Alkoholkonsum im Pflegeheim

Ein schwieriger Cocktail

Ein schwieriger Cocktail

Ein schwieriger Cocktail

Odense/Apenrade
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Foto: dpa (Symbolfoto)

Zunehmender Alkoholkonsum in Pflegeheimen führt der Syddansk Universitet zufolge zu Problemen. Ein Projekt soll nun Abhilfe schaffen.

Ältere Menschen trinken heutzutage mehr Alkohol als in früheren Zeiten, haben Wissenschaftler der Syddansk Universitet (SdU) festgestellt. Das kann zum einen bei den Menschen zu gesundheitlichen Problemen führen, zum anderen fordert dies die Pflegeeinrichtungen stark. Im Projekt der SdU „Ældrevelfærd og alkohol – en vanskelig cocktail“ untersuchen Forscher in den kommenden drei Jahren den Einfluss des Alkohols auf das Miteinander von Pflegern, Angehörigen und Bewohnern in diesen Einrichtungen. In dem Vorhaben arbeiten Philosophen und Alkoholforscher mit der Kommune Vejle zusammen.

Ethische und rechtliche Frage

Das Mitwirken der Geisteswissenschaftler weist auf eine ethische und rechtliche Frage hin: Die Menschen im Pflegeheim entscheiden selbst, wann wie viel Wein ins Glas kommt und wie oft es gefüllt wird. Diese Personen seien nicht entmündigt, unterstreicht auch Hans Grundt, Abteilungsleiter des Sozialdienstes Nordschleswig, sie hätten das Recht, ihr Leben so zu leben, wie sie es für richtig halten. Er sieht aber auch, dass ein hoher Alkoholkonsum zu mehr Pflegebedarf führen kann. Gut geschultes Personal sei aber auf diese
Fälle vorbereitet. Ob eingeschritten werden sollte, müsse von Fall zu Fall entschieden werden. Und um dieses von Fall zu Fall geht es in dem Forschungsvorhaben. Die Wissenschaftler wollen zuerst feststellen, wo Probleme mit Alkohol in der täglichen Pflege auftreten und welcher Art sie sind.

Keine Richtlinien

„In den Pflegeeinrichtungen, mit denen wir zusammenarbeiten, gibt es keine Richtlinien zum Alkoholkonsum. Meist wird vom Pflegepersonal von Fall zu Fall reagiert“, sagt Professor Søren Harnow Klausen von der SdU. Ziel ist es, Leitlinien für das Pflegepersonal zu entwickeln. Diese geben dem Pflegepersonal mehr Sicherheit bei problematischen Gesprächen.

Laut Syddansk Universitet sind heute 10 bis 15 Prozent der Menschen, die aufgrund ihres Alkoholmissbrauchs behandelt werden, über 60 Jahre – früher waren es nur ein paar Prozent. Und jeder Vierte zwischen 65 und 74 Jahren überschreitet Jyllands-Posten zufolge in Sachen Bier, Schnaps und Wein das Maximum der von der Gesundheitsbehörde empfohlenen Menge.

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