Diese Woche in Kopenhagen

„Stephanie kehrt zurück“

Stephanie kehrt zurück

Stephanie kehrt zurück

Kopenhagen
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Stephanie Lose (rechts) hat am 9. März kommissarisch das Amt der Wirtschaftsministerin übernommen. Nach den Sommerferien kehrt sie in die Region Süddänemark zurück. Links: Staatsministerin Mette Frederiksen. Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix

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Nachdem der Venstre-Vorsitzende Jakob Ellemann-Jensen angekündigt hat, nach den Sommerferien seine Arbeit wiederaufzunehmen, wird Stephanie Lose auf den Posten als Regionsratsvorsitzende für Süddänemark zurückkehren. Doch Ellemanns Probleme sind mit dem Ende seiner Stress-Erkrankung nicht vorbei, meint Walter Turnowsky.

Die richtige Inszenierung und die präzise Regie sind aus der modernen Politik – auch wenn man wollte – nicht mehr wegzudenken. Die Akteurinnen und Akteure verwenden immer mehr Zeit und Energie darauf.

So fand Staatsministerin Mette Frederiksen Zeit, am Muttertag auf Facebook ein Foto von sich auf dem Arm ihrer Mutter an einem „dänischen Sommertag“ zu veröffentlichen. Die Chefin der Sozialdemokratie und ihr Bruder hätten unendlich viel von der mittlerweile verstorbenen Mutter gelernt. Ein rührender Text, den 1.200 Menschen kommentiert haben. Ein spontaner Einfall der Regierungschefin wird es nicht gewesen sein.

Das gilt nicht nur für Muttertags-Posts. Von der Ankündigung neuer politischer Initiativen über die Vorstellung des Haushaltes bis zur Präsentation einer Regierungskoalition ist alles genau geplant und getaktet. Für Menschen, die die dänische Politik verfolgen – wir könnten hier den Kopenhagen-Korrespondenten des „Nordschleswigers“ als zufällig gewähltes Beispiel nennen – kann das schon etwas zu viel des Guten werden.

Daher ist es ab und zu ganz erfrischend, wenn es mit der Regie nicht so ganz klappt. Ein Beispiel dafür finden wir bei einem weiteren Facebook-Post vom vergangenen Donnerstag. Hier kündigte Jakob Ellemann-Jensen an, er werde am 1. August als Venstrevorsitzender, Verteidigungsminister und Vizestaatsminister zurückkehren. Er beschreibt auch, wie Stress dazu geführt hatte, dass er kaum noch aufrecht stehen konnte, ihm der Schädel zu explodieren drohte. Doch jetzt gehe es ihm besser, seine Rückkehr nach den Sommerferien habe er mit ärztlichem Personal besprochen.

Jetzt wirst du vielleicht fragen, warum dieser Post ein Beispiel von einer nicht ganz so schnurgeraden Regie ist. Die Antwort: Es liegt nicht an dem Post an sich, sondern an dem, was davor geschehen ist. Es ist eine Frage der Reihenfolge, der Dramaturgie sozusagen.

Und das hängt wiederum mit den beiden Personen zusammen, die während seiner Abwesenheit die Vertretung gemacht haben. Das wären zum einen Stephanie Lose aus Lügumkloster (Løgumkloster), die den Vorsitz für die Zeit übernommen hat. Zum anderen ist es Troels Lund Poulsen, der als Verteidigungsminister eingesprungen ist und die Leitung des politischen Tagesgeschäfts übernommen hat.

Die beiden waren Mitte April auf eine Tournee durchs Land aufgebrochen, um mit der Basis über die Beteiligung an einer sozialdemokratisch geführten Regierung und die Zukunft der rechtsliberalen Partei zu sprechen. Beides für Venstre (überlebens)wichtige Themen – nicht zuletzt in einer Zeit, wo der Vorsitzende fehlt.

Und dies wurde naturgemäß auch Thema, vor allem auch bei den Medien, die die Tour begleitet haben. Denn was sei, wenn Jakob Ellemann-Jensen nicht zurückkehren könne? Wer sollte in dem Fall den Vorsitz übernehmen?

Die Antwort von etlichen Parteimitgliedern fiel eindeutig aus: Stephanie Lose. Die Vorsitzende des Regionsrates für Süddänemark und zweite Vorsitzende habe die richtigen Qualitäten, um die krisengebeutelte Partei zu alter Stärke zurückzuführen. Die Parlamentsfraktion hätte Lund Poulsen als Ersatz bevorzugt. Beide zeigten sich Ellemann gegenüber loyal, weigerten sich, auf die Diskussion einzugehen.

Mit Ellemanns Ankündigung ist diese Debatte nun ohnehin hinfällig. Nur kam diese ausgerechnet zwei Tage nach der letzten Tournee-Veranstaltung. Womit wir wieder bei der Regiefrage wären. Denn das Problem für den Vorsitzenden ist, dass die Katze nun aus dem Sack ist.

Noch am Tag vor seinem Facebook-Post berichtete „Berlingske“ von Stimmen an der Basis, die Lose für die bessere Parteichefin halten. Sie selbst betonte bereits bei ihrer Ernennung zur kommissarischen Wirtschaftsministerin, sie werde danach in den Regionsrat zurückkehren. Dies hat sie auch in der vergangenen Woche wiederholt – und wird es selbstverständlich auch tun.

Auffälliger ist, dass sie die Frage, warum Ellemman der bessere Vorsitzende als sie sei, nur mit einem recht lahmen „weil Venstres Delegierte ihn gewählt haben“ beantworten konnte. Auf den Vorsitzenden wartet nach dem 1. August harte Arbeit.

Venstre war jahrzehntelang die natürliche Führungskraft des bürgerlichen Lagers, die Partei, die die Sozialdemokratie herausforderte und ihr den Staatsministersessel abjagte. Derzeit liegt sie im blauen Block laut Umfragen an zweiter oder dritter Stelle. Und was für Ellemann noch ernster ist: Eine bürgerliche Regierungsalternative zeichnet sich derzeit nicht ab.

Er muss jetzt die kommenden dreieinhalb Jahre nutzen, um zu beweisen, dass die liberale Regierungsbeteiligung Sinn ergibt, er Venstre-Themen durch- beziehungsweise umsetzen kann. Die Pflichtaufgabe heißt: bürgerliche Wählerinnen und Wähler zurückgewinnen.

Eine weitere Wahlniederlage nach den ohnehin schon miserablen 13,3 Prozent vom vergangenen Jahr wäre für Venstre verheerend. Die Stimmen, die nach Stephanie rufen, könnten lauter werden.

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