Deutsche Minderheit

Ortsvereine halten Kontaktdaten zurück: BDN kann Mitglieder nicht selbst erreichen

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Unerfüllter Wunsch: Damit beim Knivsbergfest die Ränge in der Mulde gut gefüllt sind, würde der BDN den Mitgliedern aller Ortsvereine gerne selbst eine Einladung zuschicken.

Als Dachverband der Minderheit möchte der BDN alle seine Mitglieder erreichen. Aber diese sind über die Ortsvereine gemeldet – und die möchten die Kontaktdaten nicht herausrücken. Als Vorsitzender des Ortsvereins Apenrade erläutert Hans Thomas Lorenzen seine Gründe.

Wenn der Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) eine zentrale Mitteilung hat, die alle Mitglieder im Landesteil erreichen soll, kann er diese nicht einfach an alle rund 3.000 BDN-Mitglieder herausschicken. Denn die Mitglieder sind in ihren Ortsvereinen gemeldet, die wiederum die Kontaktdaten haben und anscheinend auch gut hüten. Zumindest beklagt der BDN, dass viele Ortsvereine ihrem Dachverband keinen Zugriff darauf geben.

Kommunikationschef Harro Hallmann und Generalsekretär Uwe Jessen haben wenig Verständnis für diese Situation. „Wir wollen die Mitglieder schließlich nicht mit irrelevanten Informationen überfrachten“, sagt Hallmann auf Nachfrage. „Uns geht es um zentrale Anliegen“ – etwa eine Einladung zum Deutschen Tag oder dem Knivsbergfest.

„Wir haben bereits vor vielen Jahren das Portal Foreninglet eingeführt, um den Ortsvereinen die Verwaltung ihrer Vereinsarbeit zu erleichtern“, sagt Uwe Jessen. Aber das Angebot werde nur spärlich oder gar nicht genutzt. „Dabei würde uns das nicht nur die Kontaktaufnahme erleichtern, sondern auch die Einhaltung der Sicherheitsstandards, was den Datenschutz angeht“, ergänzt Uwe Jessen.

Festgefahrene Situation

Der Frust über die Situation ist groß. „Wir kommen in dem Anliegen nicht weiter“, sagt Harro Hallmann. Auch in einer aktuellen Kommunikationsanalyse des BDN ist das Fazit der festgefahrenen Situation scharf formuliert: „Durch die Ablehnung der Ortsvereine ist eine effektive und direkte Kommunikation mit allen BDN-Mitgliedern nicht möglich.“

Im Ortsverein Apenrade ist man mit dem Status Quo zufrieden. Der Vorsitzende Hans Thomas Lorenzen sagt auf Nachfrage, dass der Vorstand Foreninglet nicht nutze und auch nicht beabsichtige, das zu ändern. „Wir sehen in dem Portal keinen Vorteil für uns.“

Viel Zeitaufwand für wenig Nutzen

Alles, wozu man das Portal nutzen könnte, würde der Apenrader Vorstand bereits auf andere Art regeln. „Warum Zeit in die Einarbeitung und Einführung bei Foreninglet aufwenden, wenn es für uns keinen Mehrwert bietet?“, fragt der Vorsitzende auch in Hinblick auf den Umstand, dass die Vorstandsarbeit ehrenamtlich geleistet wird. „Egal ob Foreninglet oder meine eigene Datei: Am Ende muss ich die Mitgliedsdaten manuell eintragen.“

Aber von Foreninglet mal abgesehen: Auch mit der Datei, die Lorenzen erwähnt, wäre man im Haus Nordschleswig – dem Sitz des BDN – glücklich. „Die Ortsvereine wollen uns die Kontaktdaten nicht geben“, so Jessen.

Lorenzen will Kontrolle über Korrespondenz

Hans Thomas Lorenzen kann nachvollziehen, dass es im Haus Nordschleswig ein Interesse an den Daten gibt, fühlt sich in erster Linie aber seinen Mitgliedern verpflichtet: „Wir möchten gerne wissen, was an unsere Mitglieder verschickt wird und wann.“

Seine Sorge ist, dass es den Mitgliedern zu viel wird und die Konsequenz ist, dass Mitglieder die Mails ignorieren, sobald sie nur BDN lesen. „Dann haben wir ein Kommunikationsproblem.“ Lorenzen betont: „Wenn uns jemand bittet, etwas weiterzuleiten, dann tun wir das in der Regel auch.“

Eine für Uwe Jessen und Harro Hallmann nur schwer nachvollziehbare Haltung. Sie sind angestellt, um einen Job für Menschen zu machen, die sie nur über Umwege erreichen können. Es liegt lediglich in ihrer Hand, die Ortsvereine zu bitten, etwas weiterzuleiten.

„Das klappt mit sehr unterschiedlichem Engagement“, argumentiert Uwe Jessen. Für den BDN sei es, als würden sie etwas ins Nirwana versenden. Eine Rückmeldung, ob die Nachricht weitergeleitet wurde, bleibt oft ausstehend.

„Wir können nur hoffen, dass unsere Mitteilungen unsere Mitglieder erreichen. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt“, sagt Uwe Jessen verzweifelt.