Deutsche Minderheit

Weshalb die Bücherei in Apenrade Vorbild für Schleswig-Holstein ist

Weshalb die Bücherei in Apenrade Vorbild für Schleswig-Holstein ist

Weshalb die Bücherei in Apenrade Vorbild für SH ist

Apenrade/Aabenraa
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Melanie Fechner
Melanie Fechner, Auditorin von der Büchereizentrale Schleswig-Holstein, im Gespräch mit Büchereidirektorin Claudia Knauer. Foto: Cornelius von Tiedemann

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Ausgezeichnet: Die Deutsche Zentralbücherei in Apenrade ist eine von nur wenigen Bibliotheken, die sich rezertifiziert nennen können. Das liegt am Engagement der Mitarbeiterinnen – und an „herausragenden“ Netzwerken, verrät SH-Büchereizentralen-Direktor Oke Simons.

Die deutsche Zentralbücherei in Apenrade ist und bleibt „Qualifizierte Bibliothek zwischen den Meeren“. Am Mittwochnachmittag hat eine Delegation der Büchereizentrale Schleswig-Holstein die Beweise dafür – eine Tafel und ein Diplom – nach Apenrade gebracht und an Büchereidirektorin Claudia Knauer und ihr Team übergeben.

2017 war die deutsche Bücherei in Nordschleswig die erste überhaupt, die sich der Qualitätsprüfung unterzog und zertifiziert wurde. Drei Jahre lang gilt der Büchereien-TÜV in Schleswig-Holstein. Wegen Corona aber musste die Plakette auch mal etwas länger hängen bleiben. Nun hat es die neue Plakette nach Apenrade geschafft – und die Zentralbücherei ist erneut Vorreiterin: Nur eine weitere Bücherei im Netzwerk der schleswig-holsteinischen Bibliotheken ist bisher rezertifiziert.

Stichhaltige Strategien für Nordschleswig

„Für uns ist es eine Bestätigung, dass wir eine gute Bibliotheksarbeit machen“, sagt Bücherei-Direktorin Claudia Knauer – und fügt an: „Und wir können nach außen, auch dem Bundesministerium des Innern, welches uns dankenswerterweise über den BDN fördert, zeigen, dass wir solide Arbeit machen. Und das ist schon gewichtig.“

Hier geht die Bücherei mit ihrer Experimentierfreude, der Freude, Neues auszuprobieren, immer wieder neue Wege und bleibt für solche Partner wie Schulen und Kitas interessant und zeigt sich als verlässlicher Partner im Bereich der Leseförderung und im Bereich der Förderung von Medienkompetenz.

Oke Simons

Und weshalb kommt das Gütesiegel auch den Nutzerinnen und Nutzern in Nordschleswig zugute? „Weil wir unsere Arbeit auf einen externen Prüfstand stellen. Hält das, was wir machen, auch Stich, wenn andere es überprüfen?“, erklärt Knauer.

Und das tut es offensichtlich. Für das öffentliche Büchereiwesen in Schleswig-Holstein sei die Zentralbücherei in Apenrade eine wichtige Partnerin – auch wenn es darum geht, neue Wege zu gehen, sagt Oke Simons. Er ist Direktor der Büchereizentrale und händigte das Qualitätssiegel „Qualifizierte Bibliothek zwischen den Meeren“ in Apenrade an Knauer aus.

Er sagt, die deutschen Kolleginnen in Apenrade hätten ein „etwas freieres Denken ein Stück weit auch von ihren dänischen Kollegen mit aufgesogen, und das strahlt dann auch in unser Büchereisystem in Schleswig-Holstein mit aus.“

Ein neues Gütesiegel für die Zentralbücherei. Es freuen sich von links: Friederike Sablowski (stellv. Direktorin, Büchereizentrale SH), Claudia Knauer (Büchereidirektorin, Apenrade), Silke Amthor (Leitende Bibliothekarin, Apenrade), Melanie Fechner (Auditorin, Büchereizentrale SH), Ingela Wieking (Leitende Bibliothekarin, Apenrade) und Oke Simons (Direktor, Büchereizentrale SH). Foto: Cornelius von Tiedemann

Viel Arbeit – und viel Inspiration

Derzeit sind erst acht von insgesamt 130 Büchereien, die der Büchereizentrale angeschlossen sind, zertifiziert. „Es ist auch viel Arbeit“, räumt Claudia Knauer ein. „Aber das reizt auch. Denn diese Anstöße sind einfach gut.“

Die Zertifizierung ist nämlich auch ein Leitfaden dafür, wie sich öffentliche Büchereien in Schleswig-Holstein (und Nordschleswig) entwickeln sollten, wie sie zum Beispiel auf veränderte Medien-Gewohnheiten reagieren können. Und auch die Prüferinnen und Prüfer selbst können dazulernen.

