Hobby-Meteorologie

Zu Hause zwischen Himmel und Erde

Zu Hause zwischen Himmel und Erde

Zu Hause zwischen Himmel und Erde

Hadersleben/Haderslev
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Ist seit nunmehr 51 Jahren mit dem Wetter auf Augenhöhe: Kurt Koch, Wetterfrosch aus Hadersleben. Foto: Ute Levisen

Beim Wetter gerät Kurt Koch ins Schwärmen. Kein Wunder: Das Wetter ist stets für eine Überraschung gut. Erst recht in Hadersleben. Das Wetter in der Domstadt ist einzigartig. Dieses Resümee zieht der Haderslebener Hobby-Meteorologe, der in diesem Jahr sein 51. Jubiläum als stadtbekannter Wetterfrosch feiert.

Zwischen Hadersleben und Woyens liegen nur wenige Kilometer. Das Wetter beider Städte in der Kommune Hadersleben unterscheidet sich indes markant. Das Gleiche gilt für Apenrade, Flensburg, Timbuktu und die meisten anderen Orte dieser Welt.

Der Grund dafür sind die vielen verschiedenen Faktoren der Wettergleichung, wo selbst eine leichte Brise, vor allem aber die Nähe zum Meer Kriterien sind, die entscheidenden Einfluss auf unser Wetter haben.

Das Wetter in Hadersleben: ein Kapitel für sich. Hier ist der Haderslebener Damm zu sehen. Foto: Ute Levisen

Seit 51 Jahren Wetterdaten

Seit 51 Jahren misst Kurt Koch das Wetter in der Stadt Hadersleben – und zwar nur dort. Akribisch hält er seine Aufzeichnungen seit seinem 10. Lebensjahr fest. Der Haderslebener weiß alles über das Wetter in seiner Heimatstadt. Zu gern wäre er Meteorologe geworden, doch eine angeborene Körperbehinderung machte dem 61-Jährigen einen dicken Strich durch die Rechnung.

Kurt Koch und sein fast antikes Barometer. Er hat es vor vielen Jahren in einem Secondhandladen erstanden. Es funktioniert bis heute tadellos. Foto: Ute Levisen

„Damals wurden die Daten nicht, wie heute, elektronisch erfasst, sondern manuell. Dazu war ich aufgrund meiner körperlichen Einschränkung nicht in der Lage“, sagt Kurt Koch. Er machte das Beste draus. Koch absolvierte eine Ausbildung zum Lehrer mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung. In seiner Freizeit widmet er sich dem Wetter und dessen zuweilen überraschenden Kapriolen. Es ist eine Passion, die ihm quasi in die Wiege gelegt worden ist.

Mit akribischer Genauigkeit erfasst Kurt Koch die Niederschlagsmengen. Foto: Ute Levisen

Begeisterung für Sonne, Mond und Sterne

„Schon als Kind konnte ich mir stundenlang Himmel, Mond und Sterne ansehen – und Wolken, denn keine ist wie die andere."
So kam es, dass der kleine Kurt sieben, acht Stunden draußen stand oder auf der Wiese lag – und sich den Himmel ansah. Bei Wind und Wetter.

„Das macht mir nichts aus“, sagt er lachend. Damals nicht, und heute schon gar nicht. Im Gegenteil: Wenn sich das Wetter von seiner barschen Seite zeigt, sich Naturgewalten entfesseln, dann ist Kurt Koch in seinem Element.

Ein wetterfestes Glas zum Messen der Niederschläge gehört zur Ausstattung des Hobby-Meteorologen. Foto: Ute Levisen

Respekt vor dem Wetter

„Man sollte Respekt vor dem Wetter haben“, findet der begeisterte Hobby-Meteorologe. Nach den vielen Jahren mit dem Wetter stellt Koch vor allem eines fest: „Wetterschwankungen gibt es seit Menschengedenken. Das ist normal. Doch eines steht zweifelsfrei fest. Es sind die Wetterextreme, die in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Und dies zum Teil – extrem.“

Schon als Kind hat sich Kurt Koch viel im Freien aufgehalten, um das Wetter zu beobachten. Foto: Ute Levisen

Extremes Wetter

Der Mensch könne sich nicht frei davon sprechen, zumindest in gewissem Ausmaß Ursache des Übels zu sein. „Ebenso wenig können wir ausschließen“, sagt Kurt Koch, „dass sich andere, vom Menschen unabhängige Faktoren geltend machen.“

Luftmassen, Höhenunterschiede, die Nähe zum Meer und nicht zuletzt die Größe der Städte und ihrer Häuser sind Faktoren, die sich selbst binnen vergleichsweise kurzer Distanzen auf das Wetter auswirken.

Das Wetter – ein weites Feld

Da das Wetter ein weites Feld ist, konzentriert sich Kurt Koch seit mehr als einem halben Jahrhundert auf das Wetter in seiner Heimatstadt. Dort kennt ihn inzwischen wohl jedes Kind als „Wetterfrosch“ der Domstadt, wobei oft Kurt Kochs Expertise gefragt ist, in Versicherungsangelegenheiten, beispielsweise. Weiß er doch ganz genau, wie an jedem x-beliebigen Tag das Wetter gewesen war, was bei der Schadensregulierung von entscheidender Bedeutung für Betroffene sein kann.

Urlaub mit Stellvertreter

Demnächst macht Kurt Koch erst einmal Urlaub. Nach Fünen soll die Reise gehen. Für seine Vertretung an der heimischen Wetterfront hat der Amateurmeteorologe längst gesorgt. Schließlich muss jeder Tag sorgfältig ausgewertet werden.

Das Wetter macht keine Pause.

In seinem Garten beobachtet Kurt Koch gern, was sich am Himmel tut. Foto: Ute Levisen
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