Deutsche Minderheit

Kley: Minderheit sollte die neuen Grenzkontrollen nicht feiern

Kley: Minderheit sollte die neuen Grenzkontrollen nicht feiern

Kley: Minderheit sollte neue Grenzkontrollen nicht feiern

Apenrade/Aabenraa
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Katharina Kley
Katharina Kley will mit den Politikerinnen und Politikern in Kopenhagen ins Gespräch kommen. Freude über die veränderten Grenzkontrollen kann sie nur bedingt nachvollziehen (Archivfoto). Foto: Karin Riggelsen

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Die Chefin der deutschen Jugendpartei in Nordschleswig hätte sich mehr Kritik an dem „klitzekleinen Schritt“ gewünscht, der an der Grenze gemacht wurde. Für sie sind die Kontrollen weiter ein „illegales“ Hindernis. Katharina Kley erklärt im Interview, wie sie Politikerinnen und Politiker zum Umdenken bringen will.

Die Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Dänemark sind kürzlich erneut verlängert worden. Allerdings wird weniger Personal eingesetzt – und an den meistgenutzten Übergängen nicht mehr rund um die Uhr kontrolliert. Eine Nachricht, die viele im Grenzland und in der Minderheit erfreut aufgenommen haben.

Wie Tonderns Bürgermeister Jørgen Popp Petersen („Schengen ist Schengen"), beharren die Europäische Jugend, die Jungen Spitzen und die Jugend des Grenzvereins allerdings darauf, dass die Grenzkontrollen komplett abgeschafft gehören.

„Wenn die Minderheit die Umordnung der Grenzlockerungen gefeiert hat, legitimiert sie nur die Politik der Regierung, statt dafür zu kämpfen, die Grenzkontrolle völlig abzuschaffen“, sagt etwa Jakob Wind, Landesvorsitzender der Europäischen Jugend in Dänemark, in einer gemeinsamen Pressemitteilung der drei Verbände.

Grund genug, bei Katharina Kley anzurufen, der Vorsitzenden der Jungen Spitzen, der deutschen Jugendpartei in Nordschleswig, und sie zu fragen, was hinter der Kritik der drei Verbände steckt.

Man darf so einen klitzekleinen Schritt, wie die Regierung ihn jetzt getan hat, nicht als großen Erfolg hinnehmen.

Katharina Kley

Katharina Kley, war das, was jetzt an den Grenzübergängen passiert ist, nicht ein Schritt in die Richtung, die ihr euch wünscht?

Grundsätzlich ja, aber eben ein viel zu kleiner. Man tut nur so, als würde man lockern, in Wirklichkeit hat es ja keinen Unterschied gemacht, bis jetzt jedenfalls noch nicht viel. Wir hätten uns gewünscht, dass die Grenzkontrollen ganz abgeschafft werden oder dass auf jeden Fall ein wesentlich größerer Schritt in Richtung Abschaffung der Grenzkontrollen gemacht wird.

Im Grenzland hat die Politik zunächst vorwiegend positiv darauf reagiert, dass Stichprobenkontrollen statt permanenter Kontrollen gekommen sind. Weshalb stoßt ihr euch daran?

Wir wünschen uns einen etwas kritischeren Zugang. Also dass man diesen kleinen Schritt nicht so sehr feiert, sondern dass man weiterhin darauf drängt, dass das noch lange nicht genug ist und dass die Grenzkontrollen ganz wegmüssen. Man darf so einen klitzekleinen Schritt, wie die Regierung ihn jetzt getan hat, nicht als großen Erfolg hinnehmen. Denn das ist er ja leider nicht.

Erklär noch einmal, was ihr gegen die Grenzkontrollen habt.

Die Grenzkontrolle trennt unser Grenzland. Sie verhindert die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, sowohl symbolisch als auch praktisch. Sie ist sehr teuer und im Verhältnis zum Preis ineffizient, was etwa die Anzahl an Anzeigen oder beschlagnahmten Waffen angeht. Die Kontrollen sind ein Schritt in die ganz falsche Richtung, weil wir als Jugend uns ein offenes Europa wünschen. Ein Europa, wo gerade über Grenzen hinweg zusammengearbeitet wird und wo eben die Grenzen aus den Köpfen der Leute verschwinden und nicht wie jetzt verdeutlicht werden.

Feste Fahrbahnmarkierungen, die zwei Spuren auf eine verengt haben, wurden kürzlich in Krusau (Kruså) abgefräst, und Schilder wurden weggetragen. Foto: Marle Liebelt

Warum glaubt ihr, dass ihr als Jugendliche da etwas bewegen könnt?

Der erste Schritt zur Abschaffung ist, dass es eine Diskussion gibt, ein kritisches Gespräch darüber, ob man überhaupt Grenzkontrollen benötigt und wieso. Und wie man es anders machen könnte. Da haben wir auch unterschiedliche Perspektiven. Jonas Wind von der Europäischen Jugend zum Beispiel hat einen etwas breiteren Winkel aus Kopenhagen. Ihm ist es wichtig, dass wir ein offenes Europa haben und dass die Grenze auch aus gesamtdänischer Sicht offen bleibt. Denn eine gute Beziehung zu Deutschland als größter Handelspartner ist einfach wichtig. Und es ist wichtig, immer wieder zu unterstreichen, dass die Kontrollen laut EU-Gesetz einfach illegal sind. Wir als guter Teil der EU und gute Mitbürgerinnen und Mitbürger in der EU sollten daran mitarbeiten, wenn es darum geht, ein offenes Europa zu schaffen.

Diese Botschaft wollt ihr nun auch ins Folketing tragen ...

Ja, wir haben eine Demo am Mittwoch vor dem Folketing geplant, wo wir einige Folketingspolitikerinnen und -politiker aufwecken wollen und hoffentlich mit ihnen ins Gespräch kommen. Ansonsten machen wir durch Beiträge in den Medien und in sozialen Medien viel, besonders diese Woche.

Wie geht ihr denn auf Politikerinnen und Politiker zu, die meistens doch schon eine vorgefertigte Meinung zum Thema haben?

Ja, da gibt es Parteilinien. Aber man merkt einen Unterschied zwischen Politikerinnen und Politikern aus Süddänemark und anderen Landesteilen. Besonders bei denen, die anderswo im Land aktiv sind, ist es wichtig, sie über die Realitäten im Landesteil aufzuklären, kritisch zu hinterfragen, ob sie überhaupt wissen, wie viele Leute über die Grenze pendeln und was es hier eigentlich für ein Zusammenleben gibt. Das wissen nicht alle, die nicht hier aus dem Grenzland kommen. Ich hinterfrage dann immer, ob sie nicht finden, dass man es besser machen könnte – zum Beispiel durch Hinterlandkontrollen, die die normalen Bürgerinnen und Bürger, den normalen Alltag im Grenzland nicht so doll stören.

 

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