Regenerative Energie

Biogasanlagen: Politiker will örtliche Meinungsumfragen

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Nature Energy hat in Glansager bei Sonderburg und in Quars Biogasanlagen.

Bei dem Bau von Solar- und Windenergie-Anlagen werden die Bürgerinnen und Bürger in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Projekten in der Kommune Tondern gehört. Bjarne Lund Henneberg will diese Praxis auch bei Biogas-Werken einführen.

„Die großen technischen Anlagen außerhalb der Städte haben entsprechende Auswirkungen auf das Umfeld, wie die Solar- und Windkraftanlagen. Außerdem halte ich es für eine gute Idee, die Meinungen der Leute zu hören“, sagt Stadtratsmitglied Bjarne Lund Henneberg (Sozialistische Volkspartei).

Er plädiert dafür, dass unter Nachbarinnen und Nachbarn von Biogasanlagen, genau wie bei Solar- und Windkraftprojekten, eine richtungsweisende Abstimmung durchgeführt wird.

Daher macht der Politiker von dem Initiativrecht Gebrauch und setzt diesen Punkt auf die Tagesordnung, wenn der Kommunalrat am Donnerstag, 27. Februar, tagt.

Nature Energy will bei Lügumkloster bauen

Ausschlaggebend für diesen Schritt ist das Vorhaben von Nature Energy nordwestlich von Lügumkloster (Løgumkloster). Zwischen Laurup (Lovrup) und Westerterp (Vester Terp) plant das Unternehmen den Bau seiner dritten Biogasanlage in Nordschleswig. Nature Energy hat bislang zwei Werke in der Kommune Sonderburg (Sønderborg).

Laut Projektbeschreibung soll die Anlage jährlich 850.000 Tonnen organisches Material aus der Landwirtschaft, der Industrie und privaten Haushalten in mehr als 30 Millionen Kubikmeter Biogas verwandeln. Die Produktion entspricht dem jährlichen Wärme- und Warmwasserverbrauch von 24.000 Haushalten.

Verkehrssicherheit im Blick

Das rote Feld zeigt den Biogas-Standort.

Das Vorhaben stößt im Lokalbereich nicht nur auf Zustimmung. Im Herbst drückte die Familie Andersen am Vester Terpvej ihre Besorgnis wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens mit Schwertransportern auf der Straße von Lügumgaard nach Laurup aus. Linda und Jens Kr. Andersen forderten in einem Leserbrief Nature Energy dazu auf, mit Rücksicht auf Menschen zu Fuß und auf dem Fahrrad, den Bau eines Radwegs entlang des Vinumvej/Løgumkloster zu finanzieren.

Die Verkehrssicherheit war auch kürzlich bei einem Treffen mit rund 100 Bürgerinnen und Bürgern im Versammlungshaus in Laurup ein Thema.

Unter dem Motto „Gleiches Recht für alle“ fordert Linda Andersen nun in einem Leserbrief, dass die Nachbarinnen und Nachbarn wie bei den Vorhaben mit Sonnen- und Windenergie in einer Abstimmung ihre Meinung kundtun können.

Die Kommune Tondern hatte im Herbst 2023 als erste dänische Kommune unter den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern von zwei Solaranlagen Abstimmungen durchgeführt. Bei der anonymen Stimmabgabe votierten die Stimmberechtigten mehrheitlich für die Anlagen bei Bredebro und Toftlund.

Anwohner wurde im Stadtrat vorstellig

Henrik Solgård Larsen (am Rednerpult) interessierte sich im Stadtrat dafür, ob die Kommune Tondern Kapazität zur Überprüfung der angestrebten Anlage hat.

Bei der Stadtratssitzung Ende Januar hatte Henrik Solgård Larsen aus Westerterp die Fragestunde des Kommunalrats dazu genutzt, um zu erfahren, ob die Kommune Tondern Kapazität habe, um die Biogasanlage zu kontrollieren. Laut ihm würde es sich um eine chemische Anlage handeln, in der die Tochtergesellschaft von Shell Restprodukte und Glyzerin aus ihren Raffinerien verarbeiten will.

Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei) erklärte, dass es keinen Beleg dafür gebe, dass es sich um eine chemische Anlage handeln würde. Er sei davon überzeugt, dass die Kommune die erforderlichen Kompetenzen für die Kontrolle habe. Auf politischer Ebene habe man es im Blick, für wie viele neue Anlagen es Platz geben würde.

Bei der Sitzung Ende Februar geht es dann unter anderem um ein Ja oder Nein zu einem Volksentscheid in der Nachbarschaft von Biogasanlagen.