Deutsche Minderheit

Allrounderin geht in den Vorruhestand

Allrounderin geht in den Vorruhestand

Allrounderin geht in den Vorruhestand

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Apenrade/Aabenraa
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Mary Tarp im deutsch-dänischen Medienhaus in Apenrade Foto: Karin Riggelsen

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Mary Tarp hat in fast allen Abteilungen des „Nordschleswigers“ gearbeitet. Die Vertriebsleiterin scheidet aus dem Arbeitsmarkt aus. Dann bleibt ihr mehr Zeit, sich ihren ehrenamtlichen Aktivitäten zu widmen. Sie blickt im Interview zurück auf die knapp 30 Jahre, in denen sie dem Nachrichtenmedium der Minderheit arbeitsmäßig verbunden war.

Außer Raumpflege und dem Gestalten von Anzeigen hat Mary Tarp so ziemlich alle Arbeitsfunktionen wahrgenommen in den mehr als 27 Jahren ihrer Zugehörigkeit zum „Nordschleswiger“. Mary Tarp schnupperte erstmals Redaktionsluft im Sommer 1994. Sie übernahm die Urlaubsvertretung von Ilse Jacobsen, der damaligen Sekretärin von Chefredakteur Siegfried Matlok. Am 31. Oktober verabschiedet sich die 66-jährige Pattburgerin in den Vorruhestand.

Als die Vertretungsperiode zu Ende ging „kam man auf die Idee“, dass sie eine Urlaubsvertretung im Vertrieb übernehmen könnte, sagt die 66-jährige Pattburgerin und schmunzelt. Danach reihten sich weitere Vertretungsaufgaben im Vertrieb und der Anzeigenabteilung aneinander. 1995 übernahm sie einen festen Arbeitsbereich, als sie in das Schulprojekt des „Nordschleswigers“, das den Deutschunterricht an dänischen Schulen förderte, eingebunden wurde.

Die Vertriebsleiterin des „Nordschleswigers" geht nach über 27 Dienstjahren in den Vorruhestand. Foto: Karin Riggelsen

Chefsekretärin übernahm auch den Fahrdienst

1997 wurde der Posten im Sekretariat des Chefredakteurs vakant. Die Stelle wurde Mary Tarp angeboten und sie rückte in das Chefsekretariat, wo sie auch Aufgaben, die die Arbeit des Chefredakteurs in Kopenhagen berührten, wahrnahm.

„Und, dann saß ich oben bei Matlok, bis er 2013 aufhörte“, erzählt Mary Tarp. Dass Matlok bis 2006 das Sekretariat der deutschen Minderheit in Kopenhagen leitete, hatte auch Einfluss auf ihre Arbeit. „Da habe ich viele praktische Aufgaben erledigt. Reisen gebucht und auch so manches Mal den Fahrdienst zum Bahnhof in Rothenkrug gemacht“, blickt Tarp zurück. Die Zeit im Vorzimmer des Chefredakteurs hat sie als „hochinteressant, sehr spannend und auch etwas stressig“ in Erinnerung.

Aufgaben im Redaktionsteam

Zu ihren Aufgaben gehörten ehemals auch feste wöchentliche Vertretungen im Korrektorat und der Lokalredaktion in Tingleff (Tinglev). Darüber hinaus war Mary Tarp in den Wochenendturnus des damaligen Webdienstes eingebunden.

Im Verlag angestellt

Nach der Ernennung Gwyn Nissens zum Chefredakteur und der verstärkten Digitalisierung reduzierten sich Tarps Aufgaben in der Redaktion. „,Der ,Nordschleswiger‘, hat sich wirklich weiterentwickelt. Aus Sicht der Mitarbeiterin gehört so eine Entwicklung dazu. Das ist gut, weil man nicht auf dem technologischen Stand von 1993 hängen bleiben kann“, unterstreicht die scheidende Mitarbeiterin, die immer im Verlag angestellt gewesen ist. In den ersten Jahren leitete Eckardt Klahn den Verlag. 1996 wurde Christian Andresen Geschäftsführer. Tarp unterstreicht, dass die Digitalisierung des „Nordschleswigers“, problematisch wird, sobald sie den Hut der Vorsitzenden der Nordschleswigschen Gemeinde (NG) aufsetzt: „Dann wird es problematisch aus dem einfachen Grund, weil viele Ältere die Zeitung lesen.“ Mary Tarp steht der NG seit 2013 vor.

Mary Tarp hat guten Einblick in die Arbeit der verschiedenen Abteilungen des Onlinemediums. Foto: Karin Riggelsen
Mary Tarp in ihrem Büro Foto: Karin Riggelsen

Zeitung im Zwei-Wochen-Rhythmus

Seit der „Nordschleswiger“ am 3. Februar eine kostenlose Onlinezeitung ist, und der Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) lediglich eine 14-tägige Zeitung mit bereits online erschienenen Artikeln herausgibt, widmet sich Mary Tarp auch Vertretungen in der Anzeigenabteilung und der Buchhaltung.

