zuständigkeit für den Vorschlag für eine Ergänzung zum Flächennutzungsplan (kommuneplantillæg) liegt beim kommunalen Ausschuss für Klima, Wachstum und Entwicklung, der Anfang März tagt.

Das Projekt von Nature Energy Løgumkloster

• Nature Energy (eine Tochtergesellschaft von Shell) strebt nordwestlich von Lügumkloster zwischen Westerterp und Laurup den Bau einer Biogasanlage für organische Biomassen an
• Der Projektbereich am Vinumvej umfasst etwa 30 Hektar
• Die Anlage soll jährlich bis zu 850.000 Tonnen Biomasse behandeln können
• Laut den kommunalen Unterlagen soll der Hauptteil aus Haustierdung in fester und flüssiger Form bestehen
• Felderträge und ein kleinerer Anteil von Industrieprodukten sollen ebenfalls verwertet werden
• Der Bauherr rechnet mit einer jährlichen Produktion von 30 Millionen Normkubikmetern Bionaturgas
• Die Produktion entspricht in etwa dem Wärmebedarf von 21.000 Haushalten
• Es sollen 15 dauerhafte Arbeitsplätze geschaffen werden.