„Wir müssen jetzt zum Beispiel überlegen, welche Kriterien, die wir an den Ort haben, seit Corona überhaupt erfüllt werden können“, erklärt Oke Simons.

So wünschen wir uns das auch in Schleswig-Holstein. Das ist hier wirklich herausragend und von den Mitarbeiterinnen hier kontinuierlich weiterentwickelt worden.

Oke Simons

„Es ist aber auch wichtig, dass die Bibliothek mit der Zeit geht, wie zukunftsorientiert sie ist. Die deutsche Onleihe hat uns in Corona-Zeiten gerettet, denn mit ihr konnten wir ein Angebot machen. Diese Bücherei hier trägt unsere Onleihe zwischen den Meeren auch sehr gut mit, nicht finanziell, aber Silke Amthor (Stellvertretende Büchereidirektorin, Red.) ist ein ganz wichtiger Motor, und engagiert sich in einer AG, die sich um den Erwerb der Medien kümmert.“

Ausgezeichnete Netzwerk-Arbeit in Nordschleswig

Das, was Simons sofort einfällt, wenn er sagen soll, was die Bücherei in Apenrade so ausgezeichnet macht, ist die Netzwerkarbeit. Die hob auch die Auditorin der Büchereizentrale, Melanie Fechner, bei der Urkunden-Übergabe hervor. Kitas, Schulen und Bücherei arbeiten innerhalb der Minderheit, aber auch darüber hinaus, zusammen und bildeten eine Einheit, sagte sie.

Oke Simons meint: „So wünschen wir uns das auch in Schleswig-Holstein. Das ist hier wirklich herausragend und von den Mitarbeiterinnen hier kontinuierlich weiterentwickelt worden.“

„Es ist immer schon gut gewesen, und hier geht die Bücherei mit ihrer Experimentierfreude, der Freude, Neues auszuprobieren, immer wieder neue Wege und bleibt für solche Partner wie Schulen und Kitas interessant und zeigt sich als verlässlicher Partner im Bereich der Leseförderung und im Bereich der Förderung von Medienkompetenz. Da gibt es sehr viele Angebote, die solche schulischen Angebote nicht nur unterstützt, sondern auch als außerschulischer Lernort eine interessante Alternative zum Lernort Schule darstellt“, so Simons.

Nicht nur Vorreiterin – sondern auch lernwillig

Damit, sich mit dem Qualitätssiegel brüsten zu können, ist es für das Team der Zentralbücherei längst nicht getan, sagt Claudia Knauer, die ein kleines, aber besonders augenscheinliches Beispiel für Lernprozesse durch die Zertifizierung nennt: „Wir stellen jetzt zum Beispiel unsere Bücher mit dem Cover nach vorne aus in den Regalen. Sie werden sehr viel mehr genutzt, wenn du sie mit der Front ausstellst. Das klingt so simpel, aber das heißt, dass man auch vom Platz her ganz anders planen muss. Für die Nutzer ist es aber sehr viel anregender, das zu sehen.“

Knauer gibt, bei aller Freude über die Rolle als eine der Vorreiterinnen in Sachen Qualitätssicherung, zu bedenken, dass dank der finanziellen Absicherung der Büchereien in Nordschleswig durch das dänische Bibliotheksgesetz nördlich der Grenze mehr Handlungsspielraum bestehe, als in Schleswig-Holstein.

In Zukunft geht es auch ums Geld

Apropos Finanzen: Die Zertifizierung soll perspektivisch auch eine Grundlage für die Förderung von öffentlichen Büchereien in Schleswig-Holstein werden.

„Je mehr Punkte man erreicht, desto größer ist vielleicht ein Multiplikator, der auf einer Grundförderung aufbaut. Man kriegt jetzt nicht Hunderttausende mehr, aber es kann Anreiz sein für eine bessere Förderung, wenn man die Bücherei so ausstattet, wie wir uns das vorstellen als Büchereizentrale“, sagt Oke Simons.

Inspiration dafür können sich die Bücherei-Teams aus Schleswig-Holstein in Apenrade holen. In einer von nur zwei Büchereien, die sich rezertifizierte „Qualifizierte Bibliothek zwischen den Meeren“ nennen dürfen.

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Leserbeitrag

Henning Kracht
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