Gesundheit

Arzt Kley zum neuen Organspendegesetz: „Den Angehörigen die Last nehmen“

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Hans-Iver Kley ist Hausarzt in Hadersleben und Kommunalpolitiker der Schleswigschen Partei (Archivbild).

Seit dem 1. Juni gilt in Dänemark ein neues Organspendegesetz: Alle Erwachsenen sind aufgefordert, Stellung zu beziehen – für oder gegen eine Spende nach dem Tod. Hausarzt Hans-Iver Kley aus Hadersleben erklärt, warum eine Entscheidung auch nächste Verwandte entlasten kann.

Nun ist das Gesetz in Kraft getreten. Seit dem 1. Juni sind alle Däninnen und Dänen über 18 Jahre Organspenderinnen und -spender. Aber: Es gibt keinen Automatismus. Die Menschen innerhalb des genannten Personenkreises müssen aktiv Stellung beziehen, ob sie Organe nach ihrem Tod spenden wollen oder nicht.

Wie die Nachrichtenagentur „Ritzau“ berichtet, starben im vergangenen Jahr 15 schwerkranke Menschen, die auf der Transplantationsliste standen, bevor ein gespendetes Organ verfügbar war. Im Jahr 2023 waren es 28. Derzeit umfasst die Liste 400 Namen. Um dem Organmangel zu begegnen, entschloss sich das dänische Parlament dazu, die Regeln zu ändern.

Brief an Millionen Dänen

Und um die Menschen im Königreich zu einer Entscheidung zu bewegen, verschickt das Innen- und Gesundheitsministerium einen Info-Brief an Millionen Bürgerinnen und Bürger. Bereits im Dezember vergangenen Jahres ging ein Brief raus mit der Aufforderung, Stellung zu beziehen. Das taten danach rund 155.000 Personen.

Meist geht es bei diesem heiklen Thema um die Patientinnen und Patienten, die dringend ein gespendetes Organ benötigen oder um die Menschen, die entscheiden müssen, ob sie ihre Organe nach dem Tod zur Verfügung stellen.

Eigene Entscheidung nimmt Druck von Angehörigen

Hans-Iver Kley, Hausarzt in einer Gemeinschaftspraxis in Hadersleben, macht auf eine andere Gruppe aufmerksam: die Angehörigen, die eventuell entscheiden müssen, ob die Organe eines Verstorbenen weitergegeben werden, beispielsweise nach einem tödlichen Unfall. „Wer sich nun aktiv entscheidet, nimmt den Angehörigen diese Last“, so der Hausarzt, der darauf hinweist, dass Ärztinnen und Ärzte dann auch die Frage nach der Spendenbereitschaft erspart bleiben.

Im Praxisalltag von Hans-Iver Kley spielt das Thema Organspende aber keine Rolle. Doch sieht er es als positiv an, dass über das Thema mehr gesprochen wird und kann sich vorstellen, dass es zukünftig mehr Organspenden gibt.

„Es wäre gut, wenn mehr Organe zur Verfügung stünden“, resümiert Hans-Iver Kley, so stünden die Chancen auch besser, ein passendes Organ für einen kranken Menschen zu finden.