Klimaschutz

Sonderburger Klimaexperte: „Das führt zur Kettenreaktion“

Sonderburger Klimaexperte: „Das führt zur Kettenreaktion“

Sonderburger Klimaexperte: „Das führt zur Kettenreaktion“

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Sonderburg/Sønderborg
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Klimaexperte Peter Rathje Foto: Projekt Zero

Mutige Schritte in Sachen E-Automobilität, jedoch fehlende Maßnahmen zur klimafreundlichen Wärmeversorgung: Der Klimaexperte Peter Rathje hat das Klima- und Luftpaket der Regierung für uns kommentiert.

Für den Sonderburger Klimaexperten Peter Rathje steht nicht erst seit der Veröffentlichung des Weltklimarat-Berichts Anfang dieser Woche fest: Die Klimakatastrophe ist zum Greifen nahe. Oder, wie Rathje sich ausdrückt: „Die Plattform brennt.” Seit 2007 arbeitet er mit dem ProjectZero daran, Sonderburg als Klima-Kommune bis 2029 in die CO2-Neutralität zu führen. Er begrüßt Teile der am Dienstag vorgestellten Regierungsinitiative, übt aber auch Kritik. So lobt er das Zulassungsverbot von neuen Benzin- und Dieselfahrzeugen ab 2030 als „visionäre Politik”. Bedauern äußert er indes über fehlende Maßnahmen für klimafreundliche Wärmeversorgung im Land.

Lob für Verkehrs-Initiative

„Großes Lob für die ehrgeizigen Initiativen im Transportsektor. Die Ansage, dass ab 2030 keine neuen Kraftstofffahrzeuge mehr zugelassen werden, ist ehrgeizig. Das wird zu einer Kettenreaktion bei den Bürgern führen. Denn schon beim nächsten Kauf eines Autos werden sie sich fragen, ob ein E-Auto vor diesem Hintergrund nicht doch die bessere Wahl ist. Sie werden überlegen müssen, was mit dem Wiederverkaufswert eines Dieselautos oder eines Benziners wird. Die steuerlichen Vorteile werden zwar auch einen Anreiz geben. Ausschlaggebend ist aber, dass die Regierung das Zulassungsverbot 2030 umsetzen will. Damit sind die Autoproduzenten unter Zugzwang. Sie müssen jetzt volle Kraft voraus E-Autos produzieren, die Autobauer in Frankreich und Deutschland sollten aufhören, das E-Auto als eine Art Spielzeug zu betrachten. Die Fabriken werden ihre Produktion ändern müssen“, so der Leiter von ProjectZero.

Was fehlt

Was ihm im Regierungspapier fehlt, sind Maßnahmen für den Bereich Wärmeversorgung. „Wir benötigen beispielsweise dringend eine Umstellung auf Wärmepumpen, weg von Öl- und Gasheizungen“, so Rathje. „Während die Regierung im Transportsektor mutige Schritte geht, bleiben die Bereiche Wohnen sowiedie Miteinbeziehung der Kommunen hinter den Erwartungen zurück. Wie viele Ölheizungen gibt es im Land, die dringend verschrottet werden müssten! Es wäre ratsam, eine flächendeckende Versorgung mit Wärmepumpen anzuregen. Und es ist nötig, die Kommunen stärker in die Pflicht zu nehmen, damit beispielsweise in kommunaler Regie nur noch klimafreundliche Bauten errichtet werden. Hier gibt es so viele tief hängende Früchte, das sollte die Regierung ausnutzen und einbeziehen. Mal sehen, was die kommende Diskussion im Folketing mit sich bringt und welche Vorschläge am Ende verabschiedet werden.”

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