Møllen-Theater

Genug Palle für alle

Ute Levisen
Ute Levisen Lokalredakteurin
Hadersleben/Haderslev
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Klaus Andersen in einer Meisterleistung als Palle. Foto: Ute Levisen

„Palle stadig alene i verden”: Das Møllen-Theater präsentiert aktuell eine Eigenproduktion, die unter die Haut geht.

„Palle stadig alene i verden” – mit dieser dramatisch dichten Eigenproduktion, die das Møllen-Ensemble bis Ende dieses Monats zeigt, verabschiedet sich das Møllen-Theater in die Sommerferien.

In der vergangenen Woche hatte die Møllen-Inszenierung am Mühlenstrom Premiere – und das Publikum konnte sich bei dieser Ein-Mann-Vorstellung einmal mehr von der nahezu unheimlich anmutenden Wandlungsfähigkeit von Schauspieler Klaus Andersen in den Bann ziehen lassen.

„Es gibt genug Palle für alle!“ lautet der Leitspruch des Protagonisten, des lebenslustigen Palle, an dessen Lebenszyklus uns Andersen mit schauspielerischer Meisterleistung teilhaben lässt: Wir sehen den jungen Lokomotivführer Palle, der Selma, die Liebe seines Lebens, heiratet – eine Familie gründet. Glücklich wird?! Und dieses Glück im „Suff“ ertränkt. Wir erleben einen Palle, der sich schließlich, alt und gebrechlich, in einem von der öffentlichen Hand lieblos verwalteten Pflegeheim zwischen „Urin-Dispensern“ wiederfindet. Ganz allein. Wieder einmal. Verlassen und gepeinigt von Erinnerungssplittern an die gute alte Zeit in der Band „Die Brandenburger“, in der Palle Klampfe spielte... Fort sind die Kameraden, weg die Freunde – weggebrochen die beiden Säulen seines Daseins: Ehefrau Selma und Palles Mutter.

Geblieben sind ihm einzig die alten Schallplatten, bei deren beruhigendem Scratchen Palle, nunmehr allein im Heim, Trost findet, denn Sohn Michael lässt sich nur selten blicken.

Erfolgreiches Trio: Ole Sørensen, Klaus W. Andersen & Brian Wind-Hansen Foto: Ute Levisen

Voller Witz und noch mehr Wehmut

Basierend auf dem Manuskript von Brian Wind-Hansen und in der Regie von Ole Sørensen, ist dem Møllen mit seiner Inszenierung erneut ein ganz großer Wurf gelungen: Voller Witz und noch mehr Wehmut. Vor allem aber packt das Theater Møllen damit ein hochaktuelles Thema dramatisch an: Wie gehen wir, wie geht unsere Gesellschaft mit alten Menschen um? Und die unvermeidliche Frage, wie es einem selbst ergehen mag, wenn man mal nicht mehr kann wie man will. – Wie dem alten Großvater und seinem Enkel aus Grimms Märchen?

Eine, milde ausgedrückt, unangenehme Aussicht, und „Palle immer noch allein auf der Welt“, erinnert schmerzlich daran, dass es – damals wie heute – genug Palle gibt für alle.

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