Konzert in Nordschleswig

Bon Jovi: Drummer Torres freut sich auf Sonderburg

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Nordschleswig
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Tico Torres an seinem Arbeitsplatz: Hinter dem Schlagzeug auf der Bühne. Foto: David Bergman

Tico Torres ist 65 – und seit 35 Jahren Schlagzeuger der US-Band Bon Jovi. Im Juni 2019 kommt er mit der Band nach Sonderburg. Ob er von der Stadt schon jemals etwas gehört hat? Und wie er vom Jazzmusiker zum Bon-Jovi-Drummer wurde? Im Interview mit dem Nordschleswiger verrät er es.

  • Die Band Bon Jovi gründete sich 1983 in New Jersey.
  • Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben Sänger Jon Bon Jovi und David Bryan Richie Sambora, Alec John Such und Tico Torres.
  • Such verließ die Band 1994. 2013 stieg Sambora wegen Suchtproblemen aus der laufenden Welttournee aus.
  • 2016 wurden die bisherigen Sessionmusiker Hugh McDonald und Phil X zu offiziellen Bandmitgliedern ernannt.
  • Bei der offiziellen „This house is not for sale“-Tour zum Album begleitet der Produzent John Shanks die Band als Rhythmus-Gitarrist und Everett Bradley als Perkussionist.

Seit Gründung der Band Bon Jovi ist Tico Torres der Schlagzeuger der Band. Im Juni kommt er mit Jon Bon Jovi und dem Rest der Band für ein Konzert nach Sonderburg. Der Nordschleswiger hat mit dem 65-jährigen Musiker gesprochen. Ein Telefongespräch zwischen Apenrade und New York.

Nach Jahren des Wartens kehrt Bon Jovi auf einer Tournee nach Europa zurück. Warum mussten eure europäischen Fans so lange warten?

Wir mussten uns als Band ganz neu aufstellen. Neu zusammenfinden. Das hat Zeit gebraucht. Dann kamen die Arbeiten für unser jüngstes Album „This house is not for sale“ hinzu. All das hat Jahre gedauert, und wir mussten als Bandmitglieder und Musiker zusammenwachsen. Aber jetzt kann ich sagen: Wir haben jede Menge Spaß miteinander. Wir sind, was die Musik angeht, besser denn je. Ich würde sagen, wir waren musikalisch noch nie so gut.

Bon Jovi gibt es als Band seit 1983, und du bist seitdem als Schlagzeuger und Songschreiber dabei. 35 Jahre – eine lange Zeit als Rockstar. Zuvor hast du als Maler und Skulpteur gearbeitet. Wie gelingt ein Leben zwischen Bühne und Ruhm auf der einen Seite und Familie und Privatleben auf der anderen?

Ich würde sagen, ich habe das nach und nach gelernt. Ich musste das erst lernen. Am Anfang stand die Karriere, für die ich so viel gearbeitet hatte, komplett im Mittelpunkt. Es gab nur die Musik, es gab nur die Band. Glaub mir, wir alle haben Fehler gemacht. Wir haben daraus gelernt. Früher waren wir eigentlich nur unterwegs und auf Tour. Mittlerweile beschränken wir uns auf drei Monate. Spätestens als die Kinder kamen, stellten wir fest, dass es ein Gleichgewicht zwischen Rockstar und Familienvater geben muss. Das gelingt jetzt eigentlich ganz gut.

Kannst du dich an ein Leben vor Bon Jovi erinnern? Und kannst du dir ein Leben ohne vorstellen?

Aber natürlich kann ich mich erinnern. In der Zeit vor Bon Jovi habe ich musikalisch unglaublich viel ausprobiert. Das hat mich verbessert und inspiriert. Ich habe schon 15 Jahre vor Bon Jovi angefangen, in Bands zu spielen. Ich hatte mal eine Band in Göteborg, Schweden, mit der habe ich meine ersten Lieder aufgenommen. Man muss musikalisch erwachsen werden, wenn man jung ist. Ich habe alles ausprobiert. Country, Blues, R&B. Und am Ende des Tages habe ich dann meine eigene Stimme gefunden.

Tico Torres (2. v. l.) mit seinen Bandkollegen, allen voran Jon Bon Jovi. Foto: Bon Jovi

Du warst in deiner Jugend ein Jazz-Fan, hast mit Joe Morello Musik gemacht. Hast als Schlagzeuger der Psychedelic Band Six Feed Under gespielt. Wie konntest du dich im Anschluss mit der Musik identifizieren, für die Bon Jovi berühmt wurde?

Weißt du, Musik ist Musik. Und jede Musik ist anders. Jazz ist die wohl ausdrucksstärkste Form. Diese Spontaneität aus dem Moment heraus! Als Jazz-Drummer entwickelt man ein ganz besonderes Gefühl. Jazz macht dich zu einem besseren Musiker. Aber auch RMB und Rock führen dich einen Weg. Ich mache gerne die Musik, die wir mit Bon Jovi machen. Und die Verkaufszahlen unserer Aufnahmen sprechen für sich.

„Lasst Musik doch Musik sein"

Willst du als Rockmusiker, der auf der ganzen Welt unterwegs ist, eine politische Botschaft in deine Lieder legen?

Ich würde sagen, wir sind nicht so sehr politisch unterwegs. Es gibt meiner Meinung nach genug Politik auf der Welt, die muss nicht auch noch in der Musik stattfinden. Die Leute wollen Spaß haben. Lasst Musik doch Musik sein. Ich will Musik spielen, ich finde, da ist für Politik keinen Platz. Die Musik schafft oft mehr, als es die Politik kann. Sie bringt Leute zusammen, Menschen aus allen Schichten und Ländern.

This house ist not for sale“ ist euer neues Album. Verglichen mit vorigen Alben: Wie habt ihr euch als Band entwickelt?

Wir haben uns viel Zeit genommen, um in uns zu investieren, sich Gedanken zu machen, neue Inspiration und neues Material zu kreieren. Im Studio ging es sehr organisch zu. Es war ein Vergnügen, im Studio zusammenzuarbeiten. Wir sind als Musiker gewachsen, und ich finde, das hört man den Liedern auch an. Musikalisch ist es eine Mischung aus vielen Jahrzehnten Erfahrung. Es ist ein besonderes Album.

Ich würde es nicht leben, wenn ich nicht so unglaublich viel Spaß dran hätte. Ich finde, ich kann sehr glücklich sein. Und ich nehme es auch heute nicht als selbstverständlich hin.

Tico Torres

Jon Bon Jovi hilft mit der JBJ Soul Foundation Menschen in Armut und Obdachlosigkeit. Beziehst du Stellung in der Gesellschaft?

Ja, ich unterstütze nachhaltige Projekte in Südamerika, bei denen es beispielsweise um die Erhaltung unserer Öko-Systeme und um Bildung geht. Ja, ich versuche bei allem auch, die Welt aus einem größeren Blickwinkel zu betrachten und meinen Teil zu tun, damit die Welt besser wird.

Du lebst dein Leben als Rockmusiker mit Erfolg – kannst du dir ein anderes Leben vorstellen?

Nein, es ist und bleibt mein absoluter Traum. Ich würde es nicht leben, wenn ich nicht so unglaublich viel Spaß dran hätte. Ich finde, ich kann sehr glücklich sein. Und ich nehme es auch heute nicht als selbstverständlich hin.

Dein Sohn ist jetzt 14 – was hält er von der Musikkarriere seines Vaters?

Ganz ehrlich: Er hat daran so gut wie kein Interesse. Er spielt Saxofon, er liebt Jazz. Und er findet dabei seinen eigenen Weg, der mit meinem nichts zu tun hat. Ich drücke ihn da in keine Richtung, das soll er selbst rausfinden.

Gründungsmitglied: Tico Torres spielt seit 35 Jahren bei Bon Jovi mit. Foto: dpa

Das Konzert am 11. Juni bei Sonderburg

  • Jon Bon Jovi tritt mit seiner Band am 11. Juni nahe Sonderburg auf. Konzertstätte ist das Gelände Slagmarken im Norden Sonderburgs auf der Halbinsel Kær.
  • Zusammen mit Def Leppard wird Bon Jovi Slagmarken rocken.
  • Bon Jovis Europa-Tournee „This house is not for sale” gastiert in Dänemark nur in Sonderburg.
  • In Deutschland finden im Juli zwei Konzerte in Düsseldorf und in München statt. In Skandinavien tritt Bon Jovi über Sonderburg hinaus am 5. Juni in Stockholm und am 8. Juni in Stavanger auf.
  • Die Ticketpreise liegen bei 975 Kronen für einen Sitzplatz. Ein Golden Circle Stehplatz kostet 975 Kronen und ein Stehplatz 710 Kronen. Die Preise verstehen sich exklusive Ticketgebühr. Der Ticketverkauf via ticketmaster.dk hat begonnen. Das Konzert wird in Zusammenarbeit mit „Kultur i Syd” veranstaltet.https://www.ticketmaster.dk
Tico Torres (2. v. l.) und seine Band: Bon Jovi. Foto: Bon Jovi
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