„Die Arbeit im Vertrieb ist im Grunde genommen die Gleiche geblieben, aber nicht mehr so zeitaufwendig. Denn jetzt erscheint die Zeitung nicht sechsmal die Woche, sondern nur jede zweite Woche“, erklärt Mary Tarp, die vor etwa drei Jahren die Leitung des Vertriebes übernahm, nachdem sie dort einige Jahre als Assistentin tätig gewesen war.

Engagement fürs Ehrenamt wird intensiviert

Bei der Umstrukturierung des „Nordschleswigers“ sind unter anderem Stellen in der Anzeigenabteilung gestrichen worden. Mary Tarps Tätigkeiten im Vertrieb werden fortan von Heinrich Rewitz, der auch für die Anzeigen zuständig ist, wahrgenommen. Für Mary Tarp bedeutet der Abschied vom Medienhaus an der Schiffbrücke in Apenrade, dass sie ihr Engagement für das Ehrenamt intensivieren kann.

Verlagsangestellte Mary Tarp Foto: Karin Riggelsen

Bund und Gemeinde fordern Einsatz

Mary Tarp engagiert sich seit Jahrzehnten in der Minderheitenarbeitet, wo sie seit 2007 den Vorsitz des BDN-Bezirkes in ihrer Heimatkommune innehat.

Der Bezirk Apenrade ist mit seinen neun Ortsvereinen der größte Bezirk, der insgesamt vier Bezirke in Nordschleswig. „Alle sagen, das sind viele Ortsvereine. Aber die Vereine sind gut verteilt und es wird gut zusammengearbeitet. Ich finde, sie machen es hervorragend“, lobt Mary Tarp „ihre“ Mitglieder.

Zum Vorsitz in der Nordschleswigschen Gemeinde kam Mary Tarp durch ihren Mann. Helmuht Tarp ist seit 1983 Kirchenvertreter im Pfarrbezirk Gravenstein (Gråsten). „Ich habe Helmuht zu einer Kirchenvertretertagung begleitet. Das war sehr interessant. Als ich später gefragt wurde, ob ich den neu zu besetzendem Vorsitz übernehmen wollte, habe ich mir das durch den Kopf gehen lassen“, sagt Mary Tarp. Sie wurde auf einer außerordentlichen Kirchenvertretertagung im Januar 2013 gewählt.

„Ich hatte mich vorher darüber informiert, was in so einem Amt auf mich zukommen könnte. Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass kurz nach meinem Antritt die Suche nach neuen Pastorinnen und Pastoren zu meinen ersten Aufgaben gehören würde, da einige Seelsorger in neue Stellen wechselten“, erinnert sich Tarp. Die Pastorensuche sei eine große Arbeit, in die auch die jeweiligen Pfarrbezirke eingebunden werden.

100-jähriges Bestehen wird 2023 gefeiert

Gegenwärtig beschäftigt sich die NG-Vorsitzende unter anderem mit der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger für Pastor Martin Witte, Süderwilstrup (Sønder Vilstrup), der im Juni 2022 in Rente geht.

Des Weiteren wird demnächst ein Ausschuss gebildet, der sich mit der Planung des Jubiläums des 100-jährigen Bestehens der Nordschleswigschen Gemeinde 2023 beschäftigen wird. Der Auftakt des Jubiläums wird im Januar 2023 stattfinden, erzählt die Vorsitzende. Für Mary Tarp ist die Arbeit in der Gemeinde ein wichtiger Teil ihres Lebens. „Ich bin ein gläubiger Mensch“, beschreibt sie ihre Beweggründe.

Mary Tarp ist Vorsitzende der Nordschleswigschen Gemeinde (Archivfoto) Foto: Karin Riggelsen

Von der Fördestadt ins dänische Grenzland

Mary Schneider wurde im August 1955 in Flensburg (Flensborg) geboren. Dort wuchs sie mit ihren vier Geschwistern auf. Nach dem Realschulabschluss an der Handelsschule 1972 fing sie beim Fernmeldeamt in Flensburg eine Lehre als Bürokauffrau an.1973 lernte sie ihren späteren Ehemann Helmuht Tarp kennen.

Der deutsche Nordschleswiger aus Pattburg (Padborg) und die junge Flensburgerin liefen sich in einer Flensburger Disco über den Weg. Das Paar heiratete ein Jahr später und ihre beiden Töchter wurden 1977 und 1979 geboren, der Sohn erblickte 1986 das Licht der Welt.

Mary Schneider zog nach der Heirat nach Dänemark. „Das war nur eben über die Grenze“, lacht Mary Tarp. Für sie war es nicht die große Umwälzung. Aber die dänische Sprache musste sie lernen und sie besuchte Abendkurse. „Ich wäre auch mit Deutsch durchgekommen, weil man Mann der Minderheit angehört und ein Teil der Nachbarn konnten auch Deutsch“, erinnert sich Mary Tarp. Sie hatte aber von vornherein entschieden, dass sie die Sprache ihres neuen Heimatlandes lernen wollte.1987 erhielt sie auch die dänische Staatsbürgerschaft und musste im Gegenzug ihre deutsche Staatsbürgerschaft abgeben, weil man damals, so Tarp, keine doppelte Staatsbürgerschaft haben konnte. Der nordschleswigsche Dialekt sei ihr nicht so fremd gewesen, denn ihre Mutter wuchs in Tyrstrup bei Christiansfeld auf. Damals gehörte der Landesteil zu Preußen. Ihr Großvater, der Postbote war, wurde 1919 zunächst nach Husby (Hysby) und später nach Flensburg versetzt.

Tankstelle und Autowerkstatt in Grenznähe

Nach der Geburt ihrer beiden ältesten Kinder war Mary Tarp über einen längeren Zeitraum hinweg im Mutterschutz. Sie hatte nach abgeschlossener Ausbildung zunächst ihre Arbeit fortgesetzt beim Fernmeldeamt, kündigte aber 1980, um sich ihrer Familie zu widmen.

Zu Hause in Pattburg gab es genug zu tun, denn sie und ihr Mann betrieben die Autowerkstatt und Tankstelle, die Helmuht Tarp 1974 von seinen Eltern gekauft hatte. Mary Tarp war für die Buchhaltung und die Büroarbeit zuständig, bis die Firma abgewickelt wurde. Die Tankstelle wurde 1983 geschlossen und die Autowerkstatt wurde zwei Jahre später verkauft. Das Wohnhaus haben Mary und Helmuht Tarp behalten: „Hier ist mein Mann geboren und hier möchte er wohnen bleiben“, sagt Mary Tarp.

Mary Tarp wechselt mit vielen konkreten Plänen in den Vorruhestand. Foto: Karin Riggelsen

Stellenanzeige führte zum „Nordschleswiger“

Nach der Babypause mit ihrem Sohn stieg Mary Tarp 1992 auf den Arbeitsmarkt ein. Sie arbeitete als stellvertretende Abteilungsleiterin bei einer Firma in Harrislee (Harreslev). Als das Unternehmen geschlossen wurde, belegte Mary Tarp einen Fortbildungskurs in Apenrade. „Dann habe ich die Stellenanzeige im ,Nordschleswiger‘ gesehen. Und mich als Urlaubsvertretung im Büro von Matlok beworben“, sagt Mary Tarp rückblickend.

Campen und Kochen

Mary Tarps Tochter Carina arbeitet als Schulleiterin und wohnt in Tastrup (Tostrup) bei Flensburg. Meike, ist ausgebildete Erzieherin und lebt in Neuenkirchen im niedersächsischen Landkreis Cuxhaven. Sohn Thorsten ist Automechaniker. Er wohnt in Emmen bei Luzern. Die Vorruheständlerin in spe hat zwei Enkelkinder.

Der Wohnwagen des Ehepaares Tarp hat seinen festen Standort auf einem Naturcampingplatz in Schleswig, wo die Pattburger die Schlei und den Dom im Blick haben. Mary Tarp liest viel und Krimis sind ihre Lieblingslektüre. Ein anderes Hobby ist das Kochen und neue Rezepte, die sie beispielsweise beim Stöbern in der deutschen Zentralbücherei und der Büchereifiliale in Tingleff findet, werden nicht nur zu Hause, sondern auch im Wohnwagen und den Besuchen bei den Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln ausprobiert.

Die Vertriebsleiterin bereitet sich auf einen Alltag ohne dienstliche Verpflichtungen vor. Foto: Karin Riggelsen

Vorruhestand bedeutet auch Abschied von zwei Ämtern

Mary Tarp wird im Vorruhestand mehr Zeit für ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten bleiben. Von zwei Ämtern wird sie sich allerdings trennen müssen. Tarp wurde vor einigen Jahren als Vertreterin ihrer Kolleginnen und Kollegen in den Vorstand des Geschäftsträgers des „Nordschleswigers“, Deutscher Presseverein, berufen. Seit der Gründung des hausinternen Mitarbeitervereins steht sie auch an dessen Spitze. „Diese Ämter werde ich bei meinem Ausscheiden abgeben“, sagt die nun bald ehemalige Allrounderin des „Nordschleswigers“.

Es hat Spaß gemacht. Ich bin gerne hier gewesen. Ich bin auch gut mit den Chefs zurechtgekommen. Das, was mir am meisten Spaß machte, war, dass es so abwechslungsreich war. Ich habe die Chance gehabt, mich weiterzuentwickeln. Ich bin dankbar, dass man mir diese Chance gegeben hat.

Mary Tarp, Vertriebsleiterin

Dankbar für die Chance zur Weiterentwicklung

Sie ist dankbar, über die knapp 30 Jahre im Dienst des Minderheitenmediums: „Es hat Spaß gemacht. Ich bin gerne hier gewesen. Ich bin auch gut mit den Chefs zurechtgekommen. Das, was mir am meisten Spaß machte, war, dass es so abwechslungsreich war. Ich habe die Chance gehabt, mich weiterzuentwickeln. Ich bin dankbar, dass man mir diese Chance gegeben hat.“

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Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
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