Nordschleswig

Wie die Schleswigsche Partei schon Kinder ans Ehrenamt heranführen will

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Louise Thomsen Terp, Stadtratsmitglied in Tondern, hat den Vorschlag mit initiiert.

Wie bekommt man mehr Menschen dazu, sich ehrenamtlich zu engagieren? In Nordschleswig ist dies eine Herausforderung für Vereine und Verbände. Die Schleswigsche Partei hat in einem neuen Papier eine Vision gezeichnet, wie mit verbesserten Rahmenbedingungen bereits Kinder an freiwillige Arbeit herangeführt werden sollen.

Viele Vereine und Verbände in Dänemark haben Schwierigkeiten, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer zu finden. Die Gründe dafür sind vielfältig und machen auch vor Nordschleswig nicht halt.

Beim Tischtennis etwa, das Trainer Christian Flader vom Deutschen Jugendverband für Nordschleswig (DJN) anbietet, fehlen ehrenamtliche Helfende, um das Angebot auszubauen. Beim MTV Apenrade setzt der Vorstand auf spezielle Angebote, um Anreize für ehrenamtliche Arbeit zu setzen. Der Nordschleswigsche Ruderverband (NRV) will die Angebote für Schulen verbessern und hofft, so auch die Eltern stärker einbinden zu können, doch es fehlen auch ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer.

Die deutsche Minderheit hat bereits bei einem Themenabend Lösungen erörtert, wie das Vereinsleben der Zukunft aussehen könnte. Etwa durch die Zusammenlegung von Vereinen, bessere Integration oder neue Wege bei der Rekrutierung von Ehrenamtlichen.

Vier Initiativen in Nordschleswig

Die Schleswigsche Partei (SP) hat sich das Thema Ehrenamt ebenfalls auf die Fahnen geschrieben und eine neue politische Vision erarbeitet, mit der das Ehrenamt als Grundlage für Gemeinschaft und Zusammenhalt in Nordschleswig gestärkt werden soll. Darin enthalten sind vier Initiativen, um dies zu erreichen.

Die Kommunen Apenrade, Tondern (Tønder), Hadersleben (Haderslev) und Sonderburg (Sønderborg) sollen zu Vorreiterkommunen für Gemeinschaft und Engagement werden. Dafür möchte die SP die Rahmenbedingungen schaffen – und zwar mit

  • Freiwilligenarbeit auf dem Stundenplan, um Kinder schon früh an das Ehrenamt heranzuführen. Durch Praktika, die das Wohlbefinden, das Verantwortungsbewusstsein und die demokratische Bildung stärken.
  • einer Freiwilligenakademie für Nordschleswig, in der Weiterbildung, Erfahrungsaustausch und innovative Kooperationen im Mittelpunkt stehen, um Menschen zur aktiven Mitarbeit zu motivieren.
  • einer gemeinsamen Vision für den Titel „Europäische Hauptstadt der Freiwilligenarbeit 2035“, in der die gemeinsame Vision der vier Kommunen über die Kommunegrenzen hinweg gebündelt werden soll.
  • bezahlten freien Tagen für Freiwillige. Kommunen und Unternehmen sollen ermutigt werden, Mitarbeitende, die sich ehrenamtlich engagieren, zum Nutzen der Zivilgesellschaft freizustellen.

Weniger Bürokratie und mehr Unterstützung

Nach Ansicht der SP soll es einfach und sinnvoll sein, sich zu engagieren – etwa über Praktika von Schülerinnen und Schülern bis zu Engagement Erwachsener in Vereinen und bei der Bereitschaft. Dafür brauche es weniger Regeln, mehr Unterstützung und gemeinsame kommunale Anstrengungen. So will die SP mehr Raum für Menschen schaffen, sich einzubringen, meint die SP.

Weil der Vorschlag auch eine Reaktion auf die zunehmende Migration in den Landesteil ist, die neues Leben in die vier Kommunen bringt, soll Freiwilligenarbeit ebenfalls als Weg zur Integration, zum Lernen und zum lokalen Engagement dienen und gefördert werden.

„Wir wollen die Gemeinschaft durch weniger bürokratische Hürden, bessere Unterstützung und eine frühzeitige Einführung in den Schulen stärken. Freiwilligenarbeit muss attraktiv, anerkannt und zugänglich sein“, sagt Louise Thomsen Terp, Ratsmitglied in der Kommune Tondern. Für sie sind ehrenamtliches Engagement und gemeinschaftliches Zusammenleben das Herz der nordschleswigschen Gesellschaft.

Integration als treibende Kraft

Terp, die eine der Initiatorinnen und Verfasserin des Vorschlags ist, führt weiter aus: „Wenn wir uns zusammentun, die Freiwilligenarbeit in den Mittelpunkt stellen und Raum für Beteiligung schaffen, kann die Integration zu einer treibenden Kraft sowohl für den Zusammenhalt als auch für die künftige Entwicklung werden.“