Gesundheit

Lene macht den Krankenhausalltag für die Menschen sicherer

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Lene Juel Kjeldsen ist Pharmazeutin und forscht am Apenrader Krankenhaus.

Manche Menschen bekommen im Krankenhaus zu viele Medikamente. Solche Fehler kommen vor, sollen jedoch reduziert werden. Deshalb forscht Pharmazeutin Lene Juel Kjeldsen. Was sie sonst noch verbessern will, erzählt sie im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Auch in Krankenhäusern können Fehler bei der Einteilung und Ausgabe von Medikamenten passieren – wenn auch selten. Im Krankenhaus in Apenrade (Sygehus Sønderjylland) ist das nicht anders. Doch dank der Arbeit von Pharmazeutin und Forscherin Lene Juel Kjeldsen konnten diese Risiken deutlich minimiert werden.

Fehler bei der Medikamentenausgabe

„Wir haben uns überlegt, wie wir das verhindern können“, erklärt Kjeldsen. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass das Pflegepersonal bei der Vorbereitung von Medikamenten häufig unterbrochen wurde – etwa durch klingelnde Telefone oder Hilferufe von Patientinnen und Patienten. Diese Störungen beeinträchtigten die Konzentration und führten in manchen Fällen zu Fehlmedikationen, berichtet sie. Das passiert durchschnittlich in 1,6 Prozent der Fälle, ergab eine landesweite Studie.

Die Lösung: Inzwischen übernehmen Mitarbeitende der krankenhauseigenen Apotheke die Aufgabe, die Medikamente für sieben Abteilungen des Krankenhauses zusammenzustellen. „Durch den Einsatz konnten wir die Fehlerquote sehr verringern“, sagt Juel Kjeldsen mit erkennbarem Stolz. Die ohnehin seltenen Versehen sind jetzt noch seltener.

Bei der Zusammenstellung von Medikamenten können sich Fehler einschleichen. Die Fehler sollen durch die Forschung am Krankenhaus verringert werden (Archivfoto).

Ein komplexes Problem, das weiter angegangen wird

Doch Kjeldsen und ihr Forschungsteam arbeiten daran, die Medikamentenvergabe im Krankenhaus noch weiter zu verbessern. Ein Hauptproblem sei die Verschreibung von Medikamenten, die teilweise zu hoch dosiert seien oder Wechselwirkungen auslösten.

Fehler im System

„Das liegt am System“, erklärt Juel Kjeldsen. Die Spezialisierung der einzelnen Abteilungen führe dazu, dass Ärztinnen und Ärzte oft nur aus ihrer fachlichen Perspektive beurteilen. „Es fehlt der breite Überblick“, sagt sie. Dazu kommt, dass Zeitdruck häufig schnelle Entscheidungen erzwingt, und nicht alle relevanten Informationen in den digitalen Patientenjournalen für alle einsehbar sind.

Sie hofft, dass das Problem durch eine neue politische Absprache, die jüngst getroffen wurde, abnehmen wird. Die verschiedenen Systeme sollen zukünftig besser miteinander kommunizieren und Akten umfassender einsehbar sein. „Dann kann das medizinische Personal auf alle Einträge zugreifen“, so die Krankenhausmitarbeiterin.

Diese Faktoren schlagen sich direkt auf die Medikamentenlisten nieder. „Es können Medikamente verschrieben werden, die nicht zueinanderpassen“, erklärt Kjeldsen. Es kann zu Wechselwirkungen kommen.

Neue Ansätze: Mehr Kontrolle und Dialog

Auf den Stationen ist teilweise viel los (Symbolfoto).

Eine wichtige Veränderung wurde aufgrund der Forschung bereits eingeführt: Die Pharmazeutinnen und Pharmazeuten des Krankenhauses überprüfen systematisch die Akten der Patientinnen und Patienten und werfen dabei einen besonders genauen Blick auf die Medikamentenlisten. Bei Bedarf suchen sie auch das persönliche Gespräch mit den Betroffenen.

„Dabei können wir außerdem feststellen, wie die Menschen mit den Medikamenten zurechtkommen“, berichtet Kjeldsen.

Persönliche Entscheidung

Manchmal seien die Nebenwirkungen so schwerwiegend, dass die Lebensqualität der Betroffenen stark leide. In einigen Fällen entscheide man dann gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten, eine Behandlung zu beenden. „Das ist eine persönliche Entscheidung“, betont die Forscherin.

Herausforderungen und Blick in die Zukunft

Allerdings stoßen Juel Kjeldsen und ihr Team hier an ihre Grenzen. „Wir haben einfach nicht genügend Ressourcen“, erklärt sie. Der Überblick über die gesamte Medikamentenvergabe für alle Patientinnen und Patienten sei so nicht machbar.

Sie sieht jedoch optimistisch in die Zukunft. Künstliche Intelligenz (KI) könnte schon bald eine wichtige Rolle spielen. „In wenigen Jahren werden wir sicherlich damit arbeiten und die Technologie in unseren Alltag einbezogen haben“, ist sie überzeugt.

Fünf Ratschläge

Lene Juel Kjeldsen hat fünf Ratschläge für Patientinnen und Patienten:

  • Nimm die Medikamente, wie der Arzt sie verordnet hat.
  • Nimm die Medikamente jeden Tag zum gleichen Zeitpunkt.
  • Bewahre die Medikamente so auf, wie es auf der Packung und der Beilage beschrieben ist.
  • Nimm keine Medikamente ein, deren Haltbarkeitsdatum überschritten ist. Bringe diese zur Apotheke, dort werden sie sachgerecht entsorgt.
  • Frage deine Ärztin, deinen Arzt oder in der Apotheke, wenn du Zweifel hast (Wirkung, Nebenwirkung, vergessene Dosis oder bei der Einnahme von mehreren Medikamenten).